Lerchenzungen und Otternasen bei Beitar Jerusalem?

Beitar_Jerusalem_FCAm 1. Januar ging es ins Teddy-Stadium zu Jerusalem zum Spiel in der ersten israelischen Liga, Beithar Jerusalem gegen Maccabi Netanya. Den Klub aus Nord-Israel kennt man vom Engagement eines der besten deutschen Spieler der neunziger Jahre in Deutschland. Lothar Matthäus, mittelfränkischer Raumausstatter und Fußballer mit Weltformat. Seit seinem Karriere-Ende agiert er als Übungsleiter eher glücklos und biedert sich jedes Mal an, wenn in der Ballrepublik Deutschland irgendein Trainerposten zu besetzen ist. Außer bei den Bayern, denn dort wird er nach seinen unrühmlichen Abgang, er verschwand mit den Einnahmen nach seinem Abschiedsspiel, laut Aussage des deutschen Fußball – und Wurstigarchen, Uli H. nicht mal mehr Green-Keeper, solange er was beim FCB was zu sagen hat.

Bevor sich die Trainer-Findungskommission auf Jürgen K. für die Nationalmannschaft entschied, brachte sich der Raumausstatter aus Herzogenaurach in Spiel. Glücklicherweise ging der Kelch an uns vorüber, denn sollte jemals Lothar M. Nationaltrainer werden, gebe ich meinen deutschen Pass ab und werde Niederländer auf Zeit, um mich auch über Pressekonferenzen amüsieren zu können. Ähnlich verhält sich es bei mir, wenn Lothar M. bei meinem FCN Trainer wird. Dann werde ich für die Zeit Anhänger des Holzschuhkleeblatts aus dem Großraum Nürnberg und bin lieber Fünfter. Nichts desto trotz, wünsche ich ihm „ a little bit lucky für thefuture“. Außerdem erlernte Cohen, ein Glubberer mehr als das 1mal1 des Fußballs bei Netanya.

Beitar Jerusalem war wohl die letzten Jahre das Spielzeug eines russischen Oligarchien welcher kräftig investiert, sodass der Hauptstadtklub den Küstenklubs aus Tel Aviv und Haifa Paroli bieten konnte. Mittlerweile hat er jedoch wieder sein Interesse verloren, sodass Beitar im Niemandsland der Tabelle dümpelt, wie im Übrigen auch der heutige Gegner im Teddy-Kollek-Stadion. Geblieben sind laut Aussage unserer Sitznachbarn die für israelische Verhältnisse recht hohen Eintrittspreise, abhängig vom Gegner von bis zu 120 Schekel (ungefähr 25 Euro). Da Netanya auch nur eine Mannschaft aus dem Niemandsland der Tabelle ist, wurden für das Spiel 80 Schekel fällig (ungefähr 16 Euro) und man hat freie Platzwahl. Wir haben uns im Oberrang der Haupttribüne eingefunden.

Teddy-StadionDas Teddy-Kolleg-Stadium ist benannt dem langjährigen Bürgermeister der ewigen Stadt. Kollegs Eltern wanderten vor dem Anschluss ans tausendjährige Reich, was ja zum Glück nur zwölf Jahre hielt, aus seiner Heimat Österreich nach Palästina aus. Gegen Netanya verirrten sich neben uns noch weitere 6.000 Zuschauer. Normalerweise gehen knapp 22.000 in das nach einer Seite offene Stadion. Es gibt nur Sitzplätze. Die Ultras von Beitar versammeln sich auf der Gegengerade und werden von den 80% Fans nicht gemocht, da sie rechts sind. Sprich sie mögen keine Araber und so weiter und so fort. Trotz der nachvollziehbaren Apathie gegen die eigenen Ultras haben die Heimfans ab und zu in den monotonen und austauschbaren Dauer-Sing-Sang eingestimmt. Irgendwie schon komisch und irgendwie erinnert es mich an den Film „Life of Brian“ mit der Volksfront von Judäa und der judäischen Folksfront.

Innovativ fand ich wie vor Anpfiff noch mal Avi Cohen, die Lichtgestalt des israelischen Fußballs, der ein paar Tage zuvor bei einem Motorradunfall ums Leben kam, geehrt wurde. Nicht wie bei uns üblich mit einer Schweigeminute, sondern ähnlich, wie wenn ein Trainer seinen Spieler nach gutem Spiel vorzeitig auswechselt. Minutenlanger Applaus, bei dem das ganze Stadion stand. Passend für einen großen Fußballer, der jetzt nur noch im Jenseits aufläuft. Würde das mir auch bei uns wünschen. Minutenlanger stehender Applaus, statt betretenes Schweigen für einen großen Fußballer bei seiner Auswechselung aus dem Spiel des Lebens.

