Wurst für Holstein Kiel, Brause für die Gäste

holsteinkielSeptember. Die ersten Schokoladen-Weihnachtsmänner liegen in den Regalen. Endlich Ruhe auf dem Transfermarkt. Felix Magath hat fast alles unter Vertrag genommen, was zwei Beine hat, Rafael van der Vaart hat seinen neuen Traumverein gefunden, Herr Petric ist beleidigt, der Capitano bleibt Capitano. Es ist Zeit, sich wieder auf die wichtigen Dinge im Fußball zu konzentrieren. Regionalliga-Alltag in Kiel, zum Beispiel. Der Auftritt der Brausetruppe von RB Salzburg New York Leipzig (gerüchteweise im Salzburger Mannschaftsbus mit Austria-Kennzeichen angereist) bot eine gute Gelegenheit, zusammen mit ein paar Gleichgesinnten mal wieder ab ins Kieler Holstein-Stadion zu ziehen.

Vorab: Ich habe absolut nichts dagegen einzuwenden, wenn ein Österreicher im Asienurlaub auf einen thailändischen Getränkemischer aufmerksam wird und es mit dem Produkt schafft, ein eigenes Brauseimperium aufzubauen und Milliarden zu scheffeln. Ich bin nicht neidisch, sondern habe Respekt und Hochachtung vor Leuten, die eine Geschäftsidee haben und diese konsequent umsetzen. Und wenn jemand zu viel Geld auf dem Konto hat und sich ein, zwei Formel 1-Rennställe leisten möchte – herzlichen Glückwunsch, jeder Mann hat das Recht, mit Autos zu spielen. Aber was zum Henker soll diese verdammte Einmischung der Gummibärchen-Taurinbrausetruppe in Leipzig? Liebe Rautenjünger, Clubberer, Bayern-Sympathisanten, meinetwegen ausnahmsweise auch geehrte Bremer – könnt ihr euch vorstellen, Fan von einem Verein zu sein, den es gestern noch gar nicht gab? Ohne Geschichte? Geführt von Marketinggurus und Sportverantwortlichen, deren Titel „Head of Global Soccer“ lautet? Der in der fünften Liga startet und als kurzfristiges Ziel einfach mal den Durchmarsch ins Oberhaus ankündigt und sich mittelfristig auf Augenhöhe mit dem bajuwarischen Rekordmeister wähnt? Deren einziges Ziel es ist, die Marke des Sponsors noch bekannter zu machen? Deren Spieler nichts anderes sind als eine austauschbare Promotion-Truppe, um noch mehr silber-blaue Dosen zu verkaufen? IMG_0251Mir läuft es dabei eiskalt den Rücken runter. Ganz schlimm: Wo gibt der Brausekonzern – bei der vom Sponsor in das „Projekt“ gesteckten ungezügelten Erwartungshaltung – der Region, den Anhängern und den Spielern denn die Chance, eine Fan-Beziehung schonend aufzubauen und dann dauerhaft wachsen zu lassen? Und was passiert eigentlich, wenn das Projekt scheitert? Lächelt Dukaten-Didi in zwei, drei Jahren dann noch einmal in die Kamera des aktuellen Sportstudios, steigt in den Flieger und probiert es noch einmal woanders? Ein Kunstverein wie RasenBallsport Leipzig ist natürlich nicht der Untergang des Abendlandes, dafür ist es doch „nur“ Fußball. Aber doof finde ich RB Leipzig trotzdem. Seelenlose Plastikvereine raus aus der Deutschen Fußballlandschaft!!

Insgesamt über 5.200 Zuschauer waren am Freitagabend anwesend, und das an einem Länderspiel-Abend ohne nennenswerten Anteil Gäste-Fans! Alle Kieler runter vom Sofa und ab ins Stadion und hoffen, das Kiel die RasenBallsportler in die Schranken verweist! Störche, scheucht die roten Bullen aus dem Stadion! Bei Holstein waren wir in Sachen Wursttest anno dazumal beim letzten Saisonspiel in der vorletzten Saison zu Gast, als gegen die Mannschaft aus Stockelsdorf-Ost der Aufstieg in die 3. Liga gefeiert werden durfte. Inzwischen ist eine wenig erfolgreiche Saison vergangen, und Kiel ist wieder in der Regionalliga Nord angekommen. Mannschaft ausgemistet und verjüngt, neuer Trainer, Saisonstart mit drei Siegen aus drei Spielen geglückt – so viel zur Ausgangssituation. Leipzig dagegen enttäuschte als auf dem Papier klarer Aufstiegsfavorit mit drei Remis aus drei Spielen.

