Da tat nicht nur die Wurst Veh – Glatte 6 beim FC Bayern München

FC BayernZugegeben ist dieser Wursttest nicht mehr ganz aktuell, dennoch möchte ich nicht versäumen, ihn zu veröffentlichen. Und ein wenig Füllmasse für die lange Sommerpause kann ja auch nicht schaden. Als weiteres Stadion stand neben dem in dieser Saison bereits besuchten Dortmunder Signal Iduna Park / Westfalenstadion auf der Liste der Arenen, die man mal gesehen haben muss, die Münchener Allianz Arena ganz oben. Also ging es, natürlich pünktlich zum Beginn des Bahnstreiks, für einige Tage in die bayerische Landeshauptstadt zum Deutschen Rekordmeister. Die sportlichen Vorzeichen dieses Spiels waren eher durchwachsen: Bei beiden Teams stand nach dem avisierten Rauswurf van Gaals und dem Rücktritt von Armin Veh fest, dass die Trainer die kommende Saision bei ihren aktuellen Vereinen nicht mehr erleben würden.  Somit war klar, dass die Unruhe im Verein sich bei dem potentiellen Verlierer noch verstärken dürfte.

Die Anreise aus unserem Domizil in der Innenstadt, dass architektonisch (zum Glück nur von außen) den Charme der Olympischen Spiele von 1972 versprühte, erfolgte bequem per U-Bahn. Bemerkenswert hierbei, dass die Eintrittskarten zum Spiel augenscheinlich nicht, wie sonst in nahezu der gesamten Bundesliga üblich, zur Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel berechtigen.  Ein entsprechender Aufdruck auf dem Ticket war zumindest nicht auszumachen.  Auch eine Form des “Mia san Mia”. In der U-Bahn-Station wurde dann auch der Fußballpöbel von einem Stationsansager regelrecht beschimpft, weil man nicht auf die andere Seite des Bahnsteiges wechseln wollte, um den leereren Teil des nächsten Zuges zu befüllen. Herzlich Willkommen in München, außer Du bist Fußballanhänger!

StadionZwanzig Minuten später die Ankuft am nagelneuen Stadionbahnhof, anschließend das gleiche Bild wie in der vertrauten Heimat Volkspark: Erstmal ein Fußmarsch von 15 bis 20 Minuten durch öde Wildnis und Beton, das Stadion immer fest im Blick. Da kamen fast heimatliche Gefühle auf. Immerhin war das Wetter umwerfend, frühlingshafte Temperaturen und Sonnenschein begleiteten den Weg – Fußballherz, was willst Du mehr? Das Stadion selbst ist auch am hellen Tag ein Augenschmaus, die Außenhaut eine architektonische Meisterleistung. Von innen jedoch sieht die Allianz Arena nicht wesentlich anders aus als andere Fußballtempel: viel Beton und wenig Farbe.

Und noch etwas fällt sofort auf, nämlich die vorbildlich hohe Anzahl der Verpflegungsstände, von denen in der Nähe zum Aufgang in den Gästebereich alsbald einer aufgesucht wurde. Eine Schlange gab es hier nicht, aber ohne Arena Card auch nix zu essen oder zu trinken. Die Bezahlkarte bekommt man bei Verkäufern (diesmal mit Schlange) mit einem Guthaben von 10, 20 und 50 Euro. Das Restgeld auf der Karte konnte man sich nach dem Spiel an Automaten erstatten lassen, sehr umständlich für Auswärtsfans und z.B. bei Borussia Dortmund wesentlich fanfreundlicher gelöst (als Auswärtsfan braucht man die Bezahlkarte dort nicht erwerben).

WurstSchließlich kamen wir dann aber doch in den eher zweifelhaften Genuss einer Münchener Bratwurst. Ob es an dem Stand lag oder der Bräter einfach nur einen schlechten Tag hatte wissen wir nicht. Beim Kauf lagen aber ca. 30 fertige Würste bereits in der Wurstwippe und kühlten vor sich hin, da keine Käufer in Sicht waren. Ein eher schlechtes Omen.  Wirklich druchgebraten war die Wurst nicht und der Geschmack eher unterer Durchschnitt. Das große Brötchen, dass zur Wurst für zusammen stolze 3,50 Euro gereicht wurde, konnte da auch nichts mehr rausreißen.  Der Wurstgenuss wurde vorzeitig beendet, an eine Nachspielzeit wurde kein Gedanke verschwendet. Es bleibt folgendes Fazit: Beim Fußball und beim Preis Champions League, bei der Wurst Kreisklasse – Herr Hoeneß: Übernehmen Sie!

