Wurst-Wiedergutmachung im Fußballtempel: Borussia Dortmund empfängt den HSV

Logo BVBMit der Auswährtsfahrt zu Borussia Dortmund ging für mich ein Wunsch in Erfüllung. Wenn eine englische Zeitung das Westfalenstadion (auch bekannt als Signal Iduna Park) zum stimmungsvollsten Stadion der Welt wählt, dann ist für jeden Fußballfan wohl der Reiz da, einen solchen Fußballtempel einmal hautnah zu erleben. Da ich persönlich Flutlichtspiele sehr mag und sowieso ein verlängertes Wochenende im Pott angepeilt war, konnte ich mich auch über die für Auswährtsfahrer eher ungeliebte Ansetzung am Freitagabend freuen.  Daran konnte auch der sintflutartige Dauerregen, der uns auf der gesamten Auswärtsfahrt erhalten bleiben sollte, nichts ändern. Unser Quartier bezogen wir, da es in ganz Dortmung keine freien Zimmer mehr gab (”ne, ham wa nich mehr, da is BVB” war die gängigste Antwort auf telefonische Anfragen) in Unna, mit der Bahn einen Katzensprung von Dortmund entfernt.

Die Ankunft am Bahnhof ließ zunächst ein etwas mulimiges Gefühl aufkommen ließ. In einem Meer von schwarz-gelb gekleideten BVB-Anhängern waren wir weit und breit die einzigen, die sich als HSV-Fans offen zu erkennen gaben. Statt Pöbeleien und schrägen Blicken standen jedoch während der kurzweiligen Bahnfahrt lebhafte Gespräche über Fußball, gemeinsamer Spott über Magaths Schalker und gegenseitiger Respekt auf der Tagesordnung.  So soll es sein! Etwas skuril war einzig der Anblick von Teilnehmern einer Industrial-Party. Aber wo, wenn nicht im Ruhgebiet, sollte man auf solche treffen?

StadionAm Stadion angekommen fällt von außen trotz der Dunkelheit und des strömenden Regens erst einmal eines auf: GROSS. Die Hütte ist richtig groß. Wir haben uns aufgrund des Regens dann schnell in das Innere des Stadions begeben, was aufgrund des stadioneigenen Bahnhofs nicht lange gedauert hat.  Dort angekommen steuerten wir aufgrund aktuen Wursthungers zunächst den Verpflegunsbereich an – und dabei schlich sich eine Erinnerung ein. War da nicht was? Klein, dick, blass, kalt, null Sterne? Die einzige Wurst, die den Namen Wurst seinerzeit nicht mal ansatzweise verdiente? Also doch lieber erstmal Getränke holen. Die gibt es im Gästebereich des Stadions an einem separaten Stand, das Bier für 3,70 Euro im praktischen Becher mit Griff , Softgetränke für 3,50 Euro. Außerdem gab es noch Kaffee, Kakao, Tee sowie diverse Süßigkeiten im Angebot.  Gezahlt wurde wahlweise mit Bargeld oder aber mit der Borussia-Dortmund-Bezahlkarte, dem sogenannten “Stadiondeckel”. Schön für Auswärtsfans, dass man ebenjene nicht erwerben musste.  Sehr unpraktisch gestaltete sich das spätere Nachfüllen der Becher: Die leeren Becher konnten nicht gegen volle getauscht werden, sodass man entweder an einer zweiten Schlange anstehen oder die leeren Becher sammeln musste, bis die gesamte Mannschaft von Borussia Dortmund komplett ist. Ein direkter Bechertausch würde dem Betreiber der Bierstände vermutlich auch nicht weh tun.

WurstZurück zur Wurst: Die gab es für 2,50 Euro an einem kleinen, separaten Stand zu erstehen. Ein schneller Blick auf die Bratplatte: Blass war die Wurst nicht, also wurde bestellt. Heiß war sie auch noch, der erste halbe Stern war innerlich vergeben. Serviert wurde die Wurst im frischen Brötchen, dazu gab es Senf und Ketchup im aufgehängten Spender. Der Bräunungsgrad konnte ebenfalls selbst bestimmt werden. Und geschmacklich konnte es die Wurst allemal mit dem Massen-Grillgut anderer Vereine aufnehmen, so dass ich mich zu einer 3-Sterne-Wertung entscheiden habe.
(3/5)
Ob der Qualitätsschub im Vergleich zum letzten Wursttest nun an unserem damaligen Wursttest und/oder dem Wechsel des Anbieters des Grillgutes liegt, ist leider nicht überliefert. Der BVB bezieht nämlich seit der Saison 2009/2010 seine Wurstwaren bei der Fa. Sprehe Feinkost.

Nach einer zweiten Wurst ging es dann in den Innenraum des Stadions zum Stehplatz im Gästebereich. Was für ein gigantischer Anblick! Wir waren recht früh da und es war noch relativ leer. Dennoch konnte man bereits ahnen was passiert, wenn hier 80.720 Zuschauer ihre Mannschaften anfeuern. Das Stadion füllte sich schnell, Nena gab sich die Ehre und ein kurzes Ständchen, die Menge war hüben wie drüben in Stimmung: Alles war angerichtet für einen spannenden Fußballabend. Und in der ersten Halbzeit passierte – nichts. Totentanz auf beiden Seiten, Neutralisierung auf hohem Niveau, man kann es nennen wie man will. Der Stimmung tat das keinen Abbruch. Die zweite Halbzeit wurde dann durch die Dortmunder dominiert, die kontrolliert, aber eben doch effektiv und spielerisch hochwertig durch Kagawa und Barrios mit 2:0 gewannen. Geht in Ordnung, weh getan hat es trotzdem. In dieser Form ist der BVB für mich absolut auf Meisterschaftskurs, was wohl auch die Anhänger auf der Gelben Wand und anderswo im Stadion so sahen. Die Stimmung war auf jeden Fall mehr als ausgelassen und wirklich beeindruckend gut.

Auf der Rückfahrt das gleiche Bild wie bereits die ganze Zeit vorher: Friedliche, gelöste Fußball-Atmosphäre (ich habe nicht einen Polizisten wahrgenommen), angeregte Gespräche über das Spiel und keinerlei Feindseligkeiten oder unangenehme Situationen. Wir kommen gerne wieder! Ich schließe mich daher den abschließenden Worten des letzten BVB-Wursttests an: Fans und Stadion verdienen ohne Abstriche die volle Punktzahl, aber es geht halt immer um die Wurst.

Autor: C.Bloecker
Datum: Mittwoch, 1. Dezember 2010 12:15 | Dieser Artikel wurde 2,338mal gelesen
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3 Kommentare

  1. 1

    Wäre ja toll wenn sich wirklich was beim BvB geändert hat.

    Schön finde ich zudem, dass sie noch mit Geld bezahlen kann. Im Moment geht krassiert ja die Kartenpest in der Bundesliga.

  2. 2

    Schön wars

  3. 3

    [...] kann ja auch nicht schaden. Als weiteres Stadion stand neben dem in dieser Saison bereits besuchten Dortmunder Signal Iduna Park / Westfalenstadion auf der Liste der Arenen, die man mal gesehen haben muss, die Münchener [...]

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