Im Westen nichts Neues – Die Eitrige beim SV Lurup

In der Flurstraße bestreitet der SV Lurup Hamburg seine Spiele auf der Jonny-Arfert-Anlage. Aus Altona kommend nimmt man den 3er-Bus in Richtung Schenefeld. Ich steige an der Haltestraße Schützenstraße Süd zu, sodass die Fahrt gemeinsam mit drei weiteren fussballwurst-Testern in den Westen Hamburgs beginnen kann.  Das Gefährt ist nach dem Ausfall eines anderen Busses völlig überfüllt, was mir mit meiner leicht erhöhten Temperatur nicht sehr entgegen kommt. Meinen gesundheitlichen Status behalte ich  wohlweislich für mich, um von den anderen Fahrgästen nicht zum Verlassen des Busses genötigt zu werden. Heute holt Altona 93 auswärts ein Spiel nach, das bereits Mitte März hätte stattfinden sollen. Damals wurde die Begegnung wegen widriger Wetterbedingungen abgesagt. Nach dem 6:0-Sieg in der Hinrunde hoffen wir natürlich auch heute auf ein erfreuliches Endergebnis und sind gespannt auf die Luruper Wurst.

4624002961_c61e2987e0Der SV Lurup hebt sich von anderen Hamburger Oberligavereinen durch einen wirklich schönen Platz ab. Wir betreten das Luruper Gelände 10 Minuten vor dem Anpfiff und lassen uns an der Kasse von Spielern und Trainern beider Mannschaften überholen. Direkt hinter dem Eingang befindet sich die Bier- und Grillbude, die sofort von 50 durstigen Bausparern belagert wird. Auf einen solchen Ansturm war man offenbar nicht vorbereitet, denn die lange Schlange wird nur langsam kürzer. Während die Laufbahn um den Rasen herum etwas beim Zuschauen stört, gefällt die gemütliche Sitzecke unter einer enormen Kastanie in der Nähe der Versorgungsbude. Von dort aus kann man das Spiel bequem verfolgen und ohne große Umwege Nachschub an Bier und Wurst besorgen. Die Haupttribüne rechterhand vom Eingang bietet (soweit ich sehen kann) lediglich Sitzplätze und wird vornehmlich von Luruper Anhängern bevölkert. Gegenüber auf der vollständig überdachten Stehplatztribüne, einzigartig im Hamburger Amateurfußball, finden sich schätzungsweise knapp 100 Altonaer ein. Umrandet ist das gesamte Gelände von dichtem Bewuchs, und die untergehende Sonne schafft eine schöne Atmosphäre für ein Mittwochabendspiel.

Der SV Lurup spielte 1985 noch um den Aufstieg in die zweite Bundesliga mit und konnte beim entscheidenden Spiel gegen den FC St.Pauli 5.000 Zuschauer im Stadion an der Flurstraße zählen. Heute geht es für Lurup um den Verbleib in der fünftklassigen Oberliga. Mit einem Punktgewinn könnte der Verein einen großen Schritt im Abstiegskampf machen. Für Altona 93 geht es bei diesem Auswärtsspiel hingegen um nichts mehr. Zumindest scheint das die Ansicht von Trainer und Spielern zu sein. Eine interessante Auffassung von Moral, nachdem man sich selbst die Chance auf den Hamburg-Pokal 4624003801_e80e558c46genommen hat. Auch angesichts der Tatsache, dass die Gruppe der Meisterschaftsanwärter immer weiter zusammenrückt und Victoria nach langer Dominanz aus dem Tritt geraten ist. Gerade jetzt müsste man doch in den letzten Spielen der Saison alles geben, wo zumindest die goldene Ananas der Oberliga noch (unter ganz gewissen Umständen) zu holen wäre. Berkan Algan suspendiert, Smereka und Aktan weiterhin verletzt. Neben Ersatztorwart Schau saßen bloß vier Ersatzmänner auf der Bank, darunter meines wissens zwei Spieler aus der zweiten Mannschaft (über die Mannschaftsaufstellungen sollte man sich übrigens nicht per Stadionblatt informieren, die Angaben sind hoffnungslos veraltet.). Beim AFC scheint derzeit einiges neben der Spur zu laufen.

