Die Idrætspark-Frankfurter bei Viby IF

Viby IF

Auch in Dänemark hat sich bei mir inzwischen ein gewisser Lokalpatriotismus eingestellt und ich betrachte mich inzwischen als im Århuser Stadtteil Viby heimisch. Ich staunte nicht schlecht, als ich vom Pokalspiel unseres viertklassigen Vorstadtklubs Viby IF gegen den FC København erfuhr. Bislang hatte ich es noch nicht zum Idrætsforening geschafft, hatte ihn aber ganz fest für einen Besuch eingeplant. Nicht zuletzt deshalb, weil der Vibyer Idrætspark quasi auf der anderen Straßenseite liegt. Natürlich waren wir bei diesem Jahrhundertspiel dabei. Nebenbei gesagt auch ein Spiel, bei dem man auf eine korrekte fussballwurst hoffen konnte.

Viby StadionBereits vor einigen Wochen hatte ich einen meiner dänischen Mitbewohner nach Viby IF gefragt. Natürlich kannte er den Club und meinte, er habe sogar mal für ihn gespielt. Er und einige Freunde seien nach ihrem Umzug nach Viby in der untersten Herrenmannschaft eingestiegen, die damals wohl tatsächlich die schlechteste Amateurmannschaft Dänemarks war. Das Team verlor regelmäßig zu null und mit zweistelligen Gegentreffern. So weit, so glaubhaft. Unter ihrem  Einfluss sei der Vibyer Mannschaft dann allerdings ein Aufstieg nach dem anderen gelungen. Hier nimmt der Wahrheitsgehalt der Geschichte dann vermutlich ab. Wie auch immer: Die erste Herrenmannschaft spielt in der viertklassigen Danmarksserien, Pulje 3. Hier treten aus Århus noch die zweiten Mannschaften von Braband IF und Aarhus Fremad an. Im dänischen Pokal, der nach dem Sponsor Ekstra Bladet benannt ist, hatte Viby IF in der zweiten Runde bereits den Zweitligaverein Kolding FC auf heimischem Grund rausgeworfen; ein großer Erfolg. Jetzt waren die Erwartungen vor dem vermutlich größten Spiel des Vereins aller Zeiten gegen den dänischen Rekordmeister natürlich groß. Und so machte sich ein gemischter Haufen aus Dänen, Holländern und Deutschen auf zum Viby Stadion, um dem Ereignis beizuwohnen.

Viby Stadion

Wie auf den Fotos zu erkennen, fand das Spiel durchaus den ihm gebührenden Zuspruch und wurde von rund 2.000 Zuschauern verfolgt. Der Idrætspark ist im Wesentlichen eine Ansammlung verschiedener Sportplätze, darunter ein Footballfeld. Den Kern bildet das große Fußballrund mit Laufbahn, das vor kurzem noch unbespielbar war. Ich bin mir nicht sicher, aber ich nehme an, der Rasen wurde extra für das Pokalspiel komplett erneuert. Zumindest glich die Anlage vor einem Monat noch einer einzigen Baustelle, als ich dort mal bei einem Spaziergang vorbeikam. In jedem Fall aber haben wir es hier mit einem weiteren wirklich schönen Ground zu tun, auch wenn er nicht an den von Aarhus Fremad herankommt. Im Zusammenspiel mit dem guten Wetter hatten wir wirklich einen angenehmen Nachmittag. Vor dem Eingang des Sportparks hatten zwei Übertragungswagen sowie, recht bräsig, der Bus des FCK geparkt. Dank unserer Vorverkaufstickets á 75 kroner konnten wir uns in die Expressreihe stellen und hätten eigentlich schneller ins Stadion gelangen müssen als die anderen. Wären da nicht ein Pfund Champignons und eine Paprika im Rucksack gewesen, denn das Mitbringen eigener Lebensmittel war nicht gestattet.

