Klassenerhalt gegen Meisterschaft: Die Kampfwurst bei Hannover 96

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Dreißigster Spieltag, Schalke spielt in Hannover. Für beide Vereine geht es um sehr viel: Die Niedersachsen kämpfen unten um Punkte gegen den Abstieg, während die Gelsenkirchener das ‘Projekt Meisterschaft’ verfolgen. Man konnte also in ausverkauftem Stadion vor 49.000 Zuschauern ein umkämpftes Spiel erwarten. Vor dem Spiel meinte Hannovers Mirko Slomka, Schalke-Trainer von 2006 bis 2008: “Wenn wir gewinnen und Schalke wird trotzdem Meister, freue ich mich sehr.” Unwahrscheinlich zwar, aber 96 belehrte die Skeptiker eines Besseren. Und präsentierte eine durchaus vorzeigbare Bundesligawurst.

Die Erwartungen an das Spiel wurden nicht enttäuscht: Seit langer Zeit habe ich keine so spannende und packende Partie mehr verfolgen können. Aber zunächst einmal eine kleine Belehrung in Richtung DFL: Es kann doch nicht sein, dass die Bundesligaspieltage erst drei Wochen vorher terminiert werden. Ich habe die Billets einfach im Vorfeld geordert ohne zu wissen, wann das Spiel ausgetragen wird. Hätte das Spiel am Freitag, Sonntag oder Samstagabend stattgefunden, ich hätte die Karten wieder verscheuern müssen. In dem Fall hatte ich Glück, während es dem Kneipengänger egal sein kann. Aber mal abgesehen von der fehlenden Planungsgrundlage hat die Inflation der Fußballtermine noch ganz andere negative Auswirkungen. Das hat man kürzlich z.B. beim Heimspiel des AFC gegen Curslack-Neuengamme gesehen, als noch nicht einmal 400 Zahlende kamen. Der Grund: Zeitgleich spielte der FC St.Pauli gegen Hansa Rostock. Das komplette Wochenende wird mit Übertragungen zugepflastert, damit ja niemand mehr zu den Amateuren geht. Da gibt es ja finanziell auch nichts zu holen für die Plutokraten der DFL. Aber mit der Diskriminierung kleiner Vereine untergräbt man sich doch die eigene Basis. Achso, die deutsche Fußballjugend wird jetzt ohnehin in Fußballinternaten ausgebildet? Dann will ich nichts gesagt haben.

Hannover gegen SchalkeZurück zur Sache: In Hannover scheint am 10. April bei angenehmen Temperaturen pünktlich ab 15 Uhr 30 die Sonne. Die ausverkaufte AWD-Arena kocht schon vor dem Anpfiff. Zumindest vermute ich das, denn wir verspäten uns um ein paar Minuten. Wir betreten den Block N7 und drängeln uns auf einen Platz mit guter Sicht. Hier und da werden fussballwurst.de-Aufkleber angebracht. Man muss schon sagen: Die Stimmung ist wirklich bombastisch, nachdem Westermann die Pille im eigenen Kasten platziert. Sicherlich ein unglücklicher Beginn für Schalke, aber nicht unverdient ist dieser Rückstand nach 17 Minuten. Hannover drückt und zeigt, dass man mental noch lange nicht abgestiegen ist. Sollten die kommenden vier Spiele, bei denen immerhin noch Bayern und Bayer auf dem Programm stehen, mit ähnlicher Moral absolviert werden, ist der Klassenerhalt sicher zu schaffen. Gut zehn Minuten später serviert Ya Konan den Nachschlag und tunnelt Manuel Neuer zum 2:0. Obwohl sich meine Affinität zu Hannover 96 eher in Grenzen hält: Das Spiel der Hannoveraner begeistert und so geht es nach einer unterhaltsamen ersten Halbzeit in die Pause. Hier wird ein wirklich witziges Spektakel geboten: Der Hannoveraner Trikotsponsor lässt per Druckluftkanone rund zwei Dutzend 96-Trikots in die Menge abfeuern. Über ein Trikot hätte ich mich zwar gefreut, aber auch die Kanone hätte ich durchaus nicht abgelehnt.

