Die olympische Wurst im Eiskeller der Hertha

400px-Hertha_BSC_Logo_bis_1999.svgDie Winterpause ist in Liga 1 zwar schon seit einigen Wochen passé, jedoch scheint das dem Wetter ziemlich schnuppe zu sein. Zweistellige Minusgrade, Schnee und Eis seit Tagen sorgen für Bedingungen, bei denen man die warme Wohnung am liebsten gar nicht verlassen möchte. Da aber Berlin angeblich ja immer eine Reise wert ist, machten wir uns trotz alledem zusammen mit befreundeten 96´ern auf den Weg gen Hauptstadt, um der Partie von Hertha BSC gegen die Roten aus Hannover am 20. Spieltag der Saison 2011/12 beizuwohnen. Zudem galt es auch, einen weiteren weißen Fleck auf der Fußballwurstkarte zu tilgen.

IMG_3610Dem Olympiastadion zu Berlin stehe ich seit jeher mit gemischten Gefühlen gegenüber. Zum einen zählt es für mich durch seine klare, wenn auch bisweilen monumentale Architektur zu den schönsten Arenen im Lande und kann besonders bei gut besuchten Spielen, wie z.B. dem Pokalfinale, mit einer großartigen Atmosphäre aufwarten. Zum anderen ist man als Besucher, vor allem in den Kurven, aufgrund der Leichtathletikbahn dermaßen weit vom Spielfeld entfernt, dass es schwer fällt den Ball zu verfolgen, geschweige denn die Spieler genau zu identifizieren. Zudem ist es dem Denkmalschutz zu schulden, dass Dachstützen im Oberrang zu teilweise erheblichen Sichtbehinderungen führen.

Bevor das Spiel starten sollte, schritten wir zum obligatorischen Wursttest. Die Versorgungssituation im Allgemeinen ist als durchweg gut zu bezeichnen. So sind im sowie vor dem Gästeblock genug Verkaufsstände in den Umlauf zwischen Ober- und Unterrang integriert. Dies sorgt für überschaubare Schlangen und im Gegensatz zu vorherigen Besuchen für eine schnelle Abfertigung. Neben der klassischen Bratwurst für gerade IMG_3619noch vertretbare 3,00 Euro gibt es Curry- sowie Bockwurst, Bouletten und Schnitzelbrötchen. Wen es zudem immer schon nervte, aufgrund der Bechergrößen ständig den Block zwecks Bierbeschaffung zu verlassen, für den gibt es hier, neben dem üblichen halben Liter, eine komplette Maß im umweltfreundlichen Pfandbecher. Wir entschieden uns für die klassische Bratwurst und die halbe Portion der dänischen Brauerei. Rein optisch ist der Bratprengel vom Gasgrill nicht zu verachten. Gut gebräunt, wenn auch der Umfang für mein Dafürhalten etwas kräftiger ausfallen könnte. Senf und Ketchup ist an Selbstbedienungswagen außerhalb des Verkaufsstandes frei dosierbar. Wermutstropfen ist hierbei die starke Verschmutzung ebenjener, die man sonst nur vom Hotdog-Essen in schwedischen Möbelhäusern kennt. Der erste Biss offenbart eine relative Geschmacksneutralität. Nicht wirklich schlecht, aber auch ohne wirklichen Pepp ist dieses Braterzeugnis eines regionalen Fleischgroßanbieter alles andere als überdurchschnittlich. Somit leider auch hier nur Mittelmaß, wäre da nicht das, aus norddeutscher Sicht, erfreuliche Brötchen. Die Backware ist frisch, kross und ist uns allemal einen halben Extrapunkt wert. Somit vergeben wir alles in allem 3 Wurststerne.

(3/5)

IMG_3614Frisch gestärkt konnte das Spiel beginnen. Leider war das Stadion mit 37.000 Zuschauern gerade mal zur Hälfte gefüllt. Im Hannoveraner Block, der mit etwa 3.000 – 4.000 Fans besetzt war, wurde vor Anpfiff noch der eine oder andere pyrotechnische Artikel kontrolliert abgebrannt, was einem zumindest optisch ein wenig warm um´s Herz werden ließ. Dies konnte man vom Spiel selber leider nicht sagen. Spielerische Höhepunkte waren Mangelware, wobei die Mannschaft vom neuen (und neuerdings auch schon wieder alten) Berliner Trainer Michael Skibbe durchaus mehr zu überzeugen wusste. Die Stimmung auf den Rängen passte sich zudem leider auch dem mäßigen Gekicke sowie den eisigen Temperaturen an und war auf beiden Seiten eher als unterdurchschnittlich zu bezeichnen. So wie es oft passiert, wenn die Heimmannschaft ihre vorhandenen Chancen nicht nutzt, konnte der Gast aus Hannover eine der wenigen Einschussmöglichkeiten zum 0:1 verwerten und brachte das Ergebnis relativ souverän nach Hause.

Als Fazit dieses frostigen Ausfluges bleibt einzig festzuhalten, dass nicht nur auf dem Rasen sondern auch in Sachen Fussballwurst die Eisernen aus Köpenick weiterhin unangefochtener Stadtmeister sind.

Autor: S.Schroeder
Datum: Mittwoch, 15. Februar 2012 17:43 | Dieser Artikel wurde 951mal gelesen
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Ein Kommentar

  1. 1

    Miese Temperatur, aber – auch wenn es fußballtechnisch bzw. wursttechnisch irrelevant ist – ein großes Lob verdienen die Heizlüfter im Toilettenbereich… Ansonsten: mäßiges Spiel, mittelmäßige Wurst, dennoch unter uns Anwesenden eine gute Stimmung – und ein, die Mittelmäßigkeit übertreffender, schöner Bericht!!!

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