Im Inönü Stadyumu bei Beşiktaş Istanbul

Besiktas Logofussballwurst.de mal wieder unterwegs im fußballeuropäischen Ausland. Nach Schottland, Spanien und den Niederlanden diesmal mit einem Bericht aus der Türkei. Eine türkisch-deutsche Hochzeit führte mich Anfang April nach Istanbul, in die Stadt auf zwei Kontinenten. Ein Studium des Spielplans der türkischen Süper Lig ergab, dass auch der Besuch eines der Heimspiele der gegenwärtig fünf Istanbuler Erstligavereine in den Zeitplan passen sollte. So machten wir uns am Samstag abend zu dritt in Richtung des sehr zentral gelegenen Inönü-Stadions von Beşiktaş Istanbul auf. Wir starteten in Asien und mit Fähre und Straßenbahn ging’s in etwa einer halben Stunde über den Bosporus rüber nach Europa. Das Stadion liegt fast unmittelbar am Meer hinter dem Dolmabahçe-Palast, so dass man aus der Nordkurve der Heimfans eine fast schon postkartenartige Aussicht hat. Benannt ist das zuletzt 2004 renovierte Stadion (unter anderem wurde die Laufbahn entfernt und die Kapazität auf 32.000 Sitzplätze erweitert) nach Ismet Inönü, dem zweiten Präsidenten der türkischen Republik nach Atatürk. Der gastgebende Verein wurde 1903 als “Beşiktaş Jimnastik Kulübü” inoffiziell gegründet und die Fußabllmannschaft spielt seit 1947 im Inönü-Stadion. Ein geplanter Stadionneubau an selber Stelle konnte bislang noch nicht begonnen werden.

Zunächst galt es für uns jedoch noch Tickets zu erwerben. Die wurden uns auf der Straße vor dem Stadion auch gleich zum normalen Preis von 50 türkischen Lira (ziemlich genau 25 Euro) für Kurvensitzplätze angeboten. Etwas skeptisch folgten wir dem Händler zum Stadioneingang – offizielle Ticketverkaufsstände konnten aber nicht ausgemacht werden, weswegen wir schließlich Geld gegen Eintrittskarten tauschten. Der Einlass erfolgt elektronisch per Strichcode auf dem Ticket, wie etwa beim HSV. Ich konnte hinein – also schien wohl alles klarzugehen. Meine beiden Begleiter hinter mir konnten das Drehkreuz jedoch nicht passieren. Auch wenn die freundlichen Zuschauer den Ordner stark unter Druck setzten, die zwei doch einfach trotzdem reinzulassen, ließ dieser sich nicht erweichen. Also doch auf einen Nepp reingefallen… Nur erstaunlich, dass immerhin ein Ticket tatsächlich gültig war. Nicht gerade erfreut musste ich mir also alleine einen Platz in der Kurve suchen. Aber um das gleich vorwegzunehmen: Meine Begleiter konnten letztendlich doch noch das Spiel im Stadion verfolgen, nachdem sie ihren Fall einem Polizisten schilderten. Dieser nahm sie mit zu seinen ranghöheren Kollegen, von denen einer schließlich entschied, dass die beiden ruhig eingelassen werden sollen. So konnten wir das Spiel zwar nicht mehr zusammen verfolgen, da ich das alles erst nachher erfuhr. Aber immerhin entstand so niemandem von uns ein finanzieller Schaden. Wenn man lange genug auf die Leute einredet, lässt sich in diesem Land einiges bewegen, wie wir auf der Hochzeitsfeier am Vortag von den Einheimischen gelernt hatten. Sogar bei der Polizei rummeckern, dass die Schwarzmarkttickets nicht gültig sind… Zudem muss ich zugeben, dass ich ohne diese Story wohl nicht die nette Gruppe um Ali und seine beiden Kollegen kennengelernt hätte, mit denen ich das Spiel schließlich zusammen verfolgte und die mich ein bisschen über die Fans und die Teams informieren konnten.

