Danske pølser på Aarhus Fremad

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Seit ungefähr einer Woche wohne ich nun im jütländischen Århus und habe noch keinen einzigen Fußball zu Gesicht bekommen. Es ist also allerhöchste Zeit, das örtliche Fußballpflaster zu erkunden. Den Anfang macht Aarhus Fremad, ein drittklassiger Verein im Norden von Århus. Es ist Saisonbeginn in der 2. division und Blokhus FC ist zu Gast in Århus, um sich die erste Reibe der Saison abzuholen. Ein Stapel Freikarten macht die Entscheidung über die samstägliche Nachmittagsgestaltung  also zu einer leichten.

Die Hierarchie der Fußballligen ist in Dänemark doch etwas flacher als etwa in Deutschland. In der ersten Liga, welche als Superliga bekannt ist, nehmen zwölf Mannschaften am Spielbetrieb teil. Die Superliga wird aktuell von SAS Scandinavian Airlines gesponsert und ist daher auch als SAS-Liga bekannt. Damit folgt SAS Coca Cola und Faxe Kondi nach, welche von 1995 bis 1996 bzw. von 1996 bis 2001 als Namensgeber fungierten. Zum Glück ist dieser Trend an der Bundesliga  bisher vorbeigegangen. Die Superliga wurde der bisherigen ersten Liga, der 1. division, 1991 vorgeschoben. Etwas verwirrend ist, dass die 1. division, welche nun die zweite Liga ist, weiterhin 1. division heißt. Auch hier hat sich ein Sponsor, namentlich das Fernsehunternehmen Viasat, die Vermarktungsrechte angeeignet. Dänemark spart sich eine überflüssige dritte Profiliga. Stattdessen ist unter den beiden Profiligen die 2. division angesiedelt, welche in die Regionen Vest und Øst unterteilt ist. Ich gehe davon aus, dass das Ganze mit unseren Regionalligen vergleichbar ist (das Niveau ist es wohl eher nicht). Hier findet sich mit Braband IF ein weiterer Lokalverein aus Århus. Die drei letzten Plätze der beiden Ligen sind die Abstiegsplätze in die Danmarksserien. Die wiederum ist in die Københavnsserien, die Sjællandsserien, die Lolland-Falsterserien, die Fynsserien und die Jyllandsserien gegliedert. Ich würde sagen, damit kann man es an dieser Stelle bewenden lassen. In der Jyllandsserien spielt auch eine Handvoll Århuser Vereine, worauf ich später zurückkommen dürfte.

Die Allee, von seiten des Bethesdavej

Aarhus Fremad (ausgesprochen in etwa Orhus Fremäl) verfügt über eine wirklich nette Spielstätte im Norden der Stadt, welche Riisvangen Stadion genannt wird. Zu Fuß erreiche ich das Gelände am Hans Egedes Vej. Drei dahergelaufene Engländer wissen ebenfalls nicht genau wo der Eingang ist, sind aber genau wie ich mit Freikarten für das Spiel ausgestattet. Ein Zeichen dafür, dass Aarhus Fremad nicht mit Besucherströmen zu kämpfen hat. Wir betreten das Gelände dann von der falschen Seite über einen Eingang, der eigentlich für die Sponsoren (wichtig!) gedacht ist. Ohne Probleme kann man dort hinein und den Eintritt für das Spiel sparen. ‚So much about the free tickets!‘ Man betritt eine wunderschöne Allee, die mich wirklich staunen lässt. Zur rechten entfaltet sich dann das Spielfeld, welches von grasbewachsenen Hängen umgeben ist. In einer Ecke hinter dem Spielfeld steht eine Bude, welche als Sprecherkabine dient. Sie trägt eine Anzeigetafel aus Holz, welche bei einer Änderung des Spielstands manuell bedient wird. Eine sehr praktische Uhr über 45 Minuten macht das Schauen auf die eigene Armbanduhr überflüssig. Sofort macht das geschulte Auge den Wurststand aus, der anscheinend recht beliebt ist. Das lässt hoffen. So werde ich Zeuge des ersten Ligaspiels in der 2. division Vest zwischen Aarhus Fremad und Blokhus FC, welches vom Team aus der Nordspitze Dänemarks mit 3:2 gewonnen wird. Fremad gab die 1:0-Führung nach einem weniger spannenden Spiel doch noch ab. Das Niveau dieser dritten dänischen Liga erinnert mich eher an die Hamburger Oberliga, was auch den geringen Zulauf von schätzungsweise 300 Zuschauern erklären könnte. Man mag es nicht glauben, aber ich habe von den fünf Toren genau eines gesehen, und das aus 150 Metern Entfernung. Dafür konnte ich einen wirklich schönen Sommertag auf einem schönen Ground in Gesellschaft netter Menschen genießen. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass ich noch einmal zu Fremad zurückkehren werde. Wie ich kostenlos auf das Gelände gelange weiß ich ja nun.

