Grazie Roma – Wurst und Pizza in der ewigen Stadt

as_romDa die Fußballwürste normalerweise ja vornehmlich im norddeutschen Raum unterwegs sind, war es mal wieder an der Zeit, international tätig zu werden. So wurden weder Kosten noch Mühen gescheut und die ewige Stadt am Tiber als Ziel auserkoren. Und da es sich in Bella Italia ja bekanntlich sehr gut aushalten lässt, packten wir die Koffer für satte sechs Tage mit dem Höhepunkt am Ende, einem Spiel der Seria A im altehrwürdigen Stadio Olimpico. Seit jeher kämpfen zwei Römer Vereine bzw. deren Anhängerschaften um die Vorherrschaft in der Stadt. Auf der einen Seite die Laziali, die eher in den Vororten und der Region um Rom verortet sind, auf der anderen Seite die Romanisti, die nicht nur in der Ausschmückung der Straßen eher im Stadtkern vertreten sind. Da sich beide Vereine seit 1953 dasselbe Stadion teilen, gibt es praktischerweise auch jedes Wochenende ein Spiel. In unsere Reisezeit fiel somit das Duell zwischen dem AS Rom und Novara Calcio am 30. Spieltag der Saison 2011/12.

An dieser Stelle wäre es müßig, auf die vielen Vorzüge und die unglaubliche Geschichtsträchtigkeit dieser wunderschönen Stadt hinzuweisen. Nur soviel sei gesagt, diesen grandiosen Ort sollte jeder einmal in seinem Leben besucht haben.

IMG_4102Kommen wir also zum Sportlichen. Seit Beginn der Saison 2010/11 gibt es in Italien die ungeliebte Tessera del Tifoso, eine Reaktion auf die steigende Gewalt in italienischen Stadien der letzten Jahre. Dies bedeutet, dass beim Ticketkauf immer auch der Ausweis vorgezeigt werden muss und der Name des Besitzers direkt auf die Karte gedruckt wird. Nach vorheriger Recherche erschien es uns als sinnvoll, uns diese im Vorhinein in einem der zahlreich über die Stadt verteilten AS Roma-Stores zu besorgen. So landeten wir zwei Tage vor dem Spiel in einem Fanshop an der Piazza Colonna mitten in der Innenstadt. Der Ticketkauf ging schnell und unkompliziert über die Bühne. Auf einschlägig bekannten Internetseiten wird auswärtigen Besuchern bzw. Touristen davon abgeraten, Karten für die Curva Sud, die Heimat der Roma-Ultragruppierungen, zu kaufen. Vorgeschlagen wurden uns Karten für die Gegengerade (Tribuna Tevere Centrale) zum Preis von 30 Euro und die Curva Nord für 12 Euro. Das erstaunliche hierbei ist, dass Frauen generell die Hälfte bezahlen. So entschieden wir uns für die unerwartet günstigen Karten in der Nordkurve, die im 14-tägigen Rhythmus als Heimat der treuesten Lazio-Tifosi dient.

IMG_4090Das Olympiastadion liegt ein gutes Stückchen nördlich der Innenstadt. Da es leider keine U-Bahnstation in der Nähe gibt, entschieden wir uns für den Bus. Am Ziel angekommen, erwartete uns rund um das Stadion ein weitläufiges Gelände, das Foro Italico (früher Foro Mussolini), welches in den 1930er Jahren mit dem Ziel einer Olympiabewerbung errichtet wurde. Inmitten dieser mit verschiedensten Sportstätten bebauten und von idyllischen Hügeln überragten Fläche befindet sich das als Stadio dei Cipressi von 1927 bis 1932 errichtete heutige Stadio Olimpico. Hier wurde die deutsche Nationalmannschaft 1980 mit einem 2:1 über die belgische Auswahl Europameister und zehn Jahre später unter Franz Beckenbauer sogar Weltmeister durch ein 1:0 gegen Argentinien. Für die WM 90 wurde zudem auch der letzte umfassende Umbau vorgenommen.

