Einen Dreier für die Wurst von Bremen und einen Dreier für den Glubb

werder-logoSamstagvormittag ging es mit einem guten Gefühl gen Bremen, denn alles war anders. Es wurde nicht mit der Bahn angereist, sondern ab Buxtehude per Auto mit einem Bremenfan. Des Weiteren ging es wider sonstiger Gepflogenheiten in den „neutralen Bereich“  und die bisherigen Auftritte meines Glubbs gegen etablierte Bundesligisten verliefen durchweg positiv in dieser verrückten Saison. Aber dafür verlor der 110 Jahre alte Depp die Sechs-Punkte-Spiele gegen die Abstiegskonkurenten aus dem Breisgau und vom Millerntor. Erwähnenswert ist zudem, dass sobald ich bei Glubb-Spielen als Bratwurstjournalist unterwegs war, noch kein Spiel verloren wurde. Vielleicht sollte ich das mal der Mannschaft stecken, um solche Reisen finanziert zu bekommen.

BusRelativ unspektakulär gestaltete sich die Anreise mit dem Auto, natürlich. Im Übrigen erlaubte mir der Bremen-Fan meinen Glubbschal aus der Windschutzscheibe zu hängen was freundliche Grüße diverser Glubberer auf der A1 zu Folge hatte. Nochmal danke dafür. In Bremen fuhr dann der Glubb-Bus vor einem her. Zwei Stunden vorm Anpfiff wurden wir stadiongeil und der Plan, den Tag mit Grünkohl und Pinkel in der Hansestadt zu starten, wurde verworfen. Es ging zur Weser.

Auf dem Weg zum Stadion wurde nichts zum Futtern ausgemacht und vorm Stadion gibt es das gleiche Gedöns für den Magen wie im Stadion zu Stadionpreisen.vorm Stadion Bratwurst und Bier abgegriffen, die bestellten Karten gesichert und weiter über das Spiel, Bundesliga und Nationalmannschaft philosophiert.  Die Sitzplatzkarte an der Gegengerade kostet 45 Euro. Wenn man einen Sitzplatz in Kurven nimmt sind das 37 Euro. Ob das jetzt normal ist oder mit der reduzierten Stadionkapazität zu tun hat? Da muss sich auch kein Dortmunder aufregen, der für nen Stehplatz beim Derby gegen Schalke 22 Euro zahlt. Bundesliga ist für den Fan im Stadion ein teurer, zeitaufwändiger Spaß und deswegen ist man hauptsächlich beim Amateurfußball unterwegs.

Der Zugang zum Block geht entspannt vonstatten. Am Sitzplatz angekommen wurde ich schon von den Werder-Fans als Glubberer erkannt und Häme über mich ausgegossen, aber man weiß sich ja verbal zu wehren, was mir den Respekt des Umfelds verschaffte. Als dann Werder-Rolli-Fans vorbeifuhren und die Anmerkung auf die Ersatzbank des Glubbs kam sparte ich mir den Konter und dachte mir nur, ob heute alle Bremer Spieler nach dem Pokal aus in München mit einer gelben Binde und schwarzen Punkten auflaufen.  Man muss nicht auf alles reagieren wie ich finde und kann auch mal Sachen für sich behalten.  Das Gekappel ging dann weiter und führte zu einem entspannten Lächeln der Bremer als ich sagte, dass der Glubb heute hier mit 2:1 gewinnt, weil wir sehr effektiv spielen und die Bremer nicht treffen.

