Die Betze-Bratwurst aus der Pfalz

1. FC KaiserslauternAm 24. Spieltag der Bundesliga verschlug es mich diesmal in den tiefen Südwesten der Republik zur Partie des 1. FC Kaiserslautern gegen den Hamburger SV. Die Vorzeichen beider Mannschaften waren durchaus unterschiedlich. Während der HSV sich durch einen doch recht passablen Rückrundenstart wieder an die internationalen Plätze herangerobbt hatte, befanden sich die seit dem Winter noch sieglosen Lauterer mittlerweile auf dem Relegationsplatz 16 und mitten im Abstiegskampf. Klar war: beide Teams wollten und brauchten die drei Punkte, das versprach doch ein spannendes Match.

betzeBei Günther Jauch hatte ich vor Jahren mal erfahren, dass Kaiserslautern von der Einwohnerzahl her die kleinste aller Bundesligastädte sein soll. Diesen Rang dürfte unterdessen Hoffenheim/Sinsheim erobert haben, aber trotzdem fand ich es recht außergewöhnlich, bei einer Auswärtsfahrt mal nicht mit dem ICE in einen großen deutschen Bahnhof, sondern mit dem Bus von der Autobahnabfahrt in eine beschauliche, von Hügeln und kleinen bewaldeten Bergen eingefasste Gemeinde einzufahren. Damit das Fahrtbier auch schnell wieder herausgeschwemmt wird, parkte der Bus nach Ankunft am Fuss des Betzenbergs und der Aufstieg brachte die Pumpe in Schwung. Das Fritz-Walter-Stadion ist von außen wie von innen übrigens eine durchweg imposante Erscheinung und wie für Fussball geschaffen. Eng am Spielfeld, die Tribünen steil und jede Einzelne weist ihre charakteristischen Eigenheiten auf. Für den geneigten Stadionfan eine Augenweide! Die zahlreich mitgereisten HSVer wussten die örtlichen Begebenheiten sodann auch fast das ganze Spiel über zu nutzen. Von der Heimseite, der ja ein überaus ordentlicher Ruf vorauseilt, war dagegen nicht immer viel zu hören.

Das Spiel selbst wiederum ist ziemlich rasch geschildert, beide Mannschaften trennten sich eins zu eins unentschieden. Wirklich helfen tut das definitiv keinem Team, nichtsdestotrotz äußerte sich im Anschluss keine Seite ernsthaft unzufrieden. Die Vorteile lagen in der ersten Hälfte beim FCK und in der zweiten beim HSV, der wiedermal einen gefühlt hohen Ballbesitzanteil und Spielkontrolle nicht in Punkte ummünzen konnte.

wurstGespannt war ich natürlich auf das Betze-Brät, wähnte ich mich in der Pfalz doch in einer deutschen Wursthochburg. Besorgt wurde sich diese bereits deutlich vor Anpfiff. Bei reichlicher Auswahl an Wurst und Fleisch wurde sich zum besseren Vergleich mit den anderen Bundesligastandorten das Standardgericht, also die ganz normale Bratwurst, geholt. Hierbei handelt es sich um ein recht helles, gebrühtes Massenprodukt, welches im aufgeschnittenen Brötchen gereicht wird. Da es sich bei dem Brötchen um die Kreisrunde Variante handelt, wird die Wurst zuvor halbiert, so dass beide Stücke dann kaum noch an den Seiten herauskiebitzen. Verfeinern darf man sich das Ganze mit Senf oder Ketchup aus großen Spendern, die sich an der Seitenwand der Verkaufsräumlichkeiten, leider in allzu großer Nähe zum Toiletteneingang, befinden. Appetitlich! Die Wurst schmeckt ordentlich und ist gut gewürzt, hätte aber leider durchaus noch etwas länger auf der heißen Platte verweilen können. Nur die Seiten sind angebräunt und auch dies nicht gerade dolle. Das Brötchen spielt vergleichsweise im Mittelfeld, zwar bissfest, aber in keiner Weise kross oder übermäßig frisch. Der Senf hat dafür genau die richtige Schärfe und rundet das Geschmackserlebnis gut ab. Hierfür gibt es von mir in der Gesamtschau 2,5 Punkte, wofür sich eine Bundesligawurst durchaus nicht schämen muss. Ein Besuch des Betzenbergs der Bratwurst wegen muss allerdings ebenso wenig sein.

(2.5/5)

Vielleicht hätte ich mich aber auch für etwas anderes entscheiden sollen, denn das Angebot an Speisen allein schon am einfachen Wurststand kann sich durchaus sehen lassen. Neben der soeben bewerteten Bratwurst für 2,60 Euro kann man futtern Currywurst, eine sogenannte „Feuerwurst“, Frikadelle oder Schweinesteak im Brötchen und auch Pommes sind zu haben. Für den Durst gibt es 0,4l Softdrinks für 2,70 Euro oder das Bier für 3,30 Euro, jeweils im Pfandbecher. Auf meinem lächelte fröhlich Christian Tiffert.

Abschließend lässt sich sagen, dass das Stadionerlebnis Betzenberg durchaus gefällt, sich die Wurst aber in die der meisten anderen Profi-Stadien einreiht. Positiv nimmt sich allerdings die Fülle der angebotenen Fleischspeisen aus.
Nun darf man gespannt sein, ob die Betzewurst auch nächste Saison noch in der ersten Liga vertreten ist und ob der HSV mir die Möglichkeit verschafft, demnächst wieder von der europäischen Wurstfront zu berichten.

http://www.fck.de/de/stadion/eindruecke.html
http://www.hsv-forum.de/photo/showgallery.php/cat/681

Autor: M.Buschmann
Datum: Mittwoch, 2. März 2011 11:01 | Dieser Artikel wurde 1,685mal gelesen
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2 Kommentare

  1. 1

    Nochmalkommen und eine Pferdewurst beim “Härting” probieren.
    Soweit ich weiss der einzige Pferdemetzger in Deutschland, der seine Produkte in einem Fussballstadion vertreiben darf.
    Gibt auch Pferdeschnitzel oder Pferdefrikadelle! ;-)
    Grüße nach Hamburg und auf ein doppeltes Wiedersehen im nächsten Jahr!

  2. 2

    Danke für den Tip (ich werde ihn beherzigen) und Glückwunsch zum Klassenerhalt in die Pfalz. Wer hätte damals beim Spiel schon geglaubt, dass der FCK den so locker schafft und am Ende sogar vor meiner hanseatischen Gurkentruppe landet ;-)

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