Tolle Wurst! Die teure “Rote” beim VfB Stuttgart

VfB StuttgartSommerpause – diese schreckliche Zeit zwischen der WM, die schon wieder ewig her ist, und den ersten Pflichtspielen, die die meisten deutschen Proficlubs erst am vergangenen Wochenende im DFB-Pokal bestreiten mussten. Wohl dem, der Anhänger des VfB Stuttgart ist.  Durch die grandiose Aufholjagd in der Rückrunde der vergangenen Saison erwarb der Verein für Bewegungsspiele von 1893 die Berechtigung in der  3. Runde der Qualifikation zum UEFA-Cup-Nachfolger, Europa League zu starten, womit der Pflichtspielauftakt bereits zwei Wochen vor dem der Konkurrenz erfolgte.  Da im Gegensatz zu Bundesligaspielen dank Ferienzeit in Baden-Württemberg und vermeintlich mangelndem sportlichen Reiz der Begegnung Karten vergleichsweise leicht zu bekommen waren, stellte das Rückspiel eine gute Gelegenheit für mich dar, mal wieder meinen Lieblingsverein bei einem Heimspiel zu sehen. Last but far from being least, war dies auch die Chance, endlich einmal die VfB-Wurst außerhalb des Gästeblocks zu testen.

Das Stadion in Stuttgart, welches – wie aufmerksamen Lesern von fussballwurst.de natürlich bekannt ist – schon in der vergangenen Saison lediglich ein 3/4-Stadion war, wird diesen Status auch in dieser Saison fehlendeKurvebehalten, da der Umbau in ein reines Fußballstadion bei laufendem Betrieb noch andauert. Zunächst wurde das Spielfeld tiefer gelegt und die Geraden bis an den Rasen herangezogen. Letzte Saison war dann der Abriss und das Heranziehen der Untertürkheimer Kurve (die Gästekurve) dran, die bis zum ersten Bundesligaheimspiel am 2. Spieltag vollständig benutzbar sein soll. Gegen Molde war immerhin schon der Gästeblock geöffnet. Dafür wurde nach dem letzten Heimspiel 2009/2010 die Canstatter Kurve der Heimfans abgerissen. Diese wird diese Saison als Hintertortribüne neu aufgebaut, womit der Stadionumbau weitgehend fertig und eine der letzten Laufbahnen aus den Bundesligastadien endgültig verschwunden sein wird. Die stimmgewaltigsten Fans aus der Canstatter Kurve um die Ultragruppierung “Commando Canstatt” herum halten sich so lange auf der Gegengeraden, sozusagen eine Saison im Exil auf.

Gegner in der Partie war der norwegische Vizemeister von 2009, Molde FK. Da in Norwegen die Saison über das Kalenderjahr verläuft, sieht die Situation bei den Gästen in der Tabelle der heimischen Liga mittlerweile wesentlich schlechter aus als im Vorjahr. Zum Zeitpunkt des Aufeinandertreffens mit Stuttgart war man lediglich 13. in der Tabelle der 16er-Liga, also lediglich einen Rang über dem Relegationsplatz. Während der Angriff des Teams noch ganz passabel mithalten kann, erscheint vor allem die Defensive als Problem. Genau dies spiegelte auch das Hinspiel bei wunderschönem Wetter am Moldefjord wieder, welches aus Sicht von Molde 2:3 verloren ging.

Eigentlich eine gute Ausgangsposition für den VfB. Doch dieser sollte sich auf der Baustelle Mercedes Benz Arena bei zunächst strömenden Regen wesentlich schwerer tun, als es mir und der Mehrzahl der 11.500 Besucher lieb sein konnte. Molde spielte munter mit und hatte sogar die besseren Chancen in Durchgang 1, so dass der Halbzeitstand von 0:1 völlig verdient war. Kurz nach der Pause fiel dann sogar das 0:2. Zu diesem Zeitpunkt wäre MoldeFansder VfB also bereits ausgeschieden aus dem so hart erkämpften europäischen Wettbewerb. Immerhin fiel fünf Minuten später endlich der erste Treffer für die Mannen von VfB-Trainer Christian Gross, was dank Auswärtstorregel wieder zum Weiterkommen gereicht hätte. In der Nachspielzeit erzielte Timo Gebhardt dann sogar noch das eher schmeichelhafte 2:2. Eine anschließende Chance der Norweger konnte schließlich noch von der Linie geschlagen werden – unglaublich, wenn es in dem Spiel tatsächlich noch zu einer Verlängerung gekommen wäre. Die Stimmung im Stadion war entsprechend. Um den Ultrablock herum wurde zwar durchgehend stoisch supportet, egal, wie dumm sich die eigene Mannschaft teilweise anstellte. Auf der Haupttribüne wurde dafür umso mehr gepfiffen und geflucht.  Immerhin die 56 Moldefans hatten wohl ihren Spaß und konnten sich ein, zwei mal sogar akkustisch bemerkbar machen. Am Ende herrschte dann jedoch in den übrigen Stadionregionen Erleichterung, ob eines sehr glimpflichen Ausgangs eines Spiels, das im Vorfeld für mich eigentlich vielversprechend angefangen hatte.