AnpfiffBei Anpfiff legten die Bremer auch los wie die Feuerwehr und trafen auch zum 1-0 nach wenigen Minuten durch Almeida nach schönem Spielzug, der auch bei mir einen Zungenschnalzer entlockte. Um mich rum wurde gejubelt und meine Bremer Reisebegleitung legte mitleidig den Arm nach dem Jubel entschuldigend auf meine Schulter. Mitleid ist in solchen Situation unangebracht und völlig überflüssig. Tore der eigenen Mannschaft müssen einem nicht leidtun.  Das ging ja gut los und die grüne Welle rollte weiter gen Glubb-Tor, aber der Damm hielt dicht, denn entweder scheiterten die Bremer am eigenen Unvermögen vorm Tor oder der Glubb hatte das Glück des Tüchtigen. Besonders hervorgetan im Auslassen von Torchancen hat sich Arnautovic, der erst ausgepfiffen wurde und später dann von Schaaf ausgewechselt wurde, was mich etwas entspannter werden ließ. Naja ich habe keinen Fußball studiert und Herr Schaaf hat Ahnung vom Fach, aber diesen Wechsel konnte ich nicht verstehen, denn der gute Marko sorgte immer für Gefahr, arbeitete auch nach hinten und hat durch seine dicken Eier eine unheimliche Präsens auf dem Platz. Wie ich finde muss er einfach Spielzeit bekommen damit er endlich trifft, um den Knoten endlich zum Platzen zu bringen.

Gefallen hat mir zudem Pino, der überall war, alle Lücken gestopft hat und auch noch für Gefahr nach vorne sorgte und natürlich Schieber, den sogar die Bremer anfeuerten. Oder meinten die Werder-Fans doch den Schiedsrichter, weil sie sich von den Entscheidungen benachteiligt fühlten? Wird wohl das letztere gewesen sein und gut fand ich das Interview von Herrn Allofs, der es satt hat immer auf den Schiri zu schimpfen. Er will die Spielweise unabhängig vom Entscheidungen des Unparteiischen machen, dazu müssten aber die Herren Spieler auch mal treffen.

So nach 30 Minuten bekam der Glubb das Spiel etwas besser in den Griff und es folgten die ersten gefährlichen Aktionen was zum Ausgleich nach Tohuwabohu in der Bremer „Abwehr“ zum Ausgleich vor dem Pausentee durch Gündogan führte. Ach wie spricht man ihn eigentlich richtig aus? Im Fernsehen hört man immer Gündoan. Das g wird nicht gesprochen. Wäre nett, wenn mich da mal jemand aufklären könnte. Nach Anpfiff zur zweiten Halbzeit waren die Bremer noch in der Kabine beim Pausentee, der wohl etwas  zu viel Baldrian enthielt, denn plötzlich führte mein Glubb im Weserstadion mit 2:1 durch Ekici. Die Laune der Bremer um mich rum ging in den Keller und mein Nachbar meinte zu mir, wenn das Spiel wirklich vom Glubb mit 2:1 gewonnen wird, gibt er mir ein Bier aus. Das 3:1 fiel nach Latten-Pfosten-Billard wieder durch Gündogan. Es war mir ziemlich Wurst, dass mein Freibier nun futsch war.

Der Treffer von Pizza zum 3:2 führte nun doch wieder zu Zweifeln.  Heute doch wieder ein Depp? Nein. Das war mein erster Dreier in all den Jahren. Nürnberg hat jetzt nach 10 Spieltagen schon  mehr Punkte wie am 19ten Spieltag in der letzten Saison. Aber die Rufe der Ultras aus dem Stehplatzblock nach Spielende nach der deutschen Meisterschaft sind für mich nicht nachvollziehbar und waren hoffentlich auch nicht ernst gemeint. Für mich ist klar, dass es bisher nur um den Klassenerhalt geht in dieser Saison. Vielleicht geht was über den Pokal. Wohin die Reise geht wird sich bis zum Jahresende zeigen, dann hat man gegen alle gespielt. Wenn aber was nach oben gehen soll, muss man vor allem gegen Köln nachlegen.

Nun aber zur Verpflegung:

Im Innenraum gibt es neben den üblichen deftig und vermeintlich herzhaften auch Popcorn, was ich auch bei Kinobesuchen ignoriere. Bier von Haake Beck, die Becks-Discountmarke, zum Preis von 3,80 Euro im Halb-Liter-Gebinde mit der Bremer Mannschaft im Sammelbecher im Verkauf. Positiv fällt auf, dass man ohne Karte sondern mit Bargeld überall bezahlen kann. Bleibt zu hoffen, dass es auch noch nach dem komplett fertigen Stadionumbau der Fall ist. Das Weserstadion wird ein Schmuckkasten werden und hat mir jetzt schon sehr gefallen.

