Paloma-Heimspielwurst bei Victoria Hamburg

VictoriaAuch wenn es an der Hoheluft für Victoria Hamburg das 24. und für den USC Paloma das 26. Spiel in der Hamburgliga in dieser Saison war, zählte man am Freitag, den 16.4., bereits den 29. Spieltag. Die Nachwirkungen des Winters sorgen also für eine nach wie vor stark zerklüftete Tabelle, die aber dennoch zwei Dinge über die beobachteten Vereine verrät. Victoria kann zwar noch nicht die Meisterschaft feiern, ist aber auf einem sehr guten Weg den Titel zu verteidigen, trotz etwas schwächerer Auftritte im Kalenderjahr 2010. Die Tauben können dagegen dank einer besonders starken Phase seit dem Jahreswechsel frühzeitig mit einem weiteren Jahr in Hamburgs höchster Spielklasse planen. Es versprach also ein interessantes Spiel zu werden und dazu eine gute Gelegenheit endlich einmal die Bratwurst des Hamburger Serienmeisters einer Bewertung zu unterziehen.

Da die Bratwurstbude erst unmittelbar vor dem Anpfiff geöffnet wurde, galt es sich zunächst einmal mit dem Bier im Mehrweg-Plastikbecher (RatsherrUSC Ultrasn, 0,5l für 3,50 Euro) und dem von Anfang an interessanten Spiel zu befassen. Die Gästemannschaft legte dabei zunächst ebenso furios los wie die kleine Gruppe USC-Ultras, die ihr Team von Anfang an durchgehend lautstark unterstützen und dabei die etablierteren Heimfans vom Fanclub Nordkaos klar und deutlich in den Schatten stellten. Dies verlieh – Vorsicht Wortspielalarm! – den Tauben förmlich Flügel und nach vier Minuten lag Victoria bereits zurück. Auch in der Folge blieb Paloma zunächst das aktivere Team mit den besseren Chancen. Erst zum Ende der Halbzeit hin konnte Victoria aus dem sich langsam ergebenden optischen Übergewicht auch einige Chancen kreieren, von denen immerhin eine nach einer guten halben Stunde auch den Weg ins Tor fand. Mit einem verdienten 1:1 ging es so in die Pause. Nach der Pause wollte Vicki es dann aber wissen und erzielte schnell den 2:1-Führungstreffer und kurz darauf auch noch das 3:1. Nur dem sehr guten Gästekeeper Dröge und eOswaldoiner zunehmend schlampigen Chancenverwertung des Meisters war es zu verdanken, dass Paloma zu diesem Zeitpunkt nicht höher und aussichtsloser zurücklag. Lediglich auf den Rängen blieben die Verhältnisse die selben wie zu Beginn. Die USC-Fans sangen non-stop. Das Nordkaos wirkte dadurch weiterhin irritiert und schloss sich lediglich einige Male den Sprechchören der Palomaunterstützer an. Vielleicht gab das Paloma ja noch einmal einen entscheidenen Impuls, um sich zurück ins Spiel zu kämpfen. Gerade bei Standards war der USC immer gefährlich und mit dem Anschlusstreffer zum 3:2, der allerdings aus dem Spiel heraus fiel, wurde es tatsächlich noch einmal ein wenig spannend. Vergeblich wurde dann noch versucht, gemeinsam mit den Palomafans, die Einwechslung des peruanischen Offensivmanns Carrion de Gaona zu fordern. Trainer Hüllmann ließ sich jedoch davon nicht beeinflussen und so brachte Vicki den Vorsprung letztlich doch recht souverän über die verbleibende Zeit. Ein wirklich gutes, unterhaltsames und auch akkustisch interessantes Oberligaspiel unter Flutlicht also.