Nämlich mit einer sehr guten Wurst. Bei unserem ersten Test an gleicher Stelle in der vergangenen Saison hat ein Leser bereits darauf hingewiesen, dass statt der Bratwurst einmal die regional typische “Rote” getestet werden sollte. Dies nahm ich mir dieses Mal zu Herzen. Trotz Bezahlkarte,die leider auch der VfB mittlerweile für seine Heimfans eingeführt hat, wurde an dem Bratwurststand auch Bargeld akzeptiert, wodurch ein erster Minuspunkt in der Bewertung vermieden wurde. Unverständlich bleibt nur, wieso dieses Nebeneinander der Bezahlsysteme nicht überall besteht. Nur so hat der Kunde die Wahl und nur so ist er wirklich König in den angeblich achso serviceorientierten Arenen. Die Verkaufsbude ist typisch für ein Bundesligastadion. Für die 11.500 Zuschauer schienen jedoch ausreichend Stände vorhanden zu sein, zumindest musste nicht lange angestanden werden, es befand sich nur eine Kundin vor mir. Wie im Test aus der letzten Saison wurde auch hier eine Bratplatte verwendet. Die Wurst wird jedoch erst beim Verkauf von dieser genommen und im frischen Brötchen serviert. Die Wurst war also gut erhitzt, Wursthatte einen guten Bräungsgrad und auch vom Geschmack her konnte der mutmaßliche Industriebrät mehr als überzeugen. Senf aus dem Spender konnte selbst nach Wunsch aus dem Pumpenspender hinzugefügt werden. Insgesamt hinterließ all dies im Gesamtpaket einen sehr erfreulichen Eindruck, gerade für eine Wurst aus dem Profiligenbereich. Als Minuspunkte bleiben also eigentlich nur Dinge, die sich in einem Stadion für über 30.000 Besucher wohl nur mit viel Aufwand anders regeln lassen: Die recht schnelle (wenn auch freundliche) Abfertigung am Grillstand, die immer etwas an ein Fast-Food-Restaurant erinnert, die Grillplatte statt des Holzkohlegrills und eben die Tatsache, dass die Würste nicht vom kleinen Metzger um die Ecke in Handarbeit hergestellt wurden. Trotzdem bleiben für mich da noch locker 4 von 5 Sternen übrig, die diese schlicht und einfach leckere Wurst von mir erhält. (4/5) Ausdrücklich gelobt sei nochmal das wirklich frische und leckere Brötchen.  Dafür sei ebenso deutlich darauf hingewiesen, dass der Preis für die Wurst hier nicht mit in die Wertung einfließt. Die gute Qualität lassen sich die Schwaben nämlich auch teuer bezahlen. 3 Euro für die Wurst müssten in diesem Blog auch in der Preiskategorie für einen leider eher unrühmlichen Spitzenplatz ausreichen. Trotzdem ist mir ein hoher Preis für gute Qualität noch allemal lieber als 2 Euro für das, was beispielsweise auf der AJK als Bratwurst verkauft wird, hinzulegen und anschließend weder gesättigter zu sein, noch etwas wirklich Leckeres gegessen zu haben. Das geschmackliche Nord-Süd-Gefälle wird also weiter manifestiert.

Für Freunde der gebratenen Wurst sei gerade im Bundesligabereich der Besuch der Mercedes-Benz-Arena daher klar empfohlen! Freunde des VfB Stuttgart können derweil nur hoffen, dass sich die diesjährige Mannschaft auch wieder langsam dem Niveau der verkauften Speisen annähert – vielleicht ja zur Abwechslung auch mal wieder schon vor Beginn der Rückrunde…

Links:

VfB Stuttgart

Molde FK

Wikipedia-Eintrag über Molde FK

Spielbericht bei kicker.de

Infos über die “Rote” bei Wikipedia

Autor: T.Weber
Datum: Dienstag, 17. August 2010 21:02 | Dieser Artikel wurde 1,797mal gelesen
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