In China essen sie Hunde…

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…dies behauptet zumindest der Titel eines dänischen Streifens aus dem Jahre 1999, den ich an dieser Stelle kurz empfehlen möchte. Ich hoffe, dass die dort gezeigte Vorgehensweise  zwielichtiger Köche in den Küchen Dänemarks nicht Usus ist. Darüber sollte jedoch nicht vergessen werden, dass auch in Dänemark Hunde gegessen werden: Hot Dogs nämlich. Letzte Woche bei Aarhus Fremad konnte ich den Hot Dog noch umgehen, heute musste ich mich gewissen Sachzwängen (leerer Geldbeutel) jedoch beugen und auf eine Bockwurst im Teigmantel zurückgreifen. Zum ersten Heimspiel der Saison in der 1. division empfing Aarhus GF den Kopenhagener Vorstadtverein Brønshøj, nachdem man letztes Wochenende in Vejle nicht über ein 0:0 hinauskam.

Das StadionBei der Fußballsparte des Aarhus Gymnastikforening af 1880 handelt es sich in etwa um das dänische Pendant zur Hertha BSC Berlin. Diesen Vergleich zog zumindest mein dänischer Mitbewohner. Aarhus GF war bereits fünf mal dänischer Meister und holte den nationalen Pokal neun mal. In der vergangenen Saison stieg Aarhus GF nach einem starken Saisonbeginn dann (meinem Mitbewohner zufolge unerklärlicherweise) in die 1. division ab.  Aktuell spielt der US-Amerikaner Benny Feilhaber für AGF: Man wird ihn noch vom Hamburger SV kennen. Für einen dänischen Zweitligisten verfügt der Verein dann auch über ein recht stattliches Stadion.  Und nicht nur das: Es ist auch landesweit das drittgrößte Stadion. Der NRGi Park fasst gut 20.000 Besucher und war an diesem Sonntag nur zu einem Viertel gefüllt. Zum Vergleich: Im Brønshøjer Stadion finden 3.000 Zuschauer Platz. Eines ist im NRGi Park besonders angenehm: Es gibt am Einlass weder eine Körperabtastung, noch ist das Spielfeld von Zäunen oder Netzen umgeben. Man fühlt sich hier nicht gefangen, sondern kann eine gewisse Unaufgeregtheit bzw. Lässigkeit im Umgang mit dem gesamten Spiel fühlen. Während des Spiels passen dann insgesamt sechs Ordner darauf auf, dass sich kein Fan auf das Spielfeld verirrt. Alles sehr friedlich und locker hier. In der Tat habe ich nicht einen einzigen Polizisten im oder vor dem Stadion gesehen. Die Polizeipräsenz hier in Århus wird ohnehin sehr gering gehalten, was ich sehr begrüßenswert finde.

AGF-Fans beim TorjubelIm Vorfeld hatte ich mich über die Eintrittspreise informiert: 85 kroner für Studenten und 130 kroner für Vollzahler, was in etwa 11,40 Euro bzw. 17,40 Euro entspricht. An der Kasse mussten wir dann feststellen, dass der Rabatt bloß im Vorverkauf gilt. Anscheinend reicht mein Dänisch noch nicht aus, um diese Information der Club-Website zu entnehmen. Also ist noch mehr Lernen angesagt. Zum Glück sprach uns ein Däne an, der uns zwei Sponsorentickets für jeweils 50 kroner verkaufte. Damit waren wir dann sehr zufrieden. Das Stadion hat leider keine Stehplätze, sodass wir uns einen Sitzplatz rechts hinter dem Tor in angenehmer Blickhöhe suchten. Das Spiel war phasenweise durchaus nett anzusehen, wobei die zweite Hälfte einige Schwächen aufwies. Ich würde sagen, dass der 3:1-Sieg für Aarhus GF durchaus in Ordnung geht, wobei der Sieg nach einigen vergebenen Großchancen auch höher hätte ausfallen können. Sehr gut gefallen hat mir hier die Atmosphäre unter den Besuchern. Wenn die Hardcore-Fans rechts neben uns einen Gesang angestimmt haben, hat aber auch wirklich jeder mitgemacht.

