Energie-Wurst im Stadion der Freundschaft

120px-Logo_Energie_CottbusAm 10. Spieltag der Saison 2011/12 sollte es den FC St. Pauli zum Auswärtsspiel beim FC Energie Cottbus führen. Dank der „zuvorkommenden“ Terminierung der Samstagsspiele in Liga 2 auf 13 Uhr, machten wir uns mit den Fanladenbussen zu einer Uhrzeit auf, wo man das Bier in Bierkästen noch nicht über die Reeperbahn tragen darf… (will heißen: 5.00h…) auf den Weg gen Osten. Am Stadion der Freundschaft angekommen stellten wir zu unserer Verwunderung fest, dass aufgrund der Deklarierung als Sicherheitsspiel eine komplette 4-spurige Straße südlich des Stadions für die St. Paulianer gesperrt wurde. Bei überraschend hochsommerlichen Temperaturen um die 30 Grad und strahlender Sonne konnte man somit noch ungestört ein gepflegtes Bierchen in der Sonne trinken. Das angedachte Gruppenfoto mit den zahlreich vorhandenen und größtenteils gelangweilten Gesetzeshütern kam jedoch leider nicht zustande, da sich die Beamten in ihren Kampfanzügen wohl nicht für fotogen genug hielten und beim Zücken der Kamera schnell das Weite suchten.

Kurz vor Betreten des Stadions sollten weitere Überraschungen folgen. So waren Taschen jeglicher Art und Größe, ob Gürtel- oder Umhängetasche verboten. Nachdem diese im Bus verstaut waren, musste sich darüber hinaus jeder an der Einlasskontrolle kurz seiner Schuhe entledigen. Was die Ordner darin zu finden gedachten, entbehrt sich jedoch jeglicher Logik.

Nach Begutachtung der Versorgungssituation fiel negativ auf, dass lediglich zwei Getränke- und Wurststände für die gut 2.000 anwesenden St. Paulianer doch arg dürftig erschienen. Trotz alledem war es erfreulich zu beobachten, dass alle ruhig blieben und in einer vernünftigen, sozialistischen Schlange der Dinge harrten. Da es aufgrund des schon erwähnten Sicherheitsspieles keine alkoholischen Getränke gab, und die Stände, umso näher das Spiel rückte, (wie erwartet) extrem überfüllt waren, entschieden wir uns, einen gefundenen Pfandbecher einfach mit Leitungswasser aus den Waschbecken in den Toiletten zu befüllen.

Für den geneigten Groundhopper sicherlich nicht uninteressant ist die markante Stadionarchitektur. Sie besticht durch Tribünen unterschiedlichster Bauzeit, Art und Größe und hebt sich somit wohltuend vom monotonen Einheitsbrei der modernen Arenen ab. Die beiden Hintertortribünen sind zudem reine Stahlrohrkonstruktionen, wobei hier konstruktionsbedingt Dachstützpfeiler verwendet wurden, die leider u.a. im Gästeblock für Sichtbehinderungen sorgen.

Die erste Halbzeit begann mit einer leichten Überlegenheit der Cottbusser, welche aber nicht in ernstzunehmenden Chancen der Gastgeber mündete. Ganz im Gegenteil, die Kiezkicker gingen nach gut einer Viertelstunde mit 1:0 in Führung. Energie ließ sich jedoch nicht beirren und setzte weiter nach, ohne jedoch wirklich gefährlich zu werden. Andererseits ging von Seite der St. Paulianer keine wirkliche Gefahr für das gegnerische Gehäuse aus, ehe kurz vor der Pause wiederum überraschend das 2:0 fiel. Da auch in der Halbzeitpause die Wurstsituation, wie auch die Getränkeversorgung angespannt bleiben sollte, entschieden wir uns erneut für Leitungswasser und eine Verlagerung des Wursttestes auf die 3. Halbzeit.