(1/5)

Weiter im Angebot waren neben roter Bratwurst, Chili-Krainern (was immer das ist) und Bockwurst auch bayerische Spezialitäten wie Brezeln und Leberkäs, auch dies zu stolzen Preisen. Diverse Süßwaren rundeten das Nahrungsangebot ab. Zur Wurst wurde Paulaner gereicht, der halbe Becher zum gefühlten Bundesliga-Einheitspreis von 4 Euro. Softgetränke gab es für sehr teure 3,80.

Mit einem frischen Paulaner sollte es dann auf die Plätze gehen. Aber Fehlanzeige: Wir hätten ja unser teures Bier aus dem Gästeblock im Oberrang auf die unter uns stehenden / sitzenden Bayern-Fans vergießen können. In meinen Augen wäre das Verschwendung, aber grundlos wird man sich das nicht ausgedacht haben. Ein Grund mehr, warum ich nichts von Gästeblöcken im Oberrang halte. Leider scheint dies in der Bundesliga Schule zu machen und führt in letzter Konsequenz zu so absurden Maßnahmen wie im Bremer Weserstadion. Schade eigentlich.

Das Spiel selbst begann eher lustlos, mit einigen Chancen auf beiden Seiten. Von den Bayern-Fans war wenig zu hören. Das erste Mal habe ich sie wahrgenommen beim Versuch einiger “Fans”, den Gästeblock zu stürmen, nachdem der HSV-Anhang Lieder in Bezug auf die Stimmung beim FCB zum Besten gab. Die Warhnehmbarkeit der Bayern-Fans sollte sich dann aber sehr zu meinem Leidwesen doch noch ändern. In der 40. Minute knallte Arjen Robben den Ball ins HSV-Netz, der Untergang des HSV nahm seinen Anfang. Umgehend nach der Pause gab es noch zweimal Tulpen aus Amsterdam, ehe dann auch der andere Teil von Robbery sein Tor markierte. Galgenhumor machte sich breit. Nach dem 5:0 durch Müller gabs ein ”Oh wie ist das schön” vom HSV-Anhang (an alle Zuschauer vor den TV-Geräten: Das war NICHT der Bayern-Block!). Nach dem 6:0-Eigentor durch Westermann stimmten ca. 7.000 mitgereiste Hamburger das gute alte Leid vom Meister HSV an… das tat schon weh bzw. Veh. Der durfte nach dem Spiel seine Sachen packen, also alles wie immer im Hamburger Frühling.

Wer nun aber gedacht hätte, dass ganz München seine Freude mit Gesang und ausgelassener Stimmung zum Ausdruck bringt: Fehlanzeige. In der U-Bahn herrschte Weltuntergangsstimmung. Kaum eine Stimme zu hören, kein Gesang, wie beim Begräbnis. Und da war außer uns kaum ein HSV-Anhänger in der Nähe. Der hierzu befragte Bayern-Fan antwortete auf die Frage, ob das hier in München immer so sei: “Ja, wir könnten auch zuhaus die Champions League gewinnen, die Stimmung bliebe die Gleiche”. Muss wohl an der Wurst liegen.

In diesem Moment freute ich mich dann trotz der Klatsche irgendwie auf das nächste Heimspiel: Bessere Stimmung rund ums Spiel, hoffentlich drei Punkte für den HSV und eine Wurst, die deutlich besser schmeckt als in München (auch wenn die HSV-Wurst ebenfalls nicht zu den kulinarischen Hochgenüssen zählt – mit München können wir es, zumindest in der Wurstfrage, locker aufnehmen).

FC Bayern München

Hamburger SV

“Robbery” zeigen sich in Spiel- und Torlaune (Spielbericht auf kicker online)

Autor: C.Bloecker
Datum: Donnerstag, 23. Juni 2011 9:51 | Dieser Artikel wurde 1,694mal gelesen
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3 Kommentare

  1. 1

    hallo

    ich war mit st.pauli letzte saison in der arroganz arena und habe drei(!) rote würste verdrückt.
    die waren richtig gut.knackig, kräftig, einfach rund im geschmack.

    vielleicht hättet ihr die rote mal probieren sollen, dann wäre das ergebnis nicht soooooo schlecht ausgefallen.

  2. 2

    Hallo Millerntor,

    ich will nicht ausschließen, dass es an der Tagesform des betreffenden Standes oder an der Wahl der Wurst gelegen haben könnte. Aber die beiden Würste, die wir geordert hatten, waren wirklich nicht gut. Vielleicht belehrt uns der nächste Wursttest in München ja irgendwann eines Besseren.

    Und aus Gründen der Vergleichbarkeit mit anderen Fußballwürsten wurde nicht die “Rote” geordert, auch wenn das vielleicht die bessere Wahl gewesen wäre.

    Ich kann aber versichern, dass der Ausgang des Spieles nicht in das Ergebnis eingeflossen ist.

  3. 3

    Ich kann die rote Wurst in der Arena empfehlen, die schmeckt definitiv viel besser!!!!

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