Nachdem wir uns des Gemüses entledigt hatten, konnten wir trotzdem pünktlich zum Anpfiff die Anlage betreten. Wir suchten uns zunächst einen Platz auf der Gegengerade unter den TV-Kameras, die angenehm von der Sonne beschienen wurde. Linkerhand hatten es sich ungefähr 100 FCK-Fans gemütlich gemacht, die vom Vibyer Führungstreffer in der 12. Minute reichlich geschockt waren. Viby hatte einen astreinen Angriff vorgetragen und zur Überraschung aller getroffen. Sollte sich hier eine Pokalsensation anbahnen? Ich darf es vorwegnehmen: Nein. Die Hauptstädter brauchten schlappe acht Minuten, um den Rückstand bis zur 31. Minute auf ein 3:1 zu drehen. Dennoch muss man bewundern, wie Viby den FCK immer wieder in Verlegenheit brachte, und das nicht nur mit Kontern, sondern auch mit schönen Spielzügen. In der zweiten Halbzeit verlor das Spiel dann an Dynamik: Die einen wollten nicht mehr wirklich, die anderen konnten nicht mehr richtig. Dennoch erstaunlich, dass das Spiel nach einem Vibyer Eigentor nur 4:1 ausging. Der FCK, aber auch der IF (dank Kopenhagener Nachlässigkeit in der Abwehr) hätten noch zwei- bis dreimal treffen können. Trotz des Ausscheidens aus dem Pokal wird wohl jeder an diesem Tag zufrieden gewesen sein: Die Kopenhagener ob eines zu keinem Zeitpunkt gefährdeten Sieges und die Århuser aufgrund des absolut lobenswerten Auftritts ihrer Elf.

Die Idrætspark-Frankfurter

Kommen wir zur Wurst: Meine Hoffnung auf eine Gute schien sich zunächst zu bestätigen. Auch hier darf ich vorwegnehmen: Ich lag erneut falsch. Das Setting ließ sich zunächst jedoch äußerst gut an. Nahe dem Vereinsheim wurden drei Tische zwecks Verköstigung der Besucher auf-, vier Grillkräfte zur Bedienung abgestellt. Im Angebot waren die allgegenwärtigen Fransk Hotdogs für 20 kroner sowie Frankfurter Würste für 25 kroner. Der nahe gelegene Bierstand verkaufte Faßbier für 35 kroner. Auf dem Gasgrill brutzelten die Frankfurter vor sich hin und ich bestellte stracks ein Testobjekt. Saucen gab es in Selbstbedienung, angeboten wurden wie zu erwarten Ketchup und Senf, aber auch Remoulade und Hot Dog-Dressing. Grundsätzlich ist das zu begrüßen, denn mehr ist in diesem Fall wirklich mehr. Man kann ja auslassen, was man nicht mag. Ein scharfer Senf wäre aber doch begrüßenswert gewesen. Überreicht wurde die Frankfurter auf einer Pappe sowie mit einem Brötchen, Servietten suchte man leider vergeblich. Die Dänen haben das Prinzip eigentlich erkannt: Ein Brötchen hält die Wurst, also im Prinzip ein Gezwicktes. Leider war das Brötchen aber ein süßes Pappbrötchen. Die Wurst sah gut aus und war auch gut gebräunt. Aber: Sie war kalt und stammte anscheinend von der Halde. Von der fehlenden Wärme wurde dann leider auch der Geschmack erheblich beeinträchtigt, der aber auch bei angemessener Wärme wohl nicht mehr als durchschnittlich gewesen wäre. Ich kann hier leider wieder nicht mehr als zwei Punkte gegeben, da die fehlende Hitze Besseres verhindert.

(2/5)

Schade, dass die Grillkunst der Griller dem Rest des Nachmittags nicht gerecht wurde. Denn eigentlich war die Infrastruktur für eine gute Wurst absolut gegeben. Es fehlte nur die leckere, heiße Fußballwurst! Schade. Aber ich werde nicht eher ruhen, bevor ich hier in Dänemark eine gut gegrillte Wurst gefunden habe.

Links:

Viby IF

FC København

Spielbericht auf FCK.dk

Bericht bei Stiftstidende Arhus

Autor: M.Turski
Datum: Montag, 27. September 2010 19:53 | Dieser Artikel wurde 828mal gelesen
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Ein Kommentar

  1. 1

    Oh oh, bald befürchte ich wird die dänische Grillgilde Fussballwurst.de den Wurstkrieg erklären…

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