In den Stadiongängen gibt es Getränkestände mit Bier und Softdrinks von Coca-Cola und Multi-Stände bei denen man auf Gasplatten zubereitete Prengel beziehen kann, auch vorgezapfte Getränke. Dass die anti-alkoholischen Getränke 2,70 Euro kosten fällt positiv auf.  Bestellt wurde ´ne Bratwurst, die in Bremen passenderweise Stadionwurst heißt und 2,80 Euro kostet. Außerdem sind Krakauer zum gleichen Preis und ne Curry-Wurst für 3,00 Euro zu haben.Wanne Die Würste werden in einer Edelstahlablage gelagert, wo sie auf Abholung warten. Von der Ablage landen dann die Würste in der Wurstwelle, wo der Kunde entspannt bezahlen kann. Zur Wurst gibt es ein Brötchen, was auch ein Brötchen ist. Nicht wie sonst hier im Norden üblich Toastbrot oder etwas Brötchenähnliches, was nur als Schwamm zu gebrauchen ist.  Lecker und schmackhaft das ganze zusammen mit dem Senf von Heinz, dem man aus dem Spender in die Klemme drückt. Der Wurstlieferant ist übrigens der gleiche wie auf Schalke und weiterer Bundesligisten. Deswegen kann ich mich nicht vorstellen, dass man wie bei „Wetten dass“ gezeigt das Stadion an der Wurst erkennen kann.

Wurst2Geschmeckt hat mir der Prengel und es war auch ein vernünftiges Umhüllungsverhältniss zwischen dem Brötchen und der Bratwurst, sodass ich für den Norden unüblich 3 Sterne vergebe, was aber auch mit an dem schönen Brötchen lag. Dies ist abweichend von unserem letzten Besuch im Weser Stadion, was entweder daran liegt, dass was in Bremen bei der Wurst nachgebessert wurde oder nur an unserer subjektiven Wahrnehmung.

(3/5)

Nach Spielschluß löste sich die Fahrgemeinschaft auf, da der Bremer auf Familienbesuch in Bremen blieb, mich aber noch vorher zur Schlachte fuhr, wo ich dann endlich Grünkohl mit Pinkel gegessen habe. GrünkohlGrünkohl ist übrigens eines der wenigen norddeutschen Gerichte die ich gerne weiterempfehle. Außerdem geht natürlich auch Labskaus, was etwas gewöhnungsbedürftig aussieht aber auch extrem lecker ist. Das war es dann aber auch wenn ich es mir so recht überlege. Mit dem Zug ging es dann mit 3000 kcal im Bauch und 3 Punkten im Ranzen zufrieden zurück nach Hamburg. Nachlösen muß man im übrigen bei der Bahn nur von Rotenburg an der Wümme bis Tostedt, wenn man eine Großbereichskarte des HVV hat, die Fußballkarte von Werder ist bis nach Rotenburg gültig.

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Spielbericht auf Kicker

Autor: M.Dittmann
Datum: Samstag, 6. November 2010 16:40 | Dieser Artikel wurde 1,869mal gelesen
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13 Kommentare

  1. 1

    Sehr schön. Vielleicht ergeben sich die Unterschiede in der Bewertung der Wurst tatsächlich aus einer Verbesserung der Situation im Weserstadion. Negativ interpretiert könnte man auch vermuten, dass nur den Gästen der Fraß vorgeworfen wird, während die eigenen Fans die Wurst angemessen (warm) serviert bekommen…
    Und, haste Dir auch nen Becher mitgenommen?

  2. 2

    Hab das Spiel in der Sportschau sehen können, sehr schön! Apropos Sportschau, ich geh wohl mal rüber in die Küche um zu sehen ob der HSV heute was gerissen hat. Schöner Bericht ansonsten, Daumen hoch!

  3. 3

    Großartig, Grünkohl mit Pinkel. Die einzig wahre Art, diese wunderbare Spezialität zu genießen!
    Ganz klar 6 Sterne.

  4. 4

    Was genau ist Pinkel eigentlich? mir ist nur Grünkohl selbst ein (leckerer) Begriff.
    Schöner Bericht, Herr Dittmann!