Spätestens nach dem vorentscheidenden 3:0 eine Viertelstunde vor Ende des Spiels sollte die ohnehin gute Stimmung unter den mitgereisten Gästefans seinen Höhepunkt erreichen und bis zum Ende des Spiels sowie einem weiterem Tor für St. Pauli nicht mehr abbrechen. Das einzige Tor der Cottbusser in der 81. Minute wurde durch lautes „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“-Singen übertönt und von den größtenteils bereits auf dem Heimweg befindlichen Energetikern sowieso nicht bemerkt. Zu den Cottbusser Fans ist allgemein nicht viel zu sagen, da von ihnen schlichtweg nichts zu hören war. Auch sollten sich die Vereinsverantwortlichen bei insgesamt nur 13.000 Zuschauern in solch einem Spiel und angesichts der Ambitionen von Energie durchaus Gedanken machen.

Wie nicht anders erwartet, konnten es sich zwei Halbstarke mit rot-weißen Schals nicht nehmen lassen, den Gästeblock zu provozieren und versuchen, den Zaun zu erklimmen. Jedoch wurden diese Störenfriede recht bald von den Ordnern abgeführt und sind nicht weiter der Rede wert.

Erwähnenswert ist vielleicht noch die ehrenwerte Aufgabe unseres Fanladenbusses, dem aufgrund eines Reifenplatzers gestrandeten U-18-Fanbus auf der Rückfahrt zu helfen, indem wir „leider“ für eine ca. 45 minütige Pause auf einem spärlich ausgestatteten Autohof bei Berlin ausharren mussten. Die Pause wurde zur Plünderung des Biervorrates der Tankstelle genutzt und die St. Pauli-Fans zeigten sich bezüglich ihrer Biersortenauswahl durchaus flexibel.

Nun schließlich zur Versorgungssituation: unsere Stimmung war angesichts des 4:1 Auswärtssieges ausgezeichnet, und wir waren milde gestimmt. Unser Gewürzprüfer erspähte Fleisch: Es wurden neben der obligatorischen normalen Bratwurst auch Bouletten, Schnitzelbrötchen, Brezeln und sogar Fischbrötchen angeboten. Wir entschieden uns für ein Schnitzelbrötchen und natürlich für eine Stadionwurst. Der Preis von 2,30 Euro für die Bratwurst ist angemessen, es gab ja immerhin ein Brötchen. Dieses war aber leider pappig und alles andere als frisch. Senf und Ketchup waren uns nicht zugänglich und wurden hinter der Theke wahlweise auf die Pappe kredenzt. Zur Wurst: Sie kam leider nur vom Gasgrill, war aber wenigstens heiß, gut durchgebraten, ordentlich gebräunt und kam im Unterschied zum allgemein vorherrschenden Wurst-Mainstream von einem regionalen Fleischproduzenten. Als Fazit lässt sich sagen, dass die Wurst zwar ganz annehmbar, aber leider etwas geschmacksneutral war. Aufgrund des Vorhandenseins eines Brötchens und einer freundlichen Bedienung vergeben wir dennoch 3 Wurststerne.

Der Vollständigkeit halber noch ein paar Worte zum Schnitzelbrötchen: Das Schnitzel war in Größe und Dicke mehr als zufriedenstellend. Auch der Geschmack war nicht zu verachten, aber es kam etwas vorgefertigt rüber und wurde kalt im o.g. Brötchen serviert. Ein Blatt Salat, Remoulade, der Preis von 3 Euro für die Größe und überhaupt das allgemeine Vorhandensein eines Schnitzels in einem Fußballstadion verdient aber Beachtung und erwirbt daher 4 Punkte.

Aufgrund der extrem spärlichen Versorgungssituation vor dem Spiel und in der Halbzeit vergeben wir als Gesamtwertung alles in allem 3 Sterne.

(3/5)

Autor: S.Schroeder
Datum: Samstag, 15. Oktober 2011 15:13 | Dieser Artikel wurde 594mal gelesen
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4 Kommentare

  1. 1

    Glückwunsch zum Einstand! Bin gespannt auf weitere Berichte!

  2. 2

    Schöner Bericht! Weiter so!

  3. 3

    Und was man evtl. in Schuhen verstecken könnte, darauf kommste bestimmt auch noch. :D

    Kann mich dem Lob meiner Vorschreiber sonst nur anschließen.

  4. 4

    Wenn ich Schuhe im XXL-Format angehabt hätte, wär mir schon was eingefallen… ;)
    Ansonsten vielen Dank für Euer Lob… der nächste Bericht kommt bald!

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