Die Atmosphäre im ausverkauften Stadion der “Kara Kartallar” (der Schwarzen Adler) war sehr gut. Insgesamt über das ganze Spiel würde ich nicht sagen, dass sich die stimmungsvolleren deutschen Fanszenen davor verstecken müssten. Auffällige Unterschiede empfand ich jedoch gerade in der hohen Intensität und Lautstärke der Gesänge vor dem Anpfiff, sowie der Tatsache, dass geschätzte 80% der Sprechchöre Wechselgesänge sind. An Pyrotechnik konnte ich nur ein bengalisches Feuer vor dem Stadion ausmachen. Die Kurve hat drei Ränge. Auf dem rechten Mittelrang scheint der härteste Kern zu stehen. So gingen die Gesänge hin und her, mal vom Mittel- zum Unterrang, dann zwischen Mittel- und Unterrang und dem Oberrang. Rechte Seite – Linke Seite, Kurve – Gegengerade. Was für meinen Geschmack fehlte, war das bedingungslose Nachvornepeitschen des eigenen Teams zum Ende hin, denn das Spiel selbst gab den Fans nicht allzu viel Anlass zum Jubeln. So machte sich im Laufe des Spiels teilweise auch eine gewisse Ungeduld der Fans mit dem eigenen Team breit. Der Gästeblock der Fans von der Schwarzmeerküste war komplett gefüllt und schien recht aktiv, auch wenn er natürlich aufgrund des akkustischen Ungleichgewichts selten gehört werden konnte.

Es war am 29. Spieltag das Duell Dritter gegen Fünfter. Beşiktaş wollte als amtierender Meister und Pokalsieger den Anschluss an PlatInoenue01z 2 halten, der in der Türkei zur Zeit wenigstens zur CL-Qualifikation berechtigt. Trabzonsor müsste ebenfalls noch einen Platz klettern, um sich für die Euro League zu qualifizieren, hatte jedoch bereits fünf Punkte Rückstand auf Galatasaray. Die hierzulande bekanntesten Spieler bei Beşiktaş dürften der ehemalige Bremer und Schalker Fabian Ernst sowie der von Frankfurt gekommene Michael Fink und der unvergessene türkische Nationalkeeper,  Rüştü, der die Haare mittlerweile etwas kürzer trägt, sein. Aus dem Kader von Trabzonspor ist mir lediglich Rigobert Song aus Kamerun bekannt, der kurzzeitig mal in Köln unter Vertrag stand. Dieser sollte jedoch an diesem Tag nicht zum Einsatz kommen. Das Spiel lief nahezu die ganze Zeit nach dem gleichen Muster ab. Beşiktaş übernahm von Anfang an die Initiative und tat mehr für den Spielaufbau. Trabzonspor versuchte zu kontern. Die ganz großen Chancen blieben dabei zunächst Mangelware. Trotz der Überlegenheit von Beşiktaş schaffte es die Heimmannschaft kaum einmal zum Abschluss zu kommen. Trabzonspor hatte dagegen ein, zwei gefährliche Szenen. Rüştü parierte dabei kurz vor der Halbzeit in einer Szene gleich dreimal klasse gegen einen frei durchgelaufenen Gästestürmer. Anschließend musste er jedoch verletzt raus und sein Ersatzmann Arikan stellte sich für die restliche Spielzeit zwischen die Pfosten. Nach der Pause gab Beşiktaş sofort wieder Gas und kam auch schnell zum Torerfolg. Der Jubel auf den Rängen währte jedoch nicht lange, denn wegen einer Abseitsstellung wurde das Tor nicht gegeben. Danach war es wieder wie im ersten Durchgang. Beşiktaş spielte, Trabzonspor hatte die klareren Chancen, von denen die beste etwa eine Viertelstunde vor Schluss am Pfosten landete. So konnten die Gäste am Ende hochverdient einen Punkt aus dem Inönü-Stadion mitnehmen.