  5. 5

    Als Pinkel wird die Wurst bezeichnet, die mit dem Grünkohl einhergeht. Sehr lecker!

  6. 6

    Hm, nie gehört. Bei uns hieß die immer nur schlicht und einfach: Kohlwurst.

  7. 7

    Auf (Nord)deutsch würde man Kochwurst sagen. Ansonsten schöner Bericht.

  8. 8

    Schöner Bericht!

    Und dem Kollegen Weber sei gesagt: Die Wurst im Gästeblock ist ebenfalls auf dem beschriebenen Niveau, wie wir dieses Jahr beim Spiel unseres HSV in der Saturn-Niederlassung (sieht von außen wirklich so aus!) der verbotenen Stadt erleben durften.

    Was bleibt: Der volle Neid auf Grünkohl und drei entführte Punkte aus Brähmen.

  9. 9

    Pinkel ist eine besondere Art der “Grützwurst”, wie wir zwischen HL und HH sagen. Sieht mir aus, als sei nur die linke Wurst eine Grützwurst, rechts dagegen die klassische Kohlwurst. So sagt man es in Schleswig-Holstein zumindest. Lecker. Jeden Scheiß kann man heute unterwegs essen, ich warte ja immer noch auf Grünkohl to go. Und das am besten im Stadion. Müsste doch machbar sein…

  10. 10

    Nabend

    Schön, dass ich hier ne lebhafte Diskussion über Wurst in Gang gebracht habe. So ist es recht.

    Wäre ein Witz, wenn die Heimfans besser verpflegt werden als die Gästefans. Obwohl die Extrabehandlung kennt man ja zumindest seitens des HSV. Hoffe dass es nicht so ist. Hätte mich auch noch mehr über die Bratwurst auslassen können, aber irgendwann ist auch gut. Aber verdient hätte es die Bremer Stadionwurst.

    Nein. Leider habe ich mir keinen Becher mit genommen. Wenn ich es mir recht überlege wäre das wohl der von Arnautovic geworden. Schade. Hab da wohl gepennt.

    Muss dem Hr. Schmidt recht geben, dass Grünkohl mit Pinkel die einzig wahre Art ist, dass Frostgemüse zu genießen.

    Aber das dann als Mitnehmspeise oder auf dem Fußballplatz. Geht für meinem Geschmack zu weit. Für solch einen Gaumenschmaus muss man sich Zeit nehmen, die kann ich zumindest nicht nebenbei verschlingen. Glaube dass Du das auch so meinst, mein lieber Heringsnamensgeber.

    Ja, ja. Der Sieg in Bremen war nicht umsonst, denn gegen den einzig wahren Karnevalsverein wurde nachgelegt. Freu mich brutal aufs fränkisch-bayrische Derby am Sonntag und erwarte, dass Schweinsteiger auf dem Platz wie ne Weißwurst von Gündogan gezuzelt wird.

  11. 11

    @Matjes: Als Alternative zu “Grünkohl to go” empfehle ich “go to Grünkohl”:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kohltour

    So ‘ne Kohlfahrt sollte man mal mitgemacht haben!

  12. 12

    Grünkohl immer und überall. Es gab doch mal “Kohl König” von Meica – schade, diese Convenience-Schiene hätte man weiter ausbauen müssen. Das war von mir natürlich nur ein Flachs. Aber ich würde trotzdem zugreifen. Auch Matjes wäre absolut klasse – damit würden sich die Nordvereine auch mal abgrenzen, wenn sie eh schon keine Chance gegen die Qualitätswurst aus dem Süden haben ;-).
    Fahrt mal zum SH-Zweiten nach Eichede, die bieten immer wieder Überraschendes vom Schwenkgrill an. Beim letzten Mal aß ich dort walnussgroße, geröstete Kartoffeln mit Soucreme. Dazu ‘n Stück Kuchen. Mjam, mjam, da kann man auch mal auf die Wurst verzichten!

  13. 13

    @ Matjes: Fischbrötchen gibt es beim HSV. Leider auch da nicht frisch belegt aber vor dem Hintergrund der Wurstqualität im Volkspark in der Tat eine Alternative. Eichede klingt spannend – auch sportlich …

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