Liebesgrüße aus Pinneberg: Wursttest beim VfL

VfL-LogoMittwochabend ging es mit der S3 bis zur Endhaltestelle nördlich der Elbe bis nach Pinneberg, um das Schleswig-Holstein-Derby des lokalen Verein für Leibesübungen, kurz VfL, gegen den SV Rugenbargen zu sehen.  Für mich ging es von der S-Bahn-Haltestelle gut ausgeschildert durch ein kleines Wäldchen vorbei am Schwimmbad und der Wasserskianlage bis zum Stadion an der Fahltsweide. Beide Spielstätten sind über den Bus 295 miteinander verbunden, was auf reges Zuschauerinteresse hoffen ließ, zumal es sich auch noch um ein Spitzenspiel handelte.

RasenstufenDie Anlage gehört der Stadt und das Grün ist in einem sehr guten Zustand. Der Rasen wird leider von einer Aschenbahn umfasst. Auf der einen Seite befinden sich die überdachten Sitzplätze wohl wieder mal aus dem alten Volksparkstadion in einem Blechkasten und gegenüber dreireihig angeordnete Holzbänke. Vor den Holzbänken stehen die beiden Trainerbuden, welche aus Eternitplatten gebaut wurden. Die des heimischen VfL hat zudem größe  Löcher auf der Rückseite. Sehr gastfreundlich, wie ich finde, dass man das zugige Teil selbst bezieht. Das spielte jedoch am Nachspieltag keine Rolle, denn es war perfektes, sonniges Fußballwetter. Umfasst wird die Spielstätte von Bäumen, vor der sich achtreihige verwachsene Rasenstufen an drei Seiten befinden, die eher an ein antikes Monument im Machu Picchu erinnern als an ein Fußballstadion. Stopp: Der Erhaltungszustand der Rasenstufen am Weltkulturerbe in Peru ist zum Glück besser. Außerdem ist keine Lichtanlage am Rund vorzufinden. Insgesamt versprüht das Stadion bis auf den Rasen einen morbiden Charme.

Als Eintritt entrichtet man die in der Landesliga Hammonia üblichen 4 Euro an einer weiteren Blechbox und greift sich die sehr informative Stationzeitung kostenlos ab. Dort befinden sich rechts bis zur Blechtribüne sämtliche für ein Fußballspiel notwendigen Versorgungseinrichtungen. Verwirrt hat mich, dass man frischgezapftes Krombacher für 2 Euro im Plastikbecher aus einem Ratsherrenwagen ausschenkt. Dort gibt es auch US-amerikanische Limonade im kleinen Becher für 1 Euro.  Für die Entsorgung muss man die Spielstätte verlassen, denn die Toiletten befinden sich im Sportlerhaus.

WurstIn direkter Nachbarschaft zum Bierstand befindet sich der sehr kleine Grillwagen mit geschätzter Standfläche von maximal anderthalb Quadratmetern. Dort bedient ein Jugendlicher, vermutlich aus der C-Jugend, den Gasgrill, wo er über einem Rost die Bratwurst mit einer Holzzange wendet.  Man ist zwar nicht mehr in Hamburg, aber die Bratwurst kommt wieder aus der Industrie vom Großmetzger.  Der Prengel kommt mittel gegrillt beim Kunden an und ist für 2 Euro das Stück zu haben. Außerdem gibt es Schinkenwurst ebenfalls auf Pappe mit angebauter Klemme.  Zur Bratwurst gereicht werden wie immer Toastdreiecke, die frisch in der Hütte geschnitten werden und auf einem Beistelltisch neben der Bude in einer Schüssel griffbereit stehen. Dort befinden sich die verschieden Saucen zur Geschmacksregulierung des Industrieprengels. Es gab zwei Senfsorten auf die Bratwurst, oder wie der Hesse sagt: „Spottblatzbradwoschd“. Kühne-Senf mittelscharf aus der Tube, dann der Bautz’ner in der Quetscheflache und Ketchup. Das ist löblich und gibt einen halben Stern extra. Der Service ist sehr nett und die Wartezeit extrem kurzweilig, da man das rasante Spiel von beiden Ständen verfolgen kann.  Schriftliches zur Industriewurst gibt es nicht viel, nur soviel, dass sie im Gegensatz zur Verzehrten in Bramfeld noch das gewünschte Fett enthielt und somit saftig war. Ich vergebe an die Pinneberger VfL-Wurst wegen der zwei Senfsorten 3 Sterne. Super wäre noch, wenn es scharfen Senf gäbe.

