Der Langzeitwursttest beim SC Sperber
geschrieben von S.Beyer am Sonntag, 16. Mai 2010 18:08

Was lange währt, wird endlich gut. Oder zumindest nicht schlechter. Vor über sechs Wochen waren wir beim SC Sperber in Alsterdorf zum Spiel gegen Süderelbe. Vor zwei Wochen waren wir dann ein zweites Mal dort, diesmal zum Nachholspiel gegen SV Blankenese. Zwei Dienstagsspiele nach Feierabend. Diese Spiele unter der Woche haben zwar den Nachteil, dass man in der Regel direkt aus dem Büro kommend aussieht wie ein Möchtegernfuktionär, der im Auftrag der lokalen Konkurrenz versucht mit Tankgutscheinen oder so den Topspielern der Heimmannschaft Wechselgedanken einzuimpfen. So oder so ähnlich argwöhnisch sind die Blicke, die einem vom Kassenhäuschen bis zur Haupttribüne entgegenblitzen. Beim SC Sperber ist das allerdings trotz Innenstadtklamotte nicht so schlimm (ich vermute das liegt an den zur Anlage gehörenden Tennisplätzen). Und selbst wenn, die Vorteile überwiegen eindeutig: Erstens kommt man pünktlich aus dem Büro und hat zum Feierabend frische Luft. Das ist an manchen Tagen sicher besser als der Mief in den Kneipen oder Fitnessstudios (je nach Neigung bzw. Tagesform). Zweitens ist es dank der stromsparenden Ansetzungen um 18:00 bzw. 18:30 Uhr möglich, an einem schnöden Dienstag Europapokal und Landesliga zu kombinieren. Drittens kann man bei der Wahl der richtigen Sportanlage günstig an ein hervorragendes Abendessen kommen. Denn was ist besser als eine gut gegrillte Wurst mit einem kalten Bier dazu? [...]
Thema: Hamburg, SC Sperber | Kommentare (1) | Autor: S.Beyer
Mittwochabend ging es mit der S3 bis zur Endhaltestelle nördlich der Elbe bis nach Pinneberg, um das Schleswig-Holstein-Derby des lokalen Verein für Leibesübungen, kurz VfL, gegen den SV Rugenbargen zu sehen. Für mich ging es von der S-Bahn-Haltestelle gut ausgeschildert durch ein kleines Wäldchen vorbei am Schwimmbad und der Wasserskianlage bis zum Stadion an der Fahltsweide. Beide Spielstätten sind über den Bus 295 miteinander verbunden, was auf reges Zuschauerinteresse hoffen ließ, zumal es sich auch noch um ein Spitzenspiel handelte.
Samstagnachmittag vor zwei Wochen, während ein Teil der Fußballfans gen Osten nach Berlin fuhr (die beiden anderen Gruppen verschlug es in den Westen zum Volkspark gegen Mainz oder ans Millerntor zum kleinen Stadtderby) ging’s für mich in den Nord-Osten zum Spitzenspiel der Landesliga Hansa zum Bramfelder SV gegen VW Billstedt unter erschwerten Bedingungen. Das HVV-Bermuda-Dreieck zwischen Kellinghusenstraße, Holstenstraße und Hauptbahnhof hatte wieder einmal Gleise verschluckt, was den HVV zwang, Schienenarbeiten durchzuführen. So ging’s von Altona über den Hauptbahnhof nach Farmsen und dann mit dem Bus 26 bis zur Ellerreihe.
Auch wenn es an der Hoheluft für Victoria Hamburg das 24. und für den USC Paloma das 26. Spiel in der Hamburgliga in dieser Saison war, zählte man am Freitag, den 16.4., bereits den 29. Spieltag. Die Nachwirkungen des Winters sorgen also für eine nach wie vor stark zerklüftete Tabelle, die aber dennoch zwei Dinge über die beobachteten Vereine verrät. Victoria kann zwar noch nicht die Meisterschaft feiern, ist aber auf einem sehr guten Weg den Titel zu verteidigen, trotz etwas schwächerer Auftritte im Kalenderjahr 2010. Die Tauben können dagegen dank einer besonders starken Phase seit dem Jahreswechsel frühzeitig mit einem weiteren Jahr in Hamburgs höchster Spielklasse planen. Es versprach also ein interessantes Spiel zu werden und dazu eine gute Gelegenheit endlich einmal die Bratwurst des Hamburger Serienmeisters einer Bewertung zu unterziehen.