Das Spiel, so na ja. Richtig beschissen für ein Erstligaspiel und endete schiedlich friedlich mit einem gerechten 0:0. Beide Defensiv-Reihen ließen viele Flanken zu, die aber meistens an Freund und Feind vorbei segelten, da keiner der beiden Teams dem Kopfball mächtig war, was ein durchaus probates Mittel beim Ballsport Fußball ist. Im Gegensatz zum Tel Aviv-Spiel waren keine ehemaligen Bundesliga-Legionäre auszumachen. Bei Beitar gibt es jedoch einen Yeboha aus Ghana, es sind jedoch keine verwandtschaftlichen Grade zu dem in Deutschland bekannten Anthony auszumachen. Aufgefallen ist zudem, dass die Zuschauer bei „brisanten“ Szenen etwas zeitverzögert reagiert haben. Das schöne „Millerntor Roar“ kam etwas später, als wir es erwartet haben.

Im Jahre 33 nach Christi Geburt, wissen wir aus dem schon erwähnten Film, dass damals durch fliegende Händler mit Bauchladen diverser imperialister Krimskrams wie Otternasen und Lerchenzungen verkauft wurde, jedoch keine Nüsse. Doch wie stellt sich die Situation 1978 Jahre später dar?

SonnenblumenDie Brians gibt es heute noch und die Auslage wurde zumindest ein wenig den Wünschen der Zuschauer anpasst. So gibt es zum Beispiel  geröstete Sonnenblumenkerne, die die einheimischen sich haufenweise in nach dem Öffnen der Schale in den Rachen schmeißen und an ihrem Platz eine herrliche Sauerrei hinterlassen. Außerdem sind vorgezapfte Softdrinks zum Preis von 12 Schekel in einem 0,3-Liter-Becher dort zu bekommen. Zudem sind eingepackte Hot-Dogs und Hamburger bei ihnen zu bekommen. Zu erwähnen ist noch, dass die Brians nicht wie üblich vom Caterer einheitlich uniformiert sind sondern nach ihrem Gusto gekleidet sich unter die Kunden mischen. Dadurch kommt sogar etwas internationaler Flair auf, denn die Brians laufen mit Trainingsanzügen,Trikots aus der englischen und spanischen Liga durch die Reihen. Farben von Bundesligisten waren nicht unter den Brians auszumachen. Die Servicekraft bei uns hatte jedoch Straßenkleidung an.

Die Wurst wurde dann im Stand unter den Rängen gekauft und ist, wie soll es auch anders sein, vom Huhn. Erwärmt wird das ekelige Ding gar nicht, sondern wartet zusammen mit den Hamburgern, in einer Plastiktüte verpackt, darauf, dass ein hungriger Kunde auf die Mogelpackung hereinfällt. Oranje-WurstMan erfragt was es gibt, denn es sind keine Anschläge mit dem Essen und was es kostet auszumachen und erfährt, dass es Hamburger und eben auch den Hühner-Hot Dog gibt, der zusammen mit einem „Brötchen“ serviert wir, was später beim Verzehr ekligerweise am Gaumen haftet und 10 Schekel kostet. Dazu gibt es dann Senf und Ketchup ebenfalls im Tütchen unbekannter Marken. Geschmacklich ist die Oranje-Hühner-Wurst für einen Bratwurstesser eine Zumutung, von der Sättigungsbeilage, dem vermeintlichen Brötchen ganz zu schweigen und deswegen gibt es keinen einzigen Punkt. Im Gegensatz zu unserem Besuch in Tel Aviv, wo es noch Good-Will-Punkte für den freien Eintritt und das Vorhandensein der Wurst gab. Bier war beim Spiel keines zu bekommen.

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Kulinarisch und fußballerisch war der Besuch im Nahen Osten zumindest ein Reinfall, preislich könnte sich die DFL wohl an den Eintrittspreisen orientieren und dass ich das mal schreiben werde, konnte ich mir bisher auch nicht vorstellen. „Ich freu mich wieder, wenn die Amateurrunde in Hamburg losgeht, auf meine erste Industriebratwurst, wenn es denn sein muss, gerne auch mit Dioxin, mit einer schönen Scheibe Toastbrot.“

Beitar Jerusalem im Internet

Autor: M.Dittmann
Datum: Samstag, 15. Januar 2011 14:33 | Dieser Artikel wurde 1,079mal gelesen
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