Europa-League Viertelfinale mit dem HSV – „Fussballwurst“ bei Standard Lüttich

Standard LüttichAm 08.04.2010 war es soweit und nachdem ich bereits in den „Genuss“ kam, die Eindhovener Wurst der EL-Zwischenrund zu testen, bereitete der HSV die Gelegenheit im Viertelfinale in Lüttich vorbeizutesten. Im Achtelfinale zitterte sich der HSV im furiosen Rückspiel (3:4) gegen den Lütticher Ligakonkurrenten RSC Anderlecht weiter. Großer Kampf meinen die Einen, Abwehr-Krampf die Anderen. Standard Lüttich dagegen konnte bisher als eine Art Überraschungsmannschaft der diesjährigen Europacup-Saison herhalten. Nachdem in der Gruppenphase durch einen schier unglaublichen Ausgleich in der Nachspielzeit durch Torwart Sinan Bolat gegen den AZ Alkmaar die Zwischenrunde in der Europa League erreicht wurde, konnte dort zunächst die zuvor ungeschlagene Retortentruppe von RB Salzburg und sodann mit zwei Siegen der soeben frisch gekürte griechische Meister Panathinaikos ausgeschaltet werden. Umso überraschender, dass der amtierende belgische Meister in dieser Saison nur eine unbedeutende Rolle spielt. Einer der ersten sechs Plätze, welche in Belgien zu den Meisterschafts-Playoffs berechtigen, wurde verpasst und im Moment versucht sich Standard in einer anderen Playoff-Runde das Recht zu erspielen, gegen den Vierten der Meisterschafts-Playoffs in einem Spiel um ein Europa-League Ticket antreten zu dürfen,. Währenddessen müssen die letzten beiden der Meisterschafts-Playoffs leer ausgehen, selbst falls diese zuvor in der Liga erster und zweiter gewesen wären. Die spinnen, die Belgier!

An die 2000 HSVer beschlossen, ihren Verein an diesem Donnerstag per organisierter Bustour oder privat zu begleiten. Die Hinfahrt in einem der Busse des HSV-Supporters-Club nahm inkl. großzügiger Pausen gute acht bis neun Stunden in Beschlag. Abgesetzt wurde man inmitten der Lütticher Innenstadt, wo noch so manches Getränk und Plauderei genossen werden konnten. Die Lütticher, zumindest jene auf die ich traf, erwiesen sich als äußerst freundlich und es herrschte eine angenehme Atmosphäre. Zuvor hatte man durchaus anderslautende Befürchtungen über die Standardfans zu hören bekommen. Aus einem extra für die Hamburger abgesperrten Bereich wurde man zeitig per Busshuttle zum Stadion gekarrt.

Im Innenbereich habe ich mir sodann noch vor Spielbeginn die Wurst schmecken lassen und muss die neugierigen Blogbesucher leider enttäuschen, denn ich weigere mich über diese „Wurst“ ausführliche Zeilen zu schreiben. Die Eindhovener Bratwurst war zwar nicht gut, aber immerhin eine Bratwurst. WurstHier in Lüttich dagegen bekam man eine Art Hotdog mit erwärmtem Fleischschwengel. Weder Zubereitung noch genaue Art der Wurst ließen sich erkennen, da, wie hier unten offenbar üblich, das ganze Esspaket bereits in der warmen Theke bereitlag. Ich möchte mich hier auch nicht auf § 2 (1) der Vereinssatzung berufen, denn diesen Hotdog als kulinarische Spezialität des belgischen Kulturkreises zu bezeichnen wäre doch sehr gewagt. In Verbindung mit meinem Eindhoven-Test kann ich nur vermuten, dass in Fussball-Benelux auf der höheren Ebene schlichtweg kein Wert auf ein gutes Catering gelegt wird oder aber man dort ein komplett anderes Verständnis davon hat, was zu einem Fussballabend dazu gehört. Na, wie auch immer: In einem luftig-pappigen länglichen Brötchen wurde eine recht rötlich anmutende, gekochte (?) Wurst gereicht. Röstzwiebeln gabs oben drauf. Diese waren zwar ziemlich schwarz, aber seltsamerweise nicht besonders kross, sondern eher „glibberig“. Immerhin konnte man das Ganze nach eigenem Gutdünken mit Senf, Ketchup oder Remulade garnieren. Das Gesamtgeschmackserlebnis war, insbesondere ob der vielen Soßen, nicht ganz so übel wie der optische Eindruck. Mit den 3,50 Euro muss man konstatieren, bezahlt man eher die vielen stärkenden Kalorien, als den Genuss. Bier gab es natürlich nur Alkoholfrei, Softgetränke dagegen im 0,4l-Becher, beispielsweise die Cola für 3 Euro. Geben kann ich für das Cateringpaket leider nur einen Punkt. Den gibt’s vor allem für die Sättigung, die der belgische Hotdog manch kurzer, dünner Wurst auf Amateurplätzen dann doch voraushat und der Tatsache, dass man noch so manche Stunde später was von der Leckerei hatte. Aufstoßen verboten!

