Länderspiel-Wurst bei der U21-EM in Århus

UEFA Under 21 ChampionshipMein Auslandsaufenthalt in der dänischen Stadt Århus liegt nun schon einige Zeit zurück. Über das Pfingswochenende fuhr ich noch einmal hoch um einige Freunde zu besuchen, die ihrerseits bald das Land verlassen und nach Spanien zurückkehren werden. Da der Weg nach Spanien etwas weiter ist als der nach Midtjylland, musste die Chance für einen Besuch in der glücklichsten Stadt der Welt genutzt werden. Neben einer schönen Zeit mit meinen Freunden hielt das Wochenende auch einen Länderspielbesuch im Rahmen der U21-EM zwischen Island und Weissrussland bereit, die in Dänemark ausgetragen wird. Neben Viborg, Ålborg und Herning ist auch Århus Austragungsort des Turniers. København mit seinem Kampen blieb anscheinend unberücksichtigt. Regelmäßige Leser dieses Blogs werden sich erinnern, dass mein Urteil über die dänische Wurstkultur bisher recht harsch ausfiel. Der Fransk Hotdog im Århuser NRGi-Park wurde mit lediglich zwei Sternen bedacht. Bei diesem Besuch in Aarhus wurde nun die hochpreisige ‘Stadionplatte’ getestet, die ich mir damals nicht leisten wollte.

Ich muss zugeben, dass ich vom Stattfinden der U21-EM in Dänemark erst nach meiner Ankunft dort erfuhr. Es ist schwer das Event in Dänemark zu verpassen, denn Århus ist übersäht mit entsprechenden Plakaten und auf dem Domvorplatz wurde eine Fanmeile errichtet. Ich gehe davon aus, dass es in Viborg, Herning und Ålborg ähnlich aussieht. Neben Dänemark (welches als Ausrichter der EM automatisch als Teilnehmer gesetzt ist), Island und Weißrussland nehmen die U21-Mannschaften von England, Spanien, Ukraine, Tschechien und der Schweiz an der Endrunde teil. Deutschland konnte sich als Dritter der Qualifikationsgruppe 5 für die Play Off-Spiele zur Endrunde nicht qualifizieren. Das ist bedauerlich, denn es fiel mir deutlich schwerer mich mit Island oder gar Weißrussland zu identifizieren. Meine Sympathien lagen jedoch eindeutig bei Island, das zwar nicht Teil Skandinaviens, jedoch ein nordisches Land ist.

NRGi Park

Am Spieltag fuhr ich mit dem Bus 9 von Ravnsbjerg Richtung Innenstadt und stieg bei der Station Cyklebanen aus. Der Pfad vorbei an der Radrennanlage führte mich zum Stadion, wo ich zunächst fragte, welches Spiel denn überhaupt stattfinden würde. Meine Hoffnung, ein Spiel der Dänen sehen zu können, wurde recht schnell zerschlagen. Der Zeitpunkt des Anstoßes war mit 18 Uhr jedoch perfekt, denn er ließ mir genug Zeit, am Nachmittag das gute Wetter am Århuser Strand zu genießen. (Wer im Juni in der Stadt ist sollte auf keinen Fall die Skulpturausstellung am Strand und das Regenbogenpanorama im AROS-Museum verpassen!). Auffällig war vier Stunden vor Beginn des Spiels die Präsenz zahlreicher UEFA-Funktionäre in schwarzen Anzügen. Ich habe mich ja schon immer gefragt, was die Funktion dieser Herrschaften ist. Denn dass sie eine haben müssen schließe ich aus ihrer Berufsbezeichnung ‘Funktionär’. Jedoch erschöpfte sich ihre Tätigkeit scheinbar darin, geschäftig durch die Gegend zu laufen und auf englisch in ihre Mobiltelefone zu sprechen. Angesichts der Zuschauerzahl von geschätzt 1.500 Menschen hatte dieser Auflauf an Anzugträgern irgendwie eine groteske Note. Mir war schon klar, dass ein U21-Länderspiel zwischen Island und Weißrussland keine Menschenmassen anziehen würde. Dass aber bloß so wenige das Eröffnungsspiel der EM sehen wollten, überraschte mich dann doch. Hoffentlich erfahren die Spiele der dänischen Nationalmannschaft und überhaupt die restlichen Spiele mehr Zuspruch.

GegengeradeBislang war ich ja von dänischen Fußballspielen dahingehend angetan, dass Leibesvisitationen entfallen und die Polizeipräsenz verschwindend gering ist. Das war überraschenderweise auch heute bei der UEFA-Veranstaltung der Fall. Polizeipräsenz war nicht erkennbar. Ich erstand mein “cheapest ticket possible” für 70 Kronen (ca. 9,40 Euro) und betrat straks das Stadion. Es war eine gute Entscheidung, das günstigste Ticket zu kaufen. Denn das Stadionrund war, bis auf die Haupttribüne, rundherum frei zugänglich. Ich brauchte allerdings 15 Minuten um das zu realisieren. Dementsprechend konnte ich mir  dann einen Rosinenplatz auf Höhe der Mittelline aussuchen. Was ich von dort aus sah war jedoch ein absolutes Gähn-Spiel. Ich kann mich an keine einzige Torchance der Weissrussen in der ersten Hälfte erinnern und die Isländer brachten es, glaube ich, auf genau einen Torschuss. Es war ein recht lustloses Herumgeschiebe im Mittelfeld mit  beiderseits einer Handvoll erfolgloser Ansätze in Strafraumnähe. Meine Beobachterblick richtete sich daher weniger auf das Spiel und dafür mehr auf das Drumherum. Ich hatte nicht mit einer nennenswerten Anzahl Isländer im Stadion gerechnet, wurde aber eines Besseren belehrt.

