In Kopenhagen schellt das Telefon

FC København

Eine sinnlose Überschrift? Absolut! Aber jeder Versuch mich zu widerlegen ist eindeutig zwecklos. Mein Weg führte mich am vergangenen Wochenende nach København und es war mit Sicherheit eine der interessanteren Reisen zu einem Fußballspiel. Gemeinsam mit einem Engländer und einer Polin wagte ich den Weg in die Hauptstadt Dänemarks und zurück nach Århus per Anhalter. Bereits vor zwei Wochen unternahmen wir eine Tour durch Nordjylland, damals allerdings bequem mit einem Mietwagen der Marke Hertz. Da ich den beiden keinen Zwischenstopp bei einem Fußballspiel zumuten wollte, blieb die Reise fussballwurst-technisch ergebnislos. Diesmal bot sich jedoch ein Abstecher beim Superliga-Spiel des FC København gegen Silkeborg IF an. Begleitet wurde ich dabei, oh Wunder, nicht vom Engländer, sondern von unserem polnischen Kompagnon.

FaergenIch muss gestehen, dass ich vorher noch nie per Anhalter unterwegs war. Aber eines steht fest: Ich werde es wieder tun. Von Århus nach Kopenhagen zu gelangen ist relativ einfach, da die Fähre nach Sjælland direkt am Århuser Hafen ablegt. Von Odde sind es dann noch gut 100 Kilometer nach København. Nach der Uni spazierte ich also am Freitagmittag direkt zum Hafen, wo die beiden mit Mette und Tim bereits ein US-dänisches Ehepaar klargemacht hatten. Deren Volvo-Kombi war demnach sehr multinational besetzt. In der Regel wartet man als Anhalter vor dem Einlass zum Fährengelände und hofft auf Mitnahme. Wir haben den direkten Weg gewählt und sind über die Absperrung (eine simple Kette auf Kniehöhe) hinweg in den Wartebereich gegangen, um eine Mitnahme zu erbitten. Dass diese Vorgehensweise illegal ist wurde uns erst später in Kopenhagen klar, als unser Couchsurfing-Host uns aufklärte. Schließlich müssen die Behörden wissen, wie viele Personen nach dem Untergang der Fähre zu retten sind. Umgeht man den Eingang, wird man natürlich nicht gezählt. Wir waren also sozusagen blinde Passagiere. Der Blick vom Wasser aus auf Århus ist sehenswert und alleine dafür könnte man die Tour wiederholen. Nach etwas mehr als drei Stunden kamen wir am Rand der Metropole an, wo unsere Chauffeure zuhause sind. Mette bestand sogar darauf, uns den Zug zum Hauptbahnhof zu bezahlen. Unsere Versuche, das Angebot abzulehnen, blieben erfolglos. So sind sie, die Dänen!

Die Rückfahrt nach Århus gestaltete sich leider weniger angenehm als die Hinfahrt, da wir neun Stunden brauchten. Die Teilstrecken waren diesmal København – Nyborg, Nyborg – Fredericia und Fredericia – Århus. Insbesondere in København war es kein Leichtes, eine Mitnahme zu finden. In Fredericia hatten wir zudem wirklich Glück, da wir kurz vor Anbruch der Dunkelheit noch von einer Frau aus Ålborg aufgelesen wurden. In der Dunkelheit wäre es sicher schwierig gewesen. Aber auch hier hatten wir wieder sehr angenehme und interessante Gesellschaft. In København selbst hatten wir uns bei einem Psychologen einquartiert, der uns drei Tage lang aushielt. Als Zeichen unserer Dankbarkeit kochten wir ihm Nudeln mit Eiern und Zwiebeln. Ein wahrer Genuss. Aber zumindest besser als das Pastagericht unseres englischen Freundes am Vorabend, das im Wesentlichen aus Nudeln und Majo aus der Tube besteht. Englischen Studenten muss es wahrlich schlecht gehen. Die Pølser aus der Pfanne hingegen waren nicht so schlecht, was mich auch langsam zum Kern dieses Elaborats bringt.