(1/5)

Das Spiel selbst ist schnell erzählt: Der HSV schaffte es nach vielen lustlosen Auftritten endlich mal wieder, ein fast komplett souveränes Spiel aufzuziehen und geriet, nicht zuletzt durch den Traumtreffer (Fallrückzieher) von Petric postwendend nach dem Lütticher Ausgleich, nie groß in die Verlegenheit um das Weiterkommen bangen zu müssen. Weniger als die Lütticher Mannschaft verdienten sich deren Fans und das Stadion Komplimente. Ein tolles, enges und steiles Stadion mit einer Superakkustik. Ich hoffe, meine Fotos können das einigermaßen rüberbringen. Wehrmutsropfen hierbei sind sicherlich die Feuerzeug- und Becherwürfe auf einen der Linienrichter. Auch der HSV-Anhang verdiente sich gute Noten und supportete laut und durchgängig. Zu erwähnen hierbei sicherlich, dass auch das mittlerweile obligatorische Zündeln der HSVer bei europäischen Auswärtsspielen seinen Platz fand. Meine persönlichen „Fakten“ hierzu: 1. Das ganze sieht super aus. 2. Man gefährdet die eigene Gesundheit und die der Umstehenden. 3. Der Verein wird dafür eine Geldstrafe zahlen müssen. Möge sich daraus jeder selbst seine Meinung zur Pyromanie in den Fanszenen basteln…

Nach dem Feiern der Mannschaft ging es postwendend zurück gen Hamburg, welches am frühen Freitagmorgen erreicht wurde. Immerhin, die U-Bahnen fuhren bereits wieder… Fazit: Belgien immer gerne wieder, Fussballwurst jedoch never!

Autor: M.Buschmann
Datum: Donnerstag, 22. April 2010 9:11 | Dieser Artikel wurde 1,737mal gelesen
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7 Kommentare

  1. 1

    Ganz übel. In der letzten NEON meine ich wurde die Empfehlung ausgesprochen, bei Pommes jede Sauce abzulehnen, sofern es sich nicht um Mayo oder Ketchup handelt. Das kam mir als erstes in den Sinn, als ich das bild sah. Aber anscheinend handelt es sich ja nicht um eine suspekte Sauce, sondern um Zwiebeln. Immerhin, sonst wäre das Ding wohl völlig ungenießbar gewesen.

  2. 2

    Jep, das dunkle sind tatsächlich die “Zwiebeln” die in irgendeiner Lütticher Spezialtunke eingelegt waren… Naja, Geschmäcker sind halt verschieden, insbesondere die Belgischen.

    Wer das Wortspiel im letzten Satz entdeckt bekommt heute beim ETV ein Bier ausgegeben.

  3. 3

    Kannst Du das mit dem Wortspiel auflösen?

  4. 4

    [...] hält. Dass auch eine “Standard”-Wurst durchaus ungewöhnlich sein kann, weiß Martin hier zu [...]

  5. 5

    “verschieden” kann in dem satz auch als Verb herhalten, nicht nur als Adjektiv ;-)

  6. 6

    du hättest schon sagen können, dass sich das auf den letzten satz deines kommentars bezieht :) jetzt erstmal flott nen 5er in die schlechtewortspielkasse des vereins!

  7. 7

    Uh, das finde ich traurig. Die Pommes mit Sauce Andaluz (?) waren ein absolutes Stadioncateringhighlight für mich. Nach Belgien fährt man halt wegen der Pommes und nicht wegen der Wurst…

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