IMG_4008Die Kontrollen an den Stadiontoren waren aus deutscher Fansicht ungewohnt entspannt und unkompliziert. Ein kurzer Blick in die mitgeführten Taschen sollte den Ordnern genügen. Keinerlei Leibesvisitation oder anderweitige Drangsalierung, warum nicht auch in Deutschland so… Auf der weiträumigen Fläche vor dem Stadionrund fielen unsere Blicke naturgemäß sofort auf die Versorgungsstände. Hier sowie im Umlauf der Tribünen sind diese in ausreichender Zahl vorhanden. Aus kulinarischer Sicht werden insbesondere Panino (belegte Brötchen), Pizza Margherita sowie Hot Dog auf großen Schildern angepriesen. Darüber hinaus gibt es in dem überaus reichhaltigen Angebot noch viele weitere Leckereien von Eis bis hin zu diversen Knabbereien. Getränketechnisch waren wir über das Vorhandensein von Bier, zudem in der alkoholhaltigen Variante, sehr überrascht, wohingegen zu unserer Verwunderung nicht wie erwartet weinhaltige Getränke ausgeschenkt werden. Für den antialkoholischen Genuss werden daneben wie in Italien gewohnt, diverse Kaffeespezialitäten zum Verkauf angeboten, die landestypisch in Verbindung mit Wasser geordert werden. Die Preissituation beim Gerstensaft war aus unserer Sicht etwas verwirrend, da neben Flaschenbier im 0,33l-Gebinde für 4,00 Euro die gleiche Menge auch in gezapfter Menge für 1 Euro mehr erhältlich ist. Da beide Varianten an unterschiedlichen Ständen ausgeschenkt werden, sollte hier auf jeden Fall vorher die Preisliste studiert werden. Preiswerter wird es mit 2 Euro weniger zudem, wenn das Bier römischer Herkunft in Kombination mit einem Hot Dog, für welchen einzeln 4,00 Euro berappt werden, bestellt wird. Letztendlich entschieden wir uns für zwei Hopfenkaltschalen mit Hot Dog und Pizza.

IMG_4020Beginnen wir zunächst mit der Pizza für ebenfalls 4,00 Euro. Wer jemals in Italien eine Pizza gegessen hat, sollte an das Stadionexemplar keine allzu großen Erwartungen stellen. Dieses wird vorgefertigt in kleinen Öfen aufgewärmt und lauwarm in einem Plastikteller serviert. Zudem konnte weder die Optik noch der Geschmack überzeugen. Leider können wir auch kaum etwas gutes über den sogenannten Hot Dog sagen. Die Wurst Wiener Art wird auf einem Gasgrill erwärmt, wobei wir später an anderen Ständen auch die Zubereitung in heißem Wasser beobachten konnten. Auch hier ist somit eine vorherige Inspizierung der verfügbaren Kioske durchaus zu empfehlen. Wahlweise wird hinter der Theke auf Nachfrage Ketchup oder Senf auf den Prengel verteilt und in einem halb aufgeschnittenen, jedoch leider nicht getoasteten länglichen Sesambrötchen serviert. IMG_4016Optisch ist das ganze für den geneigten Wursttester wahrlich keine Augenweide und auch der erste Biss war für uns keine Offenbarung. Die Wiener war lauwarm, ohne Biss und fast gänzlich fehlendem Geschmack. Auch das Brötchen konnte mit seiner labbeligen Konsistenz wenig Erbauliches beitragen, einzig der vorzügliche Senf sorgte hier für einen erfreuten Testergaumen. In Anbetracht dessen, dass wir uns hier in keinem bratwurstrelevanten Testgebiet befanden und angesichts der erfreulich großen Auswahl können wir für das Gesamtpaket so gerade noch einen Wurststern vergeben.