In den ersten sieben Minuten der zweiten Spielhälfte zeigt Schalke, wieso die Mannschaft auf dem zweiten Platz steht. Innerhalb von fünf Minuten steht es nach Tor von Edu und verwandeltem Elfmeter durch Rakitic 2:2 und das Spiel ist wieder offen. Nun ist auch die starke Schalker Präsenz im Stadion erstmals zu hören. Schätzungsweise 20.000 Gästefans befinden sich im Stadion. Doch bei Hannover ist kein Schock zu sehen. Kurze Zeit später besorgt Koné fast das 3:2,  lediglich vom linken Pfosten des Schalker Tores behindert. Es wäre übrigens das erste Tor gewesen, das wir einigermaßen gesehen hätten. Bislang fielen nämlich alle Tore auf der anderen Seite des Stadions. Dies ändert Hanno Balitsch, der  den  Ball in der 80. Minute unhaltbar in die Maschen feuert. Kurz zuvor hätte Kuranyi die Schalker beinahe in Führung gebracht. Nun heißt es für Hannover, die letzten Minuten unbeschadet zu überstehen.  Das Bangen um den Sieg macht dieses Spiel zu einem guten. In der Nachspielzeit dann die Erlösung für die Hannoveraner Fans: Manuel Neuer ermöglicht Ya Konan mit seinem zweiten erfolglosen Ausflug den Schuss zum 4:2-Endstand. Zwischenzeitlich gibt es noch leichte Aufregung, als Slomka vom Schiri auf die Bühne geschickt wurde. Keine Ahnung, weswegen man sich solchermaßen zu beschweren hatte… Die Zusammenfassung des Spiels ist im Video zu sehen.

Normalerweise hätte ich die Wurst in der Halbzeitpause gegessen. Aber leider wird der Wurst- und Bierkonsum durch ein verfluchtes Kartenzahlsystem erschwert. Als Gast in Hannover, der so bald nicht noch mal in der Stadt sein wird, leihe ich mir keine Bezahlkarte gegen Pfand, um sie dann nach dem Spiel wieder einzulösen. Das ist auch überhaupt nicht einzusehen. Ich habe keine Lust, vor und während des Spiels eine halbe Stunde anzustehen um meine Karte zu be- und entladen. Dementsprechend blieben wir während des Spiels leider auch trocken. Ich habe dann einen Stadiongast gebeten für mich Wurst und Bier zu ordern, was auch entgegenkommend getan wurde. Vom freundlichen Verkaufspersonal wurde mir dann eine Salzbrenner-Wurst im Brötchen überreicht, für die 2,50 Euro verlangt wird.  Dabei ist auch eine sympathische Wurstwelle involviert. Bierseitig wird Hasseröder im 0,5l-Becher für 3,50 Euro angeboten. Dass dabei jeweils 1,00 Euro Becherpfand verlangt wird ist grundsätzlich begrüßenswert, so bleibt das Stadion sauber und es entstehen keine Müllberge. Da wir aber keine Bezahlkarte haben, müssen wir aber wiederum nach einem Fan suchen, der uns 2 Euro in bar aushändigen mag. Auch das ist störend.

Salzbrenner bei Hannover 96

Vom Preis her ist die Wurst sicher angenehm bewertet, denn beim HSV (damit ist der Hamburger SV gemeint) zahlt man 3,00 Euro. Wobei dort das Geld noch bar über den Tresen geht. (Ich kann mich nicht genug darüber aufregen.) Nahe der Verpflegungsstände sind recht beeindruckende Senf- und Ketchupspender der Marke Heinz anzutreffen. Die Behälter sind mit Vorhängeschlössern gesichert, damit der beduselte 96-Fan mit den Pumpspendern keinen Schabernack treiben kann. Eigentlich ist das eine gute Sache, denn das übliche Gedränge um die Senfflasche wird so vermieden. Allerdings sind die Abfallbehälter unter den Pumpen gut gefüllt, was eher unappetitlich ist. Die Wurst überrascht positiv: Sie schmeckt gut, riecht gut, ist allseitig gebräunt und auch das Brötchen kann überzeugen. Auf den Fotos sieht die Wurst eher bäh aus, in Echt ging es so einigermaßen. Am Ende zählen halt die inneren Werte. Da mich das Bezahlsystem wirklich aufregt vergebe ich für die 96-Wurst die Downside-Wertung von glatten 3 Punkten.

Am Ende bleibt die Erinnerung an ein richtig gutes Fußballspiel, eine erfreulich gute Bundesligawurst und die Aufforderung, die Kartenzahlung zum Wohl der Fans abzuschaffen.

(3.0/5)

Links:

Das Spiel nachgespielt bei Legofußball.com

Hannover 96

FC Schalke 04

Autor: M.Turski
Datum: Mittwoch, 14. April 2010 17:10 | Dieser Artikel wurde 2,809mal gelesen
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Ein Kommentar

  1. 1

    Diese Payback-Karten sind die Seuche! Ich habe bestimmt schon 4 oder 5 von denen in meinem Geldbeutel. Ist doch nix anderes als ein kostenloser Kredit für die. Ich will gar nicht wissen wieviel Euronen die schon eingenommen haben, allein durch Leute die Ihre Karte verloren oder vergessen haben.

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