Ein Dienstagabend Mitte April. Viertelfinale im Hamburg-Pokal. Altona 93 muss beim Bezirksligisten Camlica Genclik antreten. Allein die Höhe des Sieges scheint heute offen zu sein, schließlich trennen die Teams zwei Spielklassen. Austragungsort ist die Wolfgang-Mayer-Sportanlage in Stellingen. Eine Handvoll fussballwurst.de-Experten ist bereits anwesend, als ich pünktlich zum Anpfiff am Grandplatz ankomme. Etwa 100 Altonaer unterstützen ihre Mannschaft – der Gastgeber bringt sicher noch einmal soviele Zuschauer mit. Und so wird zweisprachig angefeuert. “Camlica” ist ein Ostistanbuler Stadtteil und Genclik bedeutet “Jugend”. 2001 wurde der türkische Migrantensportverein unter dem Namen “Club-Camlica Jugendtreff” gegründet. Die Mannschaft belegt den vierten Platz in der Bezirksliga und kämpft heute von Anfang um die Sensation.
Sonntagnachmittag stand ich vor der Frage, ob ich einem Spiel um die goldene Ananas des AFC gegen Eintracht Norderstedt auf der AJK beiwohnen soll. Denn Altona 93 ist gesichert und der kommende hamburger Oberligameister, vermutlich Victoria, will aus nachvollziehbaren Gründen nicht aufsteigen. Die Eintracht aus Norderstedt machte einen verfrühten Aprilscherz, als sie die Unterlagen für die Regionalliga einreichte. Tags darauf wurde er aber wieder zurückgezogen. Ich bin kein Vegetarier und so entschied ich mich, den SV Blankenese gegen FC Elmshorn zu besuchen. Da ging es nämlich um die Wurst für beide Vereine. Der SV Blankenese konnte durch einen Sieg mit Elmshorn aufschließen, um weiter mit großen Schritten Richtung Klassenerhalt zu marschieren.
Sonntagfrüh vor einer Woche ging es in die Schanze, wo in der Bezirkliga Nord das Spiel gegen den SC Poppenbüttel angesetzt war. Gespielt wurde nicht auf dem eigentlichen Vereinsgelände, was in der Nähe des SV Polizei, vorbei an den Gleisen hinter dem Wasserturm, gelegen ist, sondern im Käfig vor dem Schanzenpark. Dieser wurde mit finanzieller Unterstützung des im Wasserturm eingezogenen Hotels von einem Grandplatz in einen Kunstrasen umgewandelt. Der Rasen war wegen des langen Winters noch nicht bespielbar. Genutzt wird die Anlage von zwei Vereinen: Dem schon erwähnten VfL Hammonia und dem SC Sternschanze. Es befinden sich auch zwei Vereinsheime auf dem Gelände. Spielfein machen sich die Sportskameraden jedoch exklusiv im Heim des SC Sternschanze.
Vor 2,5 Wochen, der Schnee war gerade (das erste Mal) geschmolzen, die Straßenreinigung hatte ihre Initiative gegen den so genannten Winterdreck begonnen und schon keimte in Hamburg das erste Mal nach einem langen, laangen, laaangen Winter wieder die Hoffnung auf Amateurfußball. Endlose Wochen und Monate ohne Bratwurst, Bier und Ballrethorik schienen vorbei. Während Rasenplätze nicht bespielbar waren, stand den ersten Begegnungen auf Kunstrasen nichts im Wege. Der SV Uhlenhorst Adler von 1911 / 25 (kleiner Recherche-Auftrag an die Abteilung „Vereine und Ihre Gründungsjahre“?) verfügt über ein solches Geläuf und zusätzlich über eine kleine Flutlichtanlage. So sah man sich im Stande an diesem denkwürdigen Freitagabend die erste Mannschaft des SC Alstertal-Langenhorn zu empfangen. Natürlich fand sich schnell eine Gruppe interessierter Bratwurstgourmets bzw. Fussballgourmands. Wer allerdings voller Vorfreude im Verlauf des Nachmittags den Himmel oder auch den Wetterbericht beobachtete konnte im Prinzip schon erahnen, dass dieser Tag bzw. Abend nicht der lang ersehnte Auftakt des Frühlings war. Und obwohl es erwartungsgemäß langsam zu schneien begann, sollte es zumindest der Auftakt der Rückrunde für die UH-Adler und auch für fussballwurst.de werden.
Donnerstagabend war das DFB-Pokal-Achtelfinale auf dem Gelände des Hamburger Fußballverbands angesetzt, nachdem es von Dezember bis Februar witterungsbedingt ausfiel. Der Bundesligist Hertha BSC trat mit vier aktuellen Nationalspielern an und war klarer Favorit gegen die letzte im Wettbewerb vertretene Hamburger Mannschaft. Nicht der HSV oder FC St.Pauli, sondern SC Concordia hielt die Fahne der Hansestadt im nationalen Pokalwettbewerb hoch. Nanu. Irgendetwas ist hier doch falsch! Nein, alles hat seine Richtigkeit, denn wir sind heute bei der A-Jugend. Die A-Jugend von Concordia ist in der Regionalliga Nord, die zweithöchste Jugendliga, beheimatet und steht dort im Mittelfeld. 


