So macht Fußball keinen Spaß – hinter Gittern bei Werder Bremen

Am 14. Spieltag stand für den Fussballwurstautoren einiges auf dem Programm. Samstag konnte ich mich im Hamburger Stadion an der Müllverbrennungsanlage noch über das 2:4 des VfB Stuttgart ärgern (Stark, dieses Arschloch…). Am Sonntag bestieg ich schon wieder hoffnungsvoll gegenüber vom Hamburger Millerntor den Fanbus, um vielleicht mit dem FC St. Pauli dank der aktuellen Form- und vor allem Abwehrschwäche des SV Werder einen oder gar drei Auswärtspunkte aus Bremen mitzunehmen. Auch diese Partie sollte mich nicht wirklich aufheitern können. Doch das Spiel, in dem ich leider zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hatte, dass der FC etwas Zählbares mitnehmen könnte, sollte nicht das größte Ärgernis bei diesem Ausflug sein.

Das sportliche Geschehen ist dementsprechend schnell erzählt: Nach 50 Sekunden machte Werder durch Hugo Almeida das 1:0.  Es folgte die beste Phase der Braun-Weißen, die vor allem bei einem Lattentreffer etwas Pech hatten. Doch selbst in den ganz gefälligen Anfangsminuten konnte Bremen keinesfalls vom Erspielen guter Torchancen abgehalten werden. Eine dieser Chancen endete dann mit dem 2:0, wiederum durch Almeida (20.). Danach war das Spiel insgesamt gelaufen. St. Pauli hatte zwar hier und da noch gute Chancen, als Höhepunkt erneut ein Stangentreffer, doch meist zog es der Aufsteiger vor, die Bälle lieber nochmal und nochmal und nochmal querzulegen, bis die Chance auch wirklich dahin war. Dass dies kein exklusives Problem in diesem Spiel war, lässt sich ganz gut an der ansonsten natürlich total zweifelhaften Bundesligatabelle ablesen, in der St. Pauli als Team mit den wenigsten eigenen Treffern geführt wird. In der 64. Minute machte Almeida sein drittes Tor, ehe er dann in der 80. keine Lust mehr hatte und durch eine Tätlichkeit gegen Zambrano frühzeitig Feierabend machen konnte. Um wenigstens noch einmal in der Spielstatistik aufzutauchen, holte sich St. Pauli kurz vor Schluss in Person von Thorandt ebenfalls noch eine rote Karte für ein überhartes Foul an Frings. Liest sich aus St. Pauli-Sicht also ziemlich trist. Was könnte noch ernüchternder sein als solch ein Spielverlauf?

Zunächst möchte ich nochmal betonen, dass ich bislang immer gerne in Bremen und auch im Weserstadion war, bin ich doch einer der wenigen Menschen, die sogar mal ein Bundesligator von Jon-Dahl Tomasson im VfB-Trikot ausgerechnet hier erleben durfte. Und auch mein Ausflug nach Bremen im Frühjahr war trotz einer grauenhaften Wurst wirklich sehr nett. Genauso war mir der Verein Werder Bremen bis zu diesem Zeitpunkt immer sympathisch. Als ich jedoch dieses Mal an meinen mit 38 Euro ja nicht gerade günstigen Platz kam, konnte ich es zunächst nicht fassen. Erste Reihe Oberrang klingt ja erst einmal ganz nett. Man sieht dort jedoch vor allem und als erstes ein fettes Gitter. Hinter diesem Gitter folgt IMAG0077dann das Fangnetz. Im Ergebnis ergibt das Augenkrebs, falls man versucht auf den Rasen zu gucken. Den Frust mit Alkohol runterspülen? Da wurde die Rechnung ohne den SV Werder gemacht. Getränke dürfen nämlich nur am Stand im Stadioninnenraum verzehrt werden. Auf den Platz dürfen diese nicht mitgenommen werden. Weshalb die diversen sichtbehindernden Absperrungen, ja auch gleich noch mehr Sinn machen… Da freut man sich natürlich nochmal richtig, wenn einen das Personal darauf hinweist, dass man aber auch am Verkaufsstand per Leinwand das Spiel verfolgen kann. Was für eine Erleichterung, bleibt einem da nur noch festzustellen. Verkaufte Stadionnamen, Bezahlkarten, aufdringliche Sponsorenpräsentationen schön und gut. Man kann aber offenbar auch ohne diesen Quatsch ganz schön viel an Fußballkultur kaputtmachen. Ehrlicher wäre es von Werder gewesen, den Gästefans von der Reise nach Bremen abzuraten, weil man Angst vor ihnen hat. Mich hat die implizite Unterstellung, dass man sich als Auswärtsfan bestimmt als totaler Asi benehmen würde, wenn man die Möglichkeit dazu bekommt, eigentlich erst aggressiv gemacht. Dass man aber aufgrund dieser Angst das Angebot derart einschränkt und dann weiter Champions-League-Preise verlangt, hat ja noch nicht einmal mehr was mit der Wandlung vom Fan zum Kunden zu tun. Mein direkter Vergleich mit dem ungeliebten Nordrivalen an diesem Wochenende geht somit an Hamburg. Im Hamburger Volkspark konnte ich als Auswärtsfan nichts aussetzen. Das Personal war genau so freundlich wie in Bremen, man hatte eine gute Sicht und es durften sogar unglaublicherweise Getränke auf die Ränge mitgenommen werden. Die Sitzplatzkarten wären mit 25 Euro und 35 Euro dazu auch noch billiger als in Bremen gewesen.  Andererseits kann es auch sein, dass nicht alle Gästefans diese Preise bezahlen müssen. So wird bspw. beim Hamburger Derby in der Rückrunde ebenfalls mindestens 38 Euro für den Sitzplatz verlangt. Wenn schon nicht sportlich oben ist St. Pauli also immerhin schon preislich ein Topverein.