Unterbrochen wurde dieses dann endlich, endlich mit dem Bratwurstkauf in der Halbzeitpause. Bei der freundlichen Verkäuferin wurden zwei auf Gas gegrillte Holsteiner Bratwürste für 2,20 Euro bestellt. Diese wurden nicht – wie bei einigen der vorangegangenen Tests – vom Bratwurstberg genommen. Stattdessen nahm sich die Grillmeisterin die Zeit, bis unsere Würste wirklich durch waren. In volleren Stadien im Profifußball vielleicht nicht praktizierbar, zu einem Oberligaspiel aber durchaus passend, sich auch für den Bratwurstkauf ein bisschen Zeit nehmen zu müssen und nicht zu hetzen. An der Wurst fiel mehreres Wurstauf. 1. Sie war NICHT von Salzbrenner sondern von der Firma Stockhausen. 2. Bräunungs- und Erhitzungsgrad waren nahe am Optimum, auch optisch wirkte sie positiv. 3. Sie war unglaublich fett, so dass sich die Wurstpappe bis zur Rückkehr auf unseren Stehplatz schon komplett mit Fett vollgesogen hatte. Die einem Korb entnehmbaren Brotstücke wirkten recht klein. Das Brot war jedoch sehr frisch und lecker. Senf gab’s aus einem sehr großen und gut zu bedienenden Druckspender. Wurst und Senf sorgten nun nicht direkt für den Eindruck von Orgien im Mund, waren jedoch vollkommen OK. Nach Abwägen all dieser Vor- und Nachteile entschließe ich mich daher, der Victoriawurst ganz knapp überdurchschnittliche 3 von 5 Sternen zu geben. Vermutlich aus Begeisterung darüber, dass noch jemand dem Nahezu-Monopolisten auf dem Hamburger Wurstmarkt trotzt. So zeigt sich also nicht nur in der Fußball-Oberligatabelle sondern auch in unserem Bratwurstranking ein noch größerer Abstand zwischen Vicki und dem AFC als uns 93-Sympathisanten lieb sein kann.

(3/5)

Vernünftig versorgt ließen wir schließlich Palomas “Heimspiel” an der Hohenluft in der Victoria-Klause im Inneren der berühmten, alten Holztribüne ausklingen.

Links:

SC Victoria

USC Paloma

Spielbericht bei Hafo

Autor: T.Weber
Datum: Freitag, 30. April 2010 17:03 | Dieser Artikel wurde 1,987mal gelesen
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4 Kommentare

  1. 1

    Moin,

    gestern war ich beim Nachholspiel des 3. Spieltages der Oberliga Hamburg vor Ort. Erneut trat Vicky gegen den USC Paloma an – und für mich wurde es Zeit, die Krakauer-Wurst für 2,70 € auszuprobieren. Auf dem Gebiet der Krakauer, so meine ich, macht mir keiner was vor. Lange Rede, kurzer Sinn: Hellauf begesitert, war ich nach dem Verzehr der Wurst! Auch hier wurde eine nahezu optimale Bräune erreicht, die Wurst war sowas von al dente und knackfrisch, erzeugte beim Abbeißen herrliche Geräusche, als hätte man sich eine Handvoll Wald- und Wiesenkäfer in den Mund gesteckt. Besonderes Gadget am Wurststand: Röstzwiebeln, die dort zur Selbstbedieung angeboten werden, runden das Wurstvergnügen ab.

    Ein Bier dazu trank ich auch, es war würzig und recht herb. Ich bekam es serviert in einem Ratsherrn-Becher. Kann mir allerdings nicht vorstellen, dass dieses Bier noch gebraut wird. Ich meine darüber mal etwas gelesen zu haben, dass das Ratsherrn Pilsener nicht mehr hergestellt würde. Wenn doch, das wäre toll: Bin ich doch mit einem Ratsherrn-Vertreter in der Nachbarschaft aufgewachsen und zieren noch heute Ratsherrn-Pilsgläser meine Gläserregale.

    Nebenbei bemerkt: Das Spiel endete 1:0. War aber alles in allem flott und skurril. Vergebene Torchancen en masse, Platzweis, Tätlichkeit des Heimtrainers. Etc. pp.

  2. 2

    Danke für den ausführlichen Kommentar!

    Zum Thema Ratsherrn:
    http://www.abendblatt.de/hamburg/article1599092/Ratsherrn-das-Comeback-einer-Biermarke.html

    http://archiv.mopo.de/archiv/2010/20100826/hamburg/panorama/ein_ratsherr_fuer_die_schanze.html

  3. 3

    ich denke da sind wir dabei, oder? :)

  4. 4

    Oh, danke! Ratsherrn ist tatsächlich zurück! Was für eine Feierstunde! Und das im großen Stil, mit Abfüllanlage (demnächst) im Schanzenviertel, vom Layout früherer Tage ist nicht viel übrig geblieben, aber geschmacklich immer noch ganz vorne mit dabei. Und Victoria Hamburg: Ratsherrn-Partner der ersten Stunde. Wie kann sich da ein Klub sympathischer machen?

    Danke für die Informationen!

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