Die Grotenburg-Kampfwurst beim KFC Uerdingen

KFC Uerdingen 05Am letzten Aprilwochenende verschlug es mich in das schöne Krefeld, wo am Sonntagnachmittag selbstverständlich ein Besuch beim KFC Uerdingen nicht versäumt werden durfte. Dieser kickt zwar mittlerweile leider nur noch in der Niederrheinliga (6. Spielklasse), dennoch: War der KFC (Ex-Bayer Uerdingen) früher eher als graue Maus verschrien und die Grotenburg nicht gerade als Fussballmekka Deutschlands bekannt, so erfüllte mich die Aussicht auf diesen Spielbesuch in Zeiten der ach so modernen Fussballtempel in den Profiligen doch mit mancherlei Vorfreude. Und soviel sei vorab gesagt: Ich wurde nicht enttäuscht.

Die Grotenburg-Kampfbahn, die in ihrer jetzigen Form seit Mitte der 80er-Jahre besteht, versprüht einen spröden Charme und ließ mir insbesondere aufgrund der Kombination von Steh- und Sitzplätzen auf der Haupttribüne das Herz aufgehen. Das findet man heute wirklich nur noch selten (Bieberer Berg, Millerntor). Der KFC, der im letzten Jahrzehnt doch einen recht beispiellosen sportlichen Abstieg und so manches Insolvenzproblem zu verkraften hatte, spielt im oberen Drittel der Liga und empfing heute den SV Hönnepel-Niedermörmter. Was für ein geiler Name!

Von Beginn an entwickelte sich ein flottes Offensivspiel mit Chancen hüben wie drüben. Es dauerte allerdings über dreißig Minuten, bis der KFC schließlich in Führung ging. Der postwendende Ausgleich der Gäste wurde wiederum direkt vor der Pause durch eine sehenswerte Offensivkombination mit der erneuten Führung der Uerdinger gekontert. Untermalt wurde das Ganze von einem gut aufgelegten Uerdinger Ultrablock, der immer wieder durch Klatscheinlagen der restlichen Stadionbesucher unterstützt wurde. In der zwoten Hälfte dann drehte Uerdingen richtig auf, drängte die Gäste in die eigene Hälfte und schloss nahezu jeden Angriff ordentlich ab, wobei auch so manches Gestochere zu einem Treffer führte. Endstand ist ein unglaubliches 6:1! Ailton wurde übrigens nicht eingewechselt, sondern durfte nur an der Torauslinie beim Warmmachen bewundert werden. Im Nachhinein vielleicht ganz gut so!?

4577781815_1a1f197638Beste Unterhaltungsnoten verdiente sich dazu eines der bekanntesten Maskottchen Deutschlands, der sagenumwobene Grotifant! Neben Plaudereien mit Zaungästen und skurrilen Animationseinlagen stellte dieser unter Beweis, dass er offenbar immer noch ein kleines Temperamentproblem hat. (Zitat eines Gästespielers aus Bundesligazeiten, nachdem dieser einen Uerdinger gefoult hatte und in der Folge vom Grotifant angegriffen wurde: „Auf einmal hörte ich nur noch ein Schnauben hinter mir, …”) Diesmal unterstellte der flauschige Dickhäuter einem sich an der Seitenlinie krümmenden Spieler gestenreich-bedrohlich eine Schauspieleinlage und setzte sich munter mit dessen Mannschaftskameraden auseinander. Leider hatte sich besagter Spieler aber offenbar wohl doch recht übel verletzt und wurde ausgewechselt. Der Grotifant musste auf Weisung des Schiris den Innenraum verlassen, bzw. sich zumindest hinter die Bande zurückziehen.

Sieben Tore, tolles Stadion, nette Stimmung, Nebenkriegsschauplätze, dazu Sonnenschein bei über 25° C. Fussballherz, was willst du mehr? Na klar, eine gute Bratwurst!

WurstDiese wurde sich bereits zu Beginn der Veranstaltung besorgt und verdient sich ebenso gute Noten, wie das Gesamterlebnis. Gegrillt wird mit Kohle auf drei großen Schwenkgrills (Bilder anschauen!). Die Wurst wird im aufgeschnittenen Brötchen zum Preis von 2,50 Euro serviert. Senf und Ketchup stehen in der kopfüberhängenden Flasche mit Spritzdrüse (nennt man das so?) bereit. Die Wurst kommt vom lokalen Schlachter und das merkt man auch. Eine recht grobe, nicht allzu deftig gewürzte Wurst mit ordentlicher Länge und Dicke, deren Pelle mehr Biss verlangt, als man es in Hamburg so kennt. Gegrillt vor allem zweiseitig, aber dennoch gut durch und mit deutlich hervortretenden Brandmerkmalen. Alles in allem richtig gut! Kleiner Wehrmutstropfen ist das etwas zu trockene und daher krümelige Brötchen. Aber immerhin gibt es Brötchen und nicht Toastbrot! Insgesamt weiß das Catering vom Angebot her zu überzeugen, denn neben der Bratwurst gibt es Currywurst für 2,50 Euro, Pommes für 1,50 Euro, div. Süßigkeiten und eine Theke, wo selbstgemachte Kuchen- und Gebäckleckereien verkauft werden. Highlight ist sicher die Obsttorte mit dem Uerdinger Wappen in der Mitte. Das 0,3er Bier wird zu 2,00 Euro im Pfandbecher gereicht, Softdrinks kosten dasselbe. Darf man der Ausschankbemalung glauben, handelt es sich bei dem Bier um Warsteiner.