(3/5)

Weiter geht’s  zur Blechkiste zwischen der Tribüne und Bratwurstwagen. In dem ausgebauten Container  wird der Verzehr abgeschlossen. So gibt es dort Kaffee für 1 Euro im großen Becher, diverse Kuchen ab 50 Cent und hausgemachte Fleischküchle für ebenfalls 50 Cent.  Dort gibt es auch halbe belegte Brötchen zu je einem Euro, die, hört, hört frisch auf Wunsch belegt werden. Zur Auswahl stehen Käse, Salami und Schinken. Die halben, frischen Brötchen werden mit Lätta bestrichen und nach Wunsch belegt. Auf dem Käsebrötchen landet zudem noch eine kleine Salzbrezel.  Auch noch dort am Tresen gibt es diverse Süßigkeiten und Salziges in einer Preisspanne von 10 bis 60 Cent. Außerdem ist Bier dort 50 Cent günstiger zu beziehen, da es nicht gezapft sondern aus der Flasche in dem Kunststoffbecher landet. Dort wurde ein frisches Mohnbrötchen zu 50 Cent für die zweite Wurst bezogen. Alles sehr nett und lieb in Pinneberg beim VfL. Der komplette Verkauf wird von der Abteilung ehrenamtlich betrieben und kommt der Mannschaft zu gute, der nach Spielschluss ein Essen für den Einsatz winkt.

Ja und Fußball wurde auch noch gespielt. Das Spiel war ein anständiger Kick mit vielen Torraumszenen, wobei die beiden extrem starken Torhüter immer gut reagierten und immer wieder Hundertprozentige entschärften, was das Spiel am Ende 2:2 ausgehen ließ. Es hätte auch ein 5:5 werden können. So ging es erst 1:1 in die Pause. In der zweiten Halbzeit ging der heimische VfL wieder durch das Geburtstagskind Eggers in Führung, welche die Rugenbargener später wieder egalisierten. Erwähnenswert ist noch ein Abseitspfiff des Schiris kurz vor Schluss, was der Pinneberger Stadionsprecher mit einem „Das ist doch eine Frechheit!“ über die Anlage kommentierte. Daraufhin unterbrach der Unparteiische das Spiel und ließ mit Schiriball die Partie nach langer Diskussion wieder anlaufen. Zudem „spionierte“ der Trainer von Tus Holstein die Pinneberger aus, da am Sonntag sein Tus hier in Pinneberg antrat. Das hat wohl recht gut getan, denn die Holsteiner aus Quickborn mit der ansprechenden Wurst gewannen das Spiel mit 3:1 in Pinneberg. Mit dem Trainer wurde sich unter anderem über die Etatunterschiede zwischen der Landesliga und der Oberliga ausgetauscht, wo wohl ein Verhältnis von 1 zu 3 besteht. Er merkte aber noch an, dass im Falle des VfL  Pinneberg wohl aber ein 1 zu 4 anzusetzen sei, da sie hier für „nen Appel und ein Ei spielen“! Der Zuschauerzuspruch war heute entäuschend und ich schätze, dass nicht mal 200 Leute dem Derby beiwohnten.

Über den Waldweg ging es dann zurück mit der S-Bahn gen Altona. Ich komme gerne wieder nach Pinneberg und bringe Badezeugs mit, um vor dem Spiel noch auf der Anlage Wasserski zu fahren oder eine Erfrischung im Schwimmbad zu suchen.

Links:

VfL Pinneberg

SV Rugenbergen

Spielbericht von Rugenbargen

Das ist schon jetzt oberligareif

Tipp: Ist zwar im Bezahlbereich und lässt sich nicht direkt anschauen, aber einfach mal die Überschrift bei Google suchen. Dann anklicken und schon lesbar ;-)

Autor: M.Dittmann
Datum: Montag, 10. Mai 2010 8:55 | Dieser Artikel wurde 1,982mal gelesen
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5 Kommentare

  1. 1

    Schöner Bericht – aber Fleischküchle??? Das musst Du übersetzen! Ich finde das Verhältnis aus Rasen- und Wurstbildern ist vollkommen angemessen – Rasen: Championsleague. Die Wurst sieht so kalt und blaß aus wie der Möchtegernwonnemonat …

  2. 2

    Dankeschön fürs Lob. Würde selbstredend auch gerne wieder mal was von dir lesen ;-)

    Nach dem ich die hessische Spottblatzbradwoschd eingebaut habe, musste natürlich auch noch das fränkische Fleischküchle folgen. Im bayrischen heißt das Fleischpflanzerl. Im Schriftdeutsch ist das eine Frikadelle.

    Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

  3. 3

    Im Schwäbische sinds au Fleischküchle …

  4. 4

    Schöner Bericht, aber es ist der SV RugenbErgen. Haben an dem Tag nur die selbstgemachten Frikadellen “getestet” :D siehe: http://www.calcio-culinaria.de/culi/index.php?option=com_content&view=article&id=153:vfl-pinneberg-vs-sv-rugenbergen&catid=41:berichte-2010&Itemid=70

    Lustig, dass dieser Kick sowohl Berichterstattung bekommt…

  5. 5

    [...] Endhaltestelle südlich der Elbe mit Zuschlag gen Stade. Nördlich der Elbe am S3-Ende spielt der VfL Pinneberg mit einer sehr netten Anlage. In Stade war das Qualifikationsspiel zur eingleisigen [...]

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