(1/5)

Gestärkt konnte nun das Spiel beginnen. Beim Einnehmen unserer Sitzplätze fiel zunächst auf, dass die Beinfreiheit selbst für einen durchschnittlich großen Mitteleuropäer alles andere als üppig ist. Auf den zweiten Blick war recht eindeutig, dass wir nicht die einzigen Touristen im Stadion waren. So tummelten sich Besucher unterschiedlichster Nationen in der Curva Nord, die u.a. in der Halbzeitpause am Bierstand durch ihre Unentschlossenheit bzw. Unwissenheit für erschreckend lange Warteschlangen bei der Flüssignahrungsversorgung führten. Die Bedürfnisanstalten (v.a. der Frauen) wiesen zwar keine Schlangen auf, waren aber auch weniger als ansprechend – die  mitgereiste Fußballwurstfreundin vermisste den üblichen „Luxus“ von Papier sowohl innerhalb, als auch außerhalb der blechernen Kabine. Erfreulich aus unserer Sicht jedoch ein vor dem Stadion, wie sonst auch allerorten in der Innenstadt, befindlicher Trinkwasserbrunnen zum kostenlosen Nachfüllen der leider nicht umweltfreundlichen Wegwerf-Becher.

IMG_4054Das weite Rund war mit 40.000 Zuschauern für italienische Verhältnisse recht gut gefüllt. Angesichts eines Stadions, welches für knapp 73.000 Menschen konzipiert ist, ergaben sich allerdings auch große Lücken, obwohl es für die Romanisti im Kampf um die Europaleague-Plätze noch um einiges ging.

Von Anfang an entwickelte sich ein überaus lebendiges Spiel. Nachdem der in Deutschland weitestgehend unbekannte Gast aus Novara in Führung ging, war es ein Schaulaufen der Roma und es sollten erfreulich viele Tore fallen. Die Auswechslung der römischen Fussballegende Francesco Totti kurz vor Ende wurde nicht zuletzt deshalb groß gefeiert. Man of the Match, welches übrigens mit 5:2 für die Hausherren endete, war aus meiner Sicht jedoch ein junger serbisch-spanischer Spieler namens Bojan Krkić, von dem im spanischen Nationaltrikot in Zukunft sicherlich noch einiges zu hören sein wird.

IMG_4061Die Stimmung im Stadio Olimpico war an diesem Tag leider als äußerst durchwachsen zu bezeichnen. Aufgrund der ungewohnt frühen Ansetzung dieses Spieles um 12:30 gab es von der Curva Sud einen weitestgehenden Gesangsboykott und neben diversen Nebeltöpfen nur selten lautstarke Kostproben aus der dank Laufbahn leider recht weit entfernten Heimat der treuesten Roma Tifosi. Die angereiste ca. 200 Mann starke Anhängerschaft des Mailänder Vorstadtclubs bot zudem nur bis zum 2:1 für die Roma eine akzeptable Leistung. Zu überzeugen wusste jedoch eine kleinere alternativ gekleidete Gruppe im vorderen Bereich der Curva Nord, die unentwegt sang und neben vielen kreativen Ideen u.a. auch eine inszenierte Schlägerei darbot.

Erwähnenswert sind in jedem Fall noch die beiden Vereinslieder von Antonello Venditti, die vor und nach dem Spiel gespielt werden und stark ohrwurmverdächtig sind. Die Lautstärke und Mitmachquote der mitsingenden Römer sucht in Deutschland ihresgleichen.

Alles in allem war dieser Besuch eine willkommene Abwechslung zum Alltag in deutschen Stadien und mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck sollte es einen Tag später schweren Herzens zurück in die Heimat gehen.

Eines ist jedoch jetzt schon sicher… wir kommen wieder!

S.P.Q.R.

Autor: S.Schroeder
Datum: Freitag, 13. April 2012 15:43 | Dieser Artikel wurde 956mal gelesen
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3 Kommentare

  1. 1

    Hallo

    Ein Tip fuer den naechsten Besuch: das richtige Stadionessen der Roemer ist “Panino con la porchetta” (also Broetchen mit Spanferkel”), gibt es allerdings nur ausserhalb des Stadions und wird meistens NACH dem Spiel verzehrt.

  2. 2

    Ich weiss nicht so genau, was ich zu diesen “Köstlichkeiten” sagen soll; das erinnert mich stark an meine jugendlichen Schwimmbaderlebnisse mit der heissen Hexe…

  3. 3

    Ein toller Bericht, Herr Schröder :-)

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