So, für die gute Wurst, unter leichtem Eindruck des Gesamterlebnisses und des sonstigen Cateringangebotes, vergebe ich vier von fünf Punkten und bin froh, beim vierten Test endlich mal ein richtiges Lob aussprechen zu können. Zur vollen Punktzahl fehlten lediglich ein etwas frischeres Brötchen und ein ganz bisschen Eigengeschmack der Wurst.

(4/5)

Ein Besuch in der Grotenburg ist demnach nahezu uneingeschränkt zu empfehlen. Stadt, Stadion, Fans, Grotifant und nicht zuletzt Wurst haben auf jeden Fall mehr verdient als einen Sechstligisten. Ailton, soviel sei noch gesagt, hat übrigens nur ein paar Tage später seinen ersten KFC-Treffer erzielt. Dennoch verlor der KFC 2:3 und muss die nach dem o.g. Spiel auflebenden Aufstiegshoffnungen nun wieder begraben.

Links:

KFC Uerdingen 05

SV Hönnepel Niedermörmter

Autor: M.Buschmann
Datum: Mittwoch, 5. Mai 2010 17:00 | Dieser Artikel wurde 5,264mal gelesen
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9 Kommentare

  1. 1

    Hammergeiler Bericht. Ich musste eben ein paar mal laut lachen. Der KFC Uerdingen ist selbst mir als Kölner ans Herz gewachsen. Und jetzt nach Deinen Bericht ist ganz klar – ich muss die Grotenburgkampfbahn besuchen. SO muss Fußball aussehen. Besonders geil die Torte mit dem Logo und der Grotifant. Dein Bericht bekommt auf alle Fälle 5 von 5 Punkten! :)

  2. 2

    Am besten gefällt mir der Grotifant, ziemlich cooler Typ! Auch erfreulich, dass dort eine korrekte Wurst gegrillt wird. Aber in einem Punkt musst Du Dich geirrt haben: Ailton hat doch gestern für Barmbek-Uhlenhorst gespielt! :)

  3. 3

    Wunderbarer Bericht, danke dafür! Bayer 05 Uerdingen – ne tolle Adresse im deutschen Profifussball. Haben da nicht sogar die Laudrup´s das Fussballspielen gelernt? Vielleicht klappt es ja noch mit dem Aufstieg in die 5. Liga. Ailton mache bumm!!

  4. 4

    Vor Jahren sah das mit der Wurst in Uerdingen noch sehr viel düsterer aus. Antwort der Sanitäter auf meine Frage “ihr seid wegen der Wurst hier, oder?”:
    “Eigentlich nicht, aber Du bist nicht der Erste, der das fragt”.

    Jaja, früher war eben doch alles besser…

  5. 5

    [...] [...]

  6. 6

    Schöner Bericht, vielen Dank! Ist immer wieder schön, wenn man als Uerdinger daran erinnert wird, was für ein netter kleiner Verein wir doch sind und dass nicht alles scheiße ist hier.

  7. 7

    Ja, bin auch ganz begeistert, dass dieser Bericht unser Blog bereichert.
    Der Grotifant ist offenbar der Zinedine Zidane unter den Maskottchen. Eigentlich total genial, wenn er doch auch nur sein Temperament im Griff hätte…
    Und noch aus der Korrekturecke: Am Millerntor gibt’s Stehplätze nur in den Kurven und der Gegengeraden. Glaube das bleibt auch nach dem Tribünenneubau so.

  8. 8

    Moin und danke für die lieben Kommentare!

    Hm, in der Gegengerade gibt es doch über den Stehplätzen noch Sitzplätze und es handelt sich um eine Seitentribüne. Auf diese Seltenheit wollte ich hinaus :-)

  9. 9

    [...] Deshalb hat sich der legendäre Bratwursttester für fussballwurst.de diesmal auf eine atemberaubende Expedition in die 6. (sechste!) Liga begeben. Doch dieser Wagemut sollte belohnt werden mit einem Schützenfest; und auch die Wurst war mindestens viertklassig! Alles über das Spiel, die Wurst und alles über den ungleichen Kampf der Maskottchen Ailton gegen den Grotifanten lest Ihr hier. [...]

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