Die GF-WurstZum Ende der Halbzeitpause gingen wir dann zum Wursttstand die Treppe herunter. Bereits während der ersten Halbzeit hatten wir bei anderen Zuschauern eine sehr große Bratwurst entdeckt, die wir ziemlich gerne auch haben wollten. Wir mussten dann leider erkennen, dass für eine ‘Stadionplatte’ mit einer solchen Wurst, zwei Pappbrötchen sowie Senf und Ketchup 45 kroner (6 Euro) verlangt werden. Eindeutig zu viel für unsere ohnehin schon geknechteten Geldbeutel. Es lief dann auf den Hot Dog hinaus, den ich letzte Woch bei Fremad verweigerte. Für ein großes bzw. kleines Fassbier werden 65 bzw. 40 kroner (8,70 Euro/ 5,40 Euro) fällig.  Softdrinks werden für 30 kroner ausgegeben. Gut, dass man eigene Getränke mitnehmen kann, obwohl das mit Sicherheit nicht gerne gesehen wird. Wie auch in der Nordstadt kostet der Hot Dog 25 kroner (3,35 Euro) und stammt von Houlbergs Steffs Fließbändern. Bei der Bestellung darf man entscheiden, ob Ketchup oder Remoulade in die Brothülle gepresst wird. Ich entschied mich für ersteres und bekam (erneut): Eine salzige, elektrisch erhitzte Bockwurst, die in ein ausgehöhltes  und mit Ketchup gefülltes Brötchen gesteckt wurde.  Als ich die Wurst schon aufgegessen hatte blieb noch ein halbes, mit Ketchup gefülltes Pappbrötchen zurück. Nicht so super. Letzte Woche wurde die Bewertung noch durch das Neue, die nette Bedienung und den Flair des Fußballplatzes rausgerissen. Hier macht auch der Blick meines Heidelberger Begleiters nach dem Biss in die Wurst klar: Mehr als einen Stern kann man hier nicht vergeben. Aber: Nach dem Spiel ging es zu Fuß in ungefähr 5 Minuten an den Ostseestrand. Und das ist nun wirklich ein schöner Fleck. Mal sehen wie die Wurstlage bei den beiden Amateurvereinen ausschaut, die ich ins Auge gefasst habe.

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Aarhus GF

Brønshøj Boldklub

Autor: M.Turski
Datum: Freitag, 20. August 2010 8:00 | Dieser Artikel wurde 1,369mal gelesen
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6 Kommentare

  1. 1

    Toller Bericht und interessante Bilder. Großes Bier 0,75 l, kleines Bier 0,4 l, ich muss auch unbedingt mal wieder zum dänischen Fussball :-)

    Dass der AGF 2005 im Achtelfinale der CL gestanden haben soll, halte ich allerdings für ein Gerücht und bitte um höflich Quellenprüfung ;-)

  2. 2

    Hm, das halte ich auch für ein Gerücht. Mir ist auch gerade rätselhaft, wieso ich das geschrieben habe :) Führen wir es mal auf meine Erkältung zum Zeitpunkt des Schreibens zurück. Wird auf jeden Fall geändert.

  3. 3

    Ja, so ein Auslandsaufenthalt ist auf jeden Fall eine tolle Bereicherung für unser Blog! Bin mal gespannt, ob Du dabei auch noch die wahrhaftigen Dänischen Delikatessen zu kosten bekommst.

  4. 4

    Ketchup im Fransk Hot Hog is ja nun auch wirklich ein Anfängerfehler – da muss doch diese Majoähnliche Salatsoße rein! Auf Grund jahrelanger “Grenzerfahrung” weiß ich dass unsere dänischen Freunde Fußball, Wurst und vor allem Bier genauso lieben wie wir. Ich glaube man muss ein paar mehr von den echten Hot Dogs essen um das Gesamtkonzept zu verstehen – oder sollte das Gewöhnung sein? Egal mir jedenfalls läuft regelmäßig das Wasser im Mund zusammen bei Deinen Berichten. Mehr davon!
    Viele Grüße nach DK!

  5. 5

    Beim Hot Dog scheinen sich die Geister wirklich zu scheiden. Wurst mit Salatsauce??? Vielleicht ist der Lernprozess bei mir noch nicht abgeschlossen…

  6. 6

    [...] werden sich erinnern, dass mein Urteil über die dänische Wurstkultur bisher recht harsch ausfiel. Der Fransk Hotdog im Århuser NRGi-Park wurde mit lediglich zwei Sternen bedacht. Bei diesem Besuch in Aarhus wurde nun die hochpreisige [...]

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