ristet pølser med brødZu dieser Einschätzung trägt die Wurstsituation allerdings weniger bei. Ich habe zwar keine handgestopfte Bratwurst vom Holzkohle-Schwenkgrill erwartet, aber die dänische pølse reißt mich nicht vom Hocker. Bereits vor dem Wursttest zu Beginn der zweiten Halbzeit habe ich mich beim Achilestand nach dem Angebot erkundigt, damit ich beim Bestellen nicht erst lange überlegen muss. Für uns gibt es ristet pølser med brød (geröstete Wurst mit Brot) für 20 kroner, das sind rund 2,70 Euro. Ein ordentlicher Preis für etwas, das im Wesentlichen eine elektrisch erhitzte Bockwurst mit Schinkengeschmack ist. Die Wurst ist der Marke ‚Steff Houlberg‘, was mir natürlich überhaupt nichts sagt. Vielleicht eine Art Salzbrenner Dänemarks? Man wird sehen. Dazu gibt es ein pappiges Brot und eine Auswahl von Saucen in Selbstbedienung (Remoulade, Hot Dog-Sauce, Ketchup und Senf). Das ganze wird auf einer Wurstpappe mit gefalztem Rand ausgegeben, sodass das Einsauen eher schwer als leicht fällt. Eine Haltepappe gibt es allerdings nicht, zum Halten wird das vorgeschnittene Brötchen verwendet. Servietten kann man an einem Spender ziehen. Mein Schweizer Kompagnon erkundigt sich, welches die Standardwahl des Dänen sei und tatsächlich: Wir haben es dem Dänen gleichgetan. Neben dem ristet pølser gibt es noch eine sogenannte Franckfurter, welche 5 kroner teurer sind. Im Hot Dog-Teigmantel kosten sowohl pølser als auch Franckfurter 5 kroner mehr. Hot Dogs sind meines Erachtens aber abzulehnen. Getränkeseitig wird Tuborg im 0,4l-Becher für 30 kroner verteilt. Das sind gut 4 Euro und damit zu viel für mich. Immerhin kann der Preis je Bier durch Bestellen eines ‚Meters‘, der aus fünf Bechern besteht, auf 25 kroner gedrückt werden. Der Preis für einen Softdrink ist mit 20 kroner in Ordnung.

Mit der Bewertung tue ich mich dieses Mal schwer. Kann man hier die gleichen Anforderungen stellen wie an eine deutsche Bratwurst? Wenn ja, hätten wir es hier mit einer Nullnummer zu tun. Eine Bockwurst vom Elektrogrill plus Pappbrötchen kann man eigentlich niemandem anbieten. Insbesondere zu dem Preis. Allerdings war die Wurst auch ungewohnt und schon daher interessant. Gleiches trifft auch für den Ketchup und den Senf zu. Ich entschließe mich für die Vergabe von zwei Punkten, weil mir das Drumherum und die Freundlichkeit der Bedienung sehr gut gefallen haben.

(2/5)

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Aarhus Fremad

Blokhus FC

Autor: M.Turski
Datum: Sonntag, 8. August 2010 9:11 | Dieser Artikel wurde 1,559mal gelesen
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9 Kommentare

  1. 1

    Tak for den store rapport! Værd at nævne: Den stadion avisen ser meget professionelle!

  2. 2

    Die Stadionzeitung ist in der Tat gut gemacht und hochwertig gedruckt. Keine Ahnung wie das finanziert wird…

  3. 3

    Bisschen “Aufklärung” ;-) ristet pølser med brød ist an dänischen Imbissständen ja einfach mal Standard. Genau wie Fransk Hotdog und “normalem” Hotdog. Ganz normal und auch der Preis von 20 Kronen ist normal. Egal ob in Turistenzentren, Fußballstadien oder normalen Städten. Und Steff Holberg ist auch eine der Standardmarken.

    Also für den deutschen (Fußball-)Gaumen vielleicht ungewohnt, aber dänische Normalität. Bratwurst zu finden dürfte schwierig werden ;-)

  4. 4

    Danke für die Belehrung ;)

  5. 5

    Wurst naja, aber wenigstens ist das Stadion ja recht nett und ohne Aschenbahn, wäre es perfekt.
    Freu mich es mal persönlich begutachten zu können.

  6. 6

    Schöner Bericht! Freu mich schon auf die weiteren Stationen des dänischen Fussballsports. Vielleicht ergibt sich ja mal die Gelegenheit bei einem meiner zwei Lieblingsklubs, Vejle BK oder SonderjyskE, vorbeizutesten.

    Ps: Beim AGF soll es statt Bier Gammeldansk im Ausschank geben. Nix wie hin!

  7. 7

    Hej hej,

    Die beste Wurst, die ich probieren durfte, gab es beim Gråsten Boldklub, die konnte es glatt mit der Wurst diesseits der Grenze aufnehmen. Allerdings spielen die irgendwo in der dänischen Kreisklasse.;)
    Ansonsten ist viel Standard in Liga 1 und 2 – halt Steff Houlberg oder Tulip. Unterschied macht da die Zubereitung – wursttechnisch zu empfehlen ist zum Beispiel der FC Fyn, da gibt’s zur Wurst vom Holzkohlegrill frische, selbstgeschnittene Zwiebel. Vejle hat auch Holzkohlegrills, wie SønderjyskE auch. Da gibt es auch das einheimische Fuglsang zu trinken (sonst ist auch da viel Standard: Tuborg oder Carlsberg meistens). Preise sind normal in DK.
    Ach, und wer mal der Stadionwurst untreu werden will: Beim FC Nordsjælland werden 1a Burger auf Holzkohle gegrillt.

    Für weitere DK Infos gerne nachfragen. Oder vorbeigesurft kommen…

  8. 8

    [...] ohnehin schon geknechteten Geldbeutel. Es lief dann auf den Hot Dog hinaus, den ich letzte Woch bei Fremad verweigerte. Für ein großes bzw. kleines Fassbier werden 65 bzw. 40 kroner (8,70 Euro/ 5,40 Euro) [...]

  9. 9

    [...] aber haben wir es hier mit einem weiteren wirklich schönen Ground zu tun, auch wenn er nicht an den von Aarhus Fremad herankommt. Im Zusammenspiel mit dem guten Wetter hatten wir wirklich einen angenehmen Nachmittag. [...]

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