Die Wurst mochte bei diesem Ärger eigentlich per se nicht mehr schmecken. Es sei aber erwähnt, dass sie dieses Mal IMAG0068heiß serviert wurde, was zumindest im Auswärtsblock ja bereits einen Fortschritt gegenüber der vergangenen Saison darstellt. Ansonsten war es eine normale Bundesligastadionwurst, an der nichts auszusetzen war, außer dem hohen Preis von 2,80 Euro. Die diversen Saucen (Frittensauce, Ketchup, eine Sorte Senf) kann man wie gewohnt aus dem großen Spender nach eigenem Gusto hinzufügen. Serviert wird die Wurst bereits im aufgeschnittenen, frischen Brötchen. Somit vergebe ich eine durchschnittliche Wertung von 2,5 Sternen (2.5/5). Die Wurst war dieses Mal also, wenn auch nicht sonderlich spannend, einer der erfreulicheren Aspekte des Abends.

Das lustige Gimmick, dass das Bier (Haake Beck) in Bechern mit Spieler- und Trainerkonterfeis serviert wird, hat man in Bremen auch diese Saison beibehalten, was mir schon beim letzten Test positiv auffiel. Eigentlich wären so also eine Reihe fähiger Menschen aus der Bundesliga in der Verlosung gewesen, wie Naldo oder das schon fast ewige Duo Schaaf und Allofs, meinetwegen auch Marin. Das treffende Symbol dieser von vorne bis hinten enttäuschenden Auswärtsfahrt war dann, dass der Autor sein Bier den ganzen Abend über ausschließlich in Bechern mit dem Gesicht Tim Borowskis serviert bekam…

Links:

SV Werder Bremen

FC St. Pauli

Hugo Almeida schlägt vier Mal zu (Spielbericht bei kicker.de)

Autor: T.Weber
Datum: Montag, 27. Dezember 2010 20:19 | Dieser Artikel wurde 3,992mal gelesen
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3 Kommentare

  1. 1

    Aber warum denn über die Preise beschweren – schließlich gibt es das Gratis-Knastgefühl obendrauf!? Aufgrund der Probleme, die die Platzierung des Gästeblocks im Oberrang mit sich bringt, macht es ggf. wohl mehr Sinn, diesen wieder in den Unterrang zu verlegen. Beim Spiel des Heiligen SV in dieser Saison kam es ja nicht zuletzt wegen ebenjener Platzierung des Gästeblocks zu einer Massenpanik.

  2. 2

    Update: Nachdem eine erste Beschwerdemail von mir übersehen oder ignoriert wurde hat sich nun doch noch ein Mitarbeiter von Werder Bremen bei mir gemeldet. Sie haben sich über meine konstruktive Kritik gefreut und geben mir recht, dass die Sicht sehr schlecht ist. Jetzt wird vermutlich ne Plexiglaswand aufgebaut.
    Das Getränkeverbot bleibt aber wohl bestehen. Dass die Preise zu hoch sind und das Gesamtkonzept des Gästeblocks im Oberrang eher unglücklich ist, wurde eingeräumt. Substantielle Verbesserung ist hier aber wohl in naher Zukunft eher nicht zu erwarten.
    Dafür wünschen sie dem FC noch ne gute Rückrunde und dass man sich im nächsten Jahr weiterhin in Liga 1 sieht.

  3. 3

    [...] Leider scheint dies in der Bundesliga Schule zu machen und führt in letzter Konsequenz zu so absurden Maßnahmen wie im Bremer Weserstadion. Schade [...]

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