Die Verpflegung im Stadion war dem Spiel nicht unähnlich. Nicht schlecht aber zu “richtig gut” fehlte doch noch etwas. In einem Land, in dem der Verzehr von Schweinefleisch nicht sehr weit verbreitet ist, konnte natürlich keine Bratwurst bestellt werden. Es gab zwar offenbar gekochte Rindfleischwürste. Aufgrund der in meinen Augen appetitlicheren Präsentation entschied ich mich jedoch für eine Art Dönertasche. Nur, dass es eben kein Fleisch vom Drehspieß war, sondern Rindfleischstreifen vom Grill. Der sehr freundliche Verkäufer, der mich zielsicher als RindfleischtascheDeutschen erkannte und mich anschließend auch in dieser Sprache bediente, erwies sich auch als Fußballexperte, als er vor dem Spiel das spätere Endergebnis exakt vorhersagte. Möglicherweise mag dabei aber auch seine Präferenz für Christophs Daums aktuellen Klub Fenerbahçe, der auf Platz 2 steht, mit hereingespielt haben. Vom Handling her war die Tasche sehr gut zu verspeisen. Das Brot war ähnlich den hierzulande verbreiteten Dönertaschen aus Fladenbrot. Besonders gut ist in der Türkei häufig der Salat. Hier machen sich sicher die kürzeren Wege vom Feld zum Verbraucher positiv im Geschmack bemerkbar. Das Fleisch war nicht schlecht, aber auch nicht der große Bringer. Der Preis von 6 TL (3€) ist im Vergleich zum Essen vorm Stadion nicht sehr günstig. Möglicherweise lag es auch daran, dass die meisten anderen Zuschauer, das Spiel zwischen den Anfeuerungsrufen hauptsächlich mit dem Essen von Nüssen verbrachten. Die Stadionordnung schreibt explizit vor, dass das Mitbringen und der Verzehr alkoholischer Getränke untersagt ist, was ich mal eher auf die UEFA als die im Lande vorherrschende Religion schieben würde. So kam es, dass der Autor zum ersten Mal im Leben Tee im Fußballstadion trank. Dieser ging für 2 TL über die Theke, man bekam dafür aber lediglich heißes Wasser im Pappbecher und einen Lipton-Beutel. Ansonsten werden kaltes Wasser und die üblichen Softdrinks verkauft. Aufgrund der schweren Vergleichbarkeit zu unseren heimischen Fußballwürsten verzichte ich auf eine Wertung des Ganzen. Essen und Trinken gehörten jedoch eher zu den weniger beeindruckenden Aspekten des Abends.

Festzuhalten bleibt, dass man in Istanbul außerhalb des Inönü-Stadions für das leibliche Wohl auf wesentlich günstigere und auch schmackhaftere Weise sorgen kann. Ansonsten war es ein toller, interessanter Ausflug. Istanbul ist ohnehin immer eine Reise wert und wer schon einmal da ist, soll ruhig darauf hoffen, ebenfalls ein Heimspiel von Beşiktaş besuchen zu können. Ist sicher besonders toll, wenn dann auch noch Tore fallen sollten.

Links:

Offizielle Vereinsseite Beşiktaş (englisch)

Offizielle Vereinsseite Trabzonspor (englisch)

Wikipedia-Eintrag über Beşiktaş

Wikipedia-Eintrag über Trabzonspor

Wikipedia-Eintrag über das Inönü Stadyumu

Video des Sprechchors der Fans zu Beginn des Spiels


Tabelle der Süper Lig auf kicker.de

Spielbericht vom türkischen Sportmagazin Fanatik (türkisch)

Autor: T.Weber
Datum: Sonntag, 18. April 2010 16:21 | Dieser Artikel wurde 2,242mal gelesen
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3 Kommentare

  1. 1

    Sehr schöner Bericht, damit bin ich gut informiert, wenn ich in Istanbul zum Fußball möchte! Nur, wo kauft man den “normale” Tickets?

  2. 2

    Zumindest wenn die Spiele ausverkauft sind, wie in diesem Fall, ist der hier beschriebene wohl der normale Weg. ;)
    Naja, wenn man sich länger vorbereitet, geht es wohl auch über die Vereinsseite bzw. das dort verlinkte Ticketportal biletix.com.

  3. 3

    Gut ge- und beschrieben! Für alle nun Reisefreudigen noch ein Tipp: Hamburger lieber in Hamburg essen – ohne matschige Fritten und ‘ordentlichem’ Fleisch. Gut dagegen Börek!

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