An den Rahmenbedingungen in unserem Test hat sich nicht viel geändert: Im Schatten der Stahlrohrtribünen (das Ehrenmal hat inzwischen einen neuen Ehrenmalplatz auf dem Parkplatz des Stadions bekommen) wird die Hofgut-Wurst über Gas gegrillt, dazu gibt es die Toastbrot-Flatrate und wie gehabt gequetschte Flüssigbeilagen rot und gelb. Diesmal ist die Wurst besser gegrillt als beim ersten Test, an der Preisschraube wurde nicht gedreht, es bleibt bei 2,20 Euro. IMG_0257Bier ist diesmal Vollbier, allerdings noch immer Warsteiner. Der Becher kostet 3,50 Euro für´n halben Liter aus dem Einwegbecher. Sportlich. Weiterhin im Angebot: Kieler Knastpralinen, Brezen und alkoholfreie Getränke. Die Wurst schmeckt noch immer ganz lecker, da sie dieses Mal besser gegrillt ist als bei der ersten Testreihe gibt es zur Belohnung auch eine höhere Wertung, nämlich 3,5 Sterne.

(3.5/5)

Jetzt noch ein Holzkohlegrill und frischeres Backwerk als Sättigungsbeilage, und die Holstein-Wurst ist ein Kandidat, den Wurst-Olymp zu erklimmen!

Das Spiel endet übrigens 1:2 aus Kieler Sicht. Immerhin gefühlte zehn Anhänger aus Leipzig waren auch da. Zwar ging es mit einem 1:0 in die Pause, und das Ergebnis konnte sogar bis kurz vor Ende gehalten werden, doch dank des Schiedsrichters, der für seine Freistoßentscheidungen Scorer-Punkte gutgeschrieben bekommt, kommt Leipzig noch mal ins Spiel und nimmt drei Punkte mit. Schade, die Enttäuschung ist zwar da, insbesondere darüber, dass RBL jetzt im vierten Spiel erstmals in der 4. Liga angekommen zu sein scheint. Aber das spielerisch Dargebotene, dazu noch das äußerst unfaire Auftritt der Ex-Profis (auf dem Kieker: Tim Sebastian…) lässt daran zweifeln, dass der Durchmarsch in die Profiligen wie am Salzburger Reißbrett geplant gelingt. Die Kieler Mannschaft wurde trotz Niederlage mit stehenden Ovationen verabschiedet. Für die Spieler bestimmt ein besonderer Ansporn für anstehende Aufgaben. Und ganz im Sinne der Choreografie im Stadion: Was man mit Geld nicht kaufen kann…

Homepage Holstein Kiel (mit Bildern zum Spiel)

Spielbericht der Kieler Nachrichten

Autor: H.Peters
Datum: Donnerstag, 9. September 2010 16:53 | Dieser Artikel wurde 1,020mal gelesen
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3 Kommentare

  1. 1

    Die Beschreibung der Wurst aus dem Imperium der Holstein-Mäzene ist nachzuvollziehen. Allerdings sind Seitenhiebe gegen die heimliche Landeshauptstadt eher unangebracht. Die Störche wirken im Vergleich mit den Hansestädtern durch ihren massiven wie auch wirkungslosen Etat auf mich ähnlich wie der Brauseclub.

  2. 2

    Damit Holstein Kiel nicht inflationär getestet wird meine letzte Wursterfahrung im Stadion auf diesem Wege: Die hier beschriebene Wurst gab es leider am vergangenen Samsatag nicht zu verköstigen. Auf dem Weg in den Block bekamen wir leider eine nur leicht gegrillte, innen noch kalte und damit auch nicht sehr schmackhafte Wurst präsentiert. Wir waren leider so sehr in Eile und ein wenig zu spät (das erste von SECHS Toren für Holstein war bereits gefallen), dass wir den mangelhaften Bräunungsgrad erst im Block beachteten. Ein schönes Spiel war`s trotzdem (auch in der Regionalliga ist ein 6:1 mit verschossenem Elfmeter ja nicht alltäglich) und täuschte dann über die Wurst hinweg.

  3. 3

    [...] Warsteiner für 3,50 € im Halbliterbecher besorgt (alle weiteren Angebote blieben gegenüber einem früheren Test unverändert), dann schafften wir es auch irgendwie, uns in den völlig überfüllten Block zu [...]

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