Der Langzeitwursttest beim SC Sperber

sc sperber

Was lange währt, wird endlich gut. Oder zumindest nicht schlechter. Vor über sechs Wochen waren wir beim SC Sperber in Alsterdorf zum Spiel gegen Süderelbe. Vor zwei Wochen waren wir dann ein zweites Mal dort, diesmal zum Nachholspiel gegen SV Blankenese. Zwei Dienstagsspiele nach Feierabend. Diese Spiele unter der Woche haben zwar den Nachteil, dass man in der Regel direkt aus dem Büro kommend aussieht wie ein Möchtegernfuktionär, der im Auftrag der lokalen Konkurrenz versucht mit Tankgutscheinen oder so den Topspielern der Heimmannschaft Wechselgedanken einzuimpfen. So oder so ähnlich argwöhnisch sind die Blicke, die einem vom Kassenhäuschen bis zur Haupttribüne entgegenblitzen. Beim SC Sperber ist das allerdings trotz Innenstadtklamotte nicht so schlimm (ich vermute das liegt an den zur Anlage gehörenden Tennisplätzen). Und selbst wenn, die Vorteile überwiegen eindeutig: Erstens kommt man pünktlich aus dem Büro und hat zum Feierabend frische Luft. Das ist an manchen Tagen sicher besser als der Mief in den Kneipen oder Fitnessstudios (je nach Neigung bzw. Tagesform). Zweitens ist es dank der stromsparenden Ansetzungen um 18:00 bzw. 18:30 Uhr möglich, an einem schnöden Dienstag Europapokal und Landesliga zu kombinieren. Drittens kann man bei der Wahl der richtigen Sportanlage günstig an ein hervorragendes Abendessen kommen. Denn was ist besser als eine gut gegrillte Wurst mit einem kalten Bier dazu?

Nachdem beide Spiele schon so lange her sind verbietet sich eigentlich eine ausführliche Spielberichterstattung. Nicht weil es nicht lohnt darüber zu schreiben. Im Gegenteil: Wir haben zwei schöne Spiele gesehen, deren Ergebnisse hier auch nicht unterschlagen werden sollen: Gegen Süderelbe sahen wir einen knappen, aber insgesamt verdienten, 2:1-Sieg unserer Gastgeber, dessen Spielverlauf durch die Gästeführung nach ca. 30 Minuten zu unterhalten wusste. Das Spiel gegen Blankenese ist vor allem für die Gäste von der Elbe von besonderer Bedeutung. Durch eine taktische Glanzleistung und ein schönes Freistoßtor siegte sich die Frtisch-Elf an diesem Tag zum vorzeitigen Klassenerhalt. fussballwurst.de gratuliert an dieser Stelle noch mal ganz förmlich. Da die Spiele nun aber auch schon ein paar oder auch ein paar mehr Tage her sind, beschränke ich mich an dieser Stelle auf ein kurzes Fazit zu den sportlichen Darbietungen: Für 4 Euro Eintritt (pro Spiel) bekommt man guten, soliden Landesligafußball geboten. Und das in einem sehr netten Rahmen.

IMG_0717Die Anlage vom SC Sperber liegt direkt an der U-Bahn Haltestelle Alsterdorf unweit der Sporthalle, die den Freunden von Musik und Hallenfussball bestens bekannt sein sollte (bei Konzertbesuchen einfach mal in den Terminkalender der LL Hammonia blättern, vielleicht lassen sich Konzert und Fussball ja verbinden – passt sehr gut finde ich). Der Platz liegt so nah an der Bahn, dass man im Winter mit einer Bahnsteigkarte und einem Kaffee im Pappbecher die günstigen Preise im Stadion sicher noch unterbieten könnte. Wir können jedoch nicht nur aus sportlichen Gründen nur dazu raten, sich das Stadion auch von innen anzusehen. Während der Platz hinter den Toren zwischen Bäume und einen Parkplatz gequetscht ist, finden sich an den Geraden zwei sehr schöne Tribünenvarianten, die ich selten in Kombination gesehen habe. Auf der einen Seite befindet sich eine alte überdachte Sitzplatztribüne mit durchgehenden Holzbänken und Wellblechwindschutz, die man anständigerweise ohne Aufpreis benutzen darf. Sie ist nicht so schön wie auf der AJK oder im Marienthal, aber verbreitet auch hier einen einzigartigen morbiden Charme, den es nur im Amateurfußball gibt. Leider sieht man diese altehrwürdigen Bauwerke selten gut gefüllt, das muss toll klingen. Gegenüber findet man den  Gegenentwurf, den ich eher von ländlichen Sportplätzen kenne. Ein schöner Naturwall. Ob es sich hier tatsächlich um einen natürlichen Wall handelt sei vor dem Hintergrund der nur wenige Meter entfernten Bahnstrecke mal dahingestellt. Auf jeden Fall ist er tribünentauglich, unüberdacht und es wächst mehr Gras als auf der gegenüberliegenden Seite. So eine Naturtribüne, insbesondere die beim SC Sperber, ist bei schönem Wetter sicher die beste Form Fussball zu gucken, sogar mit der ganzen Familie: Wer sich nicht fürs Spiel interessiert (soll ja bei Frauen ab und zu vorkommen) sitzt immer noch im Gras in der Sonne. Und eventuell vorhandene Kinder können sich, das weiß ich aus eigener Erfahrung als Kind, 90 Minuten und mehr damit beschäftigen, den Abhang runterzukugeln (mag sein dass das nur im hügelarmen Norddeutschland Kinder zu begeistern vermag). Wir haben also anständigen Sport in schöner Umgebung. Die Leute dort sind auch alle sehr nett. Bleibt die Königsfrage: Wie ist die Wurst?