Ein guter Teil der Zuschauer war in blau-weiß gekleidet und unterstützte die Mannschaft des isländischen Fußballverbands, der sich Knattspyrnusamband Íslands (KSI) nennt. Ich bin leider nicht in der Lage, das auszusprechen. Eines muss man den Isländern lassen: Sie können sehr laut schreien und sehr wild in Richtung Schiedsrichter gestikulieren. Von den schätzungsweise 20 Weissrussen war demgegenüber deutlich weniger zu sehen und zu hören. Dies sollte sich nach dem Abfiff ändern, denn Weissrussland gewann das Spiel nach einem sehr berechtigten Elfmeter (siehe Video) mit folgender roter Karte und einem weiteren schön gelupften Tor unverdient mit 2:0. Für den Eintritt wurden die Zuschauer in den letzten 15 Minuten dann zumindest teilweise entschädigt (zumindest die neutralen), denn die Isländer drehten mächtig auf und vergaben 3 Hundertprozentige. Hier Videomaterial bereitzustellen ist leider nicht einfach, denn die UEFA sperrt bei Youtube sofort urheberrechtlich geschütztes Material. Ich hoffe, dass die unten verlinkten Videos verfügbar bleiben.

Bei einem Spaziergang durch das Stadion fielen mehr recht viele Personen mit Schreibblöcken auf, die sich Notizen zum Spielverlauf machten. Konkurrenz zu fussballwurst.de? Weit gefehlt, denn es handelte sich um Spielerbeobachter, die bei einer U21-EM anscheinend Hochkonunktur haben. Ich kam mit zweien von ihnen ins Gespräch, die für Rapid Wien unterwegs waren. Auch sie waren vom Spielverlauf eher ernüchtert, schienen aber zumindest ein interessantes Talent gesichtet zu haben. Hinter mir saß noch jemand vom SC Freiburg. Abgesehen davon konnte ich keine weiteren Vereinszugehörigkeiten ausmachen.

The Big Sausage

In der Halbzeitpause testete ich die Länderspielwurst. Wie erwartet war das Angebot gegenüber dem letzten Besuch im Stadion unverändert. Neben Popcorn und Schokolade für die Kleinen gab es dementsprechend den bei mir unbeliebten French Hotdog für 25 Kronen (3,35 Euro), eine Bockwurst mit zwei Brötchen für ebenfalls 25 Kronen und die besagte Stadionplatte, welche heute jedoch als ‘Big Sausage with 2 breads’ für erhebliche 45 Kronen,  also rund 6 Euro, angeboten wurde. Damit hat sich die Big Sausage den Preis für die bislang teuerste von fussballwurst.de getestete Wurst auf vermutlich lange Zeit gesichert. An Getränken gab es Sodavand (Softdrinks) aus dem Hause Coca Cola für 25 Kronen, Wasser für 15 Kronen sowie einen großen Becher alkoholfreies Carlsberg für 40 Kronen. Vom Kauf der Wurst finanziell gebeutelt enthielt ich mich eines Getränks und hielt mich an die mitgebrachte Wasserflasche. Die war auch exterm nötig, denn die Wurst war extrem fettig und salzig. Was mir ziemlich gefiel! Ich hatte nach einer optischen Inspektion nämlich schon das Schlimmste befürchtet. Nach einem Leckerbissen sah die Big Sausage, die auf der Grillplatte erhitzt wurde, wahrlich nicht aus. Sie wartete jedoch mit einem intensiven, würzigen Geschmack auf. Der bemerkenswerte Fettgehalt der Wurst wird dazu beigetragen haben. Sie war auch durchaus kross und heiss. Zur Wurst gab es zwei akzeptable Brötchen sowie Senf, Ketchup und Hot Dog-Sauce.

Wie bewertet man diese Wurst? Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist aus deutscher Sicht natürlich unterirdisch, aber das kann in Dänemark nicht zählen. Obwohl deutlich teurer war die Big Sausage auch deutlich leckerer und sättigender als die popeligen French Hotdogs. Ich entscheide mich daher für eine Wertung von 2,5 Sternen und juble über die erste durchschnittliche Wertung für eine dänische fussballwurst.

(2.5/5)

Links:

Bilder vom Stadionbesuch

Der Elfmeter auf YouTube.com

Das 2:0 auf YouTube.com (dänischer Kommentar)

Spielbericht bei Jyllandsposten

Autor: M.Turski
Datum: Freitag, 17. Juni 2011 15:35 | Dieser Artikel wurde 244mal gelesen
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