Parken von innen

Nach einem Abstecher in Christiania brachte uns der Bus der Linie 6A am Samstagnachmittag durch strömenden Regen zu Parken, dem Stadion des FC København und gleichzeitig Spielstädte der dänischen Nationalmannschaft. Ganz genau, vor nicht allzu langer Zeit quälte sich der DFB hier zu einem 2:2 gegen Dänemark. Parken ist sicherlich eines der weniger schönen Fußballarenen. Das ist aber irgendwie auch in Ordnung, denn es ist eigentlich eher ein Mix aus Bürogebäude, Konzerthalle und Fußballstadion. Wenn man so viele Funktionen mischt bleibt die Ästhetik wohl auf der Strecke. In der Tat besteht die Nordwand des Stadions aus einer Art Bürogebäude, hinter der Menschen ihre Arbeit verrichten. Vermutlich ist das nicht der schlechteste Arbeitsplatz, denn man dürfte jedes Event innerhalb des Parks kostenlos verfolgen dürfen. Und so hatten wir auch an diesem Tag einige Kiebitze, die sich das Spiel vom Lehnsessel aus ansahen. Sicher bin ich mir allerdings nicht: Es könnte sich auch um schnöde VIP-Logen handeln. Wobei die an den Geraden sicher besser aufgehoben wären. Auffällig ist ferner das verschließbare Dach des größten Stadions Dänemarks, welches Konzerte und andere Massenveranstaltungen ermöglicht. Ansonsten sprang noch der Teppichboden ins Auge, den man nach dem Einlass betritt. Positiv ist auch hier erneut, dass das Spielfeld nur geringfügig gegen die Zuschauer abgezäunt ist. Beim Spiel handelte es sich um eine Neuauflage von ‚David gegen Goliath‘: Tabellenerster gegen Tabellenletzter. Insgeheim drückte ich Silkeborg die Daumen, denn die Stadt war vor zwei Wochen eines unserer Ziele unserer Jylland-Tour und liegt nicht weit von Århus. Hier wird wohl auch deutlich mehr auf den eigenen Nachwuchs gebaut. Allerdings hat der Kommerz auch beim Underdog Einzug gehalten: Das Unternehmen der Verein ist ähnlich wie der BVB Dortmund börsennotiert und wird an der Nordic Exchange gehandelt. (Dieser Artikel stellt weder eine Anlageempfehlung noch eine Aufforderung zum Kauf dieses Wertpapiers dar!)

Die Tulip-Wurst

Die Spielweise der Silkeborger Börsentruppe ließ ein Investment nicht einmal völlig abwegig erscheinen. Spielerisch natürlich deutlich unterlegen, gelang doch der ein oder andere gefährliche Konter. Und nach ungefähr einer Viertelstunde klingelte es dann nach einer eigentlich völlig harmlosen Hereingabe auch schon im Kopenhagener Kasten. Sehr zum Unbill meiner Sitznachbarn, insbesondere der drei türkischen Kleinkinder direkt vor uns (die nach Aussage meiner Begleiterin ziemlich amazing waren). Bis zur Halbzeitpause gelang København dann trotz redlicher Versuche der Ausgleich nicht. Nach der Pause ging es dann fröhlich weiter: 0:2 für Silkeborg! (Meinem dänischen Nachbarn zufolge ein Symptom des anstehenden Champions League-Spiels, denn København musste sicher Kräfte sparen. Das Spiel wurd dann auch 1:0 gewonnen).  In den folgenden fünf Minuten wurde der Underdog allerdings ordentlich gerupft und mit drei Treffern bedacht. Das 3:2 wurde dann allerdings wegen Abseitsstellung anulliert, sodass es beim 2:2 Endstand blieb. Aufgrund der Silkeborger Abwehrleistung verdient, würde ich sagen.