IMG_0715Die Kurzform: Die Wurst ist lecker. Beim ersten und beim zweiten Mal gab es eine gut gegrillte Fabrikwurst mit individueller Bräunungsoption in nettem, aber nicht optimalem Rahmen. Die Details: Gegrillt wird mit guter Sicht auf einer alten Terrasse neben dem an den Sportplatz angrenzenden Restaurant über Holzkohle. Wer sich jetzt jedoch einen großen, nach Kohle duftenden Schwenkgrill vorstellt liegt leider falsch. Ein großer Grill ist zwar vorhanden (allerdings ohne erkennbare Schwenkfunktion), dieser wird aber während des Spiels nicht eingesetzt. Stattdessen wird ein kleiner, ja winziger, Grill befeuert, der über ein Geländer gehängt eher an den privaten Balkoneinsatz erinnert. Aber  Kohle ist Kohle, das gefällt natürlich! Nun mag der hungrige Wurstfreund bei der Größe des Grills Versorgungsengpässe befürchten. Diese Sorge ist allerdings unbegründet. Dank eines kuriosen Systems liegt immer ausreichend Grillgut zum Verzehr bereit. Ich denke das Geheimnis ist, dass der Grillprozess kurz vor Fertigstellung unterbrochen wird. Die fast fertige Wurst wird dann mit Hilfe von Schalen und Alufolie (naja!) für die Endveredelung zwischengelagert. Bei Bestellung wird dann nach nach Wunsch des Kunden zu Ende gebrutzelt und serviert. Senf und Brot stehen in großen Schalen mit dem Löffel (Senf) bzw. mit der Hand (Brot) zur Selbstbedienung bereit. Gewürzketchup von Aldi gibt aus der Tube dazu. Das Brot war an beiden Tagen eine bunte Mischung aus frischen Brötchenteilen und alten Baguettestückchen und wird großzügig verteilt: Nachschlag kein Problem – altes Brot mit Senf passt super zu Bier. Was uns zu den Getränken bringt. Es gibt Flens (lecker!) und Beck‘s (trink’ kein Bremer Bier!) gelagert und gekühlt in Plastikwannen mit Eiswürfeln. Alles andere gibt‘s auch, dafür muss man sich aber in das Restaurant begeben. Und da wir hier auch nicht über das Steak, das es drinnen gibt, schreiben zählt das eben nicht. Bei den Preisen wird’s wieder einfach: Ob Bier, Wurst oder die ebenfalls angebotene Frikadelle (auch probiert, auch lecker aber außer Konkurrenz): Alles kostet 2 Euro. Insgesamt wirkt das ganze doch arg improvisiert. Aber es funktioniert und die Leute sind sehr nett! Punktabzug gibt‘s für die Fabrikwurst, fehlende alkoholfreie Getränke und das affige Umfüllen von Flaschenbier in Plastikbecher (ein um sich greifender Trend – das muss aufhören!). Pluspunkte gibt’s ganz klar für die Kohle, die individuelle Bräunung und die nette, unkomplizierte Bedienung. Unterm Strich bleiben 3,5 Sterne.

(3.5/5)

Ob nach Feierabend, vor einem Konzert oder einfach mal so, die gute Verkehrsanbindung ist ganz sicher nicht der einzige Grund mal wieder zum SC Sperber zu gehen. Wir kommen gerne wieder.

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Autor: S.Beyer
Datum: Sonntag, 16. Mai 2010 18:08 | Dieser Artikel wurde 1,533mal gelesen
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