Dennoch bin ich vom Luruper Führungstreffer in der ersten Minute etwas überrascht. Wir haben uns kaum unter der Kastanie eingerichtet, da taucht auch schon ein Luruper frei vor 93-Keeper Hinz auf und schiebt den Ball in die Maschen. Sehr abenteuerlich auch, was die Abwehr des AFC in den folgenden 44 Minuten zusammenstochert. Wirklich ein Wunder, dass sich der AFC bis zur Pause nicht fünf Tore einfängt. Vielmehr treffen Hadid (15.) und Clausen (40.) zum reichlich unverdienten Pausenstand von 2:1. SVL-Trainer Klobedanz ist von der Chancenverwertung seiner Mannschaft überhaupt nicht begeistert und erfreut uns ein ums andere Mal mit herrlichen Ausrastern. In der zweiten Halbzeit läuft es zumindest ein wenig besser und Altona 93 scheint sich gefangen zu haben. Das 3:1 durch Jurkschat (direkt verwandelter Freistoß) verschafft dann etwas Sicherheit. Am Ende bleibt aus Altonaer Sicht ein schmeichelhafter 3:2-Auswärtssieg.

4624615400_996ea6b71bKommen wir mal lieber zum Catering zurück. Die bereits erwähnte Bude ist die einzige ihrer Art auf dem Platz und muss daher für die Versorgung aller Anwesenden herhalten. Laut Aushang und Werbeschild gibt es Jever und Einbecker im 0,4l- Becher für 2,00 Euro im Angebot. Das ist eindeutig ein guter Preis, und auch die Bierauswahl gefällt zumindest mir persönlich. Einbecker bekommt man in Hamburg nicht alle Tage. Wir sind dann etwas verwundert, als wir auf Anfrage König Pilsener ausgeschenkt bekommen.  Das Köpi kommt im 0,3l-Becher daher und kostet 1,50 Euro. Später sehen wir dann auch 0,5l-Becher für 2,50 Euro. Man könnte die Informationslage optimieren und die Kreideschilder einmal aktuell beschriften! Ich entscheide mich dann für einen 0,2l-Becher Fanta für 1,00 Euro. Zum Ende der zweiten Halbzeit werden dann zwei Thüringer zu je 2,00 Euro bestellt. Die Würste stammen von Salzbrenner und werden mit trocken Toastbrot gereicht. Nichts Neues also im Westen. Zubereitet werden die Würste auf einem Gasgrill und leider nicht auf Holzkohle. Dann der Schock: Thüringer sind aus! Das ist natürlich fatal. Auch kurz vor bzw. nach Spielende sollte das gesamte Angebot noch verfügbar sein. Auch beim Bier gibt es Engpässe: Das Fass ist leer! Nun muss auf Flaschenbier umgestellt werden. Servietten sind auch nicht (mehr?) da, sodass mit halb durchnässtem Küchenpapier hantiert werden muss. Als Ersatz für die Thüringer werden uns zwei Krakauer für jeweils 2,50 Euro angeboten. Senf aus der Kühne-Flasche wird auf die Wurstpappe gedrückt. Die Krakauer werden nach Erhalt in den sicheren Schutz der Stehplatztribüne überführt, um sie in aller Ruhe untersuchen zu können.

4624018951_53382ff941Dann eine weitere Überraschung: Ein Blick auf die abgebissene Wurst offenbart, dass es sich nicht um eine Krakauer handelt. Vielmehr wurde Käse in das Wurstbrät gemengt, sodass wir es mit einem Käsekrainer zu tun haben. Aufgrund der optischen Ähnlichkeit werden Käsekrainer vom Österreicher auch als ‘Eitrige’ bezeichnet. Ich gebe zu, dass die Wurst trotzdem ganz gut schmeckt. Aber Käse hat in meiner Wurst trotzdem nichts verloren, zumal ungebeten. Die durchwachsene Verpflegungssituation im Stadion an der Flurstraße macht eine Bewertung nicht einfach. Jever und Einbecker wurden im 0,4l-Becher angeboten, dafür Köpi in 0,3l- und 0,5l-Gemäßen ausgegeben. Die Getränkepreise waren sehr human. Anstatt der Bratwurst gab es für mich bloß noch Krakauer, die sich am Ende als (gut gegrillte) Käsekrainer entpuppte. Aufgrund der netten Sportanlage und der gemütlichen Bierbänke vergebe ich noch 2,5 Sterne für die Luruper Wurst. In Lurup herrscht wirklich eine nette Fußballatmosphäre, sodass ich gerne mal wieder vorbeischaue. Unter Umständen dann in der Landesliga.

(2.5/5)

Links:

SV Lurup Hamburg

Altona 93

Banner, um uns beim Grimme-Online-Award-Publikumspreis zu unterstützen

Autor: M.Turski
Datum: Donnerstag, 20. Mai 2010 18:50 | Dieser Artikel wurde 1,655mal gelesen
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Hamburg, SV Lurup Hamburg

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Bratwursttests, die diesem Artikel inhaltlich ähnlich sind:

Kommentar abgeben