Über die Wurst, die wir vor Spielbeginn aßen, kann ich leider nicht viel Gutes berichten. Ähnlich wie bei Aarhus GF gab es einen Hot Dog, den ich allerdings diesmal wie empfohlen mit der Hot Dog-Remoulade aß. Was die Sache nicht wirklich besser machte. Sie hatte einen säuerlichen Geschmack und wäre meinerseits gerne gegen vernünftigen Senf eingetauscht worden. Der Hot Dog wurde für 25 Kronen, also rund 3,40 Euro, angeboten. Wieder erhielt ich eine warme Bockwurst im Mantelteig, diesmal der Marke Tulip. Im Prinzip handelt es sich nur um einen kleinen aber teuren Snack für zwischendurch, der nicht wirklich ernst zu nehmen ist. Mit einer gescheiten Wurst hat es hingegen wenig zu tun. Dafür gibt es erneut nur einen von fünf Sternen.

(1/5)

Links

F.C. København

Silkeborg IF

Silkeborg IF an der Nordic Exchange

Autor: M.Turski
Datum: Mittwoch, 15. September 2010 16:13 | Dieser Artikel wurde 1,524mal gelesen
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7 Kommentare

  1. 1

    Wieder ein Hot Dog Verriss. Was soll ich sagen? Wahrscheinlich hast Du Recht und ich wurde seit frühester Kindheit vom SSW geschmacklich “verdänt” – aber ich mag ja auch Toast.

    Weithin muss ich zugeben, dass ich Parken eigentlich ganz schön finde. Oben steil und unten flach ist nur eines der Merkmale die mich an englische Grounds erinnern. Vielleicht war die Stimmung etwas mau? Kommtst Du ja an Karten für FCK gegen Bröndby? Old Firm auf Dänisch – da wird’s bestimmt besser …

    Egal ob Du die Wust hasst und ich hier immer mecker – bitte mehr aus Dänemark!

  2. 2

    Ich glaube es ist einfach Pech, dass ich diese Hot Dogs nicht mag. Aber dafür dürfte sich jeder Nicht-Hot Dog positiv abheben und daher mit mehr sternen bedacht werden. Vielleicht ja nächsten Mittwoch, wenn unser Vorstadtverein im Pokal gegen den FCK antritt. Darauf bin ich schon gespannt. Denk Dir doch einfach eine gute Wertung dazu ;)

    Also, Fußball kann man in Parken mit Sicherheit gut schauen! Und es ist echt super, dass man so nah am Spielfeld sitzt. Aber die Stadien in z.B. Hamburg und Hannover sind dann halt doch etwas mehr fürs Auge als Parken.

    Ich weiß nicht wie das mit Bröndby ist, vermutlich ist Parken dann soga ausverkauft. Ich werde aber auf absehbare Zeit auch nicht in Kopenhagen sein…

  3. 3

    hallo

    ich war schon beim kopenhagener stadtderby zwischen dem fck und bif.
    je nach tabellenstand ist die hütte dann auch voll.
    atmosphäre vom feinsten.
    die bröndby-supporters sind das beste was skandinavien zu bieten hat.
    laut, bunt und zahlreich.

  4. 4

    Wieder ein interessanter Bericht, Herr Turski. Kann mich nur aunschließen, bitte mehr, und mich wiederholen: Wehe du kommst ohne Bericht aus Vejle oder Haderslev zurück ;-)

    Das Stadion in Hannover soll etwas mehr was fürs Auge sein??? Dann muss es sich bei Parken aber echt um ne Rumpelbude handeln :-/

  5. 5

    das stadion von 96 ist wirklich was für das auge, denn man ist als zuschauer verdammt weit weg.
    quasi wie im alten niedersachsenstadion, nur mit neuer verpackung.

    das parken ist ein toller ground.
    ein länderspiel dänemark – schweden z.b. macht dort wirklich spaß.
    ab und an läuft bei dieser partie auch jemand über den platz und verteilt schellen an den schiri. ;-)

  6. 6

    Danke für die umfangreiche DK-Korrespondenz!! Mehr davon!
    Parken war doch auch Schauplatz des UEFA-Cup-Rückspiels vom Heiligen SV, fünf Jahre her? Verschossener Elfer, der kleine Engel trifft in der Nachspielzeit,… ach ja, damals…

  7. 7

    Was für ne sinnolse Überschrift… ;P

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