Bratwurstjournalist trifft Schiedsrichterbeobachter und sieht den Hartplatzhelden beim SV Blankenese

SV BlankeneseSonntagnachmittag stand ich vor der Frage, ob ich einem Spiel um die goldene Ananas des AFC gegen Eintracht Norderstedt auf der AJK beiwohnen soll. Denn Altona 93 ist gesichert und der kommende hamburger Oberligameister, vermutlich Victoria, will aus nachvollziehbaren Gründen nicht aufsteigen. Die Eintracht aus Norderstedt machte einen verfrühten Aprilscherz, als sie die Unterlagen für die Regionalliga einreichte.  Tags darauf wurde er aber wieder zurückgezogen. Ich bin kein Vegetarier und so entschied ich mich, den SV Blankenese gegen FC Elmshorn zu besuchen. Da ging es nämlich um die Wurst für beide Vereine. Der SV Blankenese konnte durch einen Sieg mit Elmshorn aufschließen, um weiter mit großen Schritten Richtung Klassenerhalt zu marschieren.

Vor dem Spiel  gab´s den dritten Trainerwechsel bei den Elmshornern, während man beim heimischen SV den Trainer in der Winterpause ersetzte.  Was beim Profizirkus gilt, findet auch beim ehrlichen Fußball statt. Eine Mannschaft steht hinter den Erwartungen und der Trainer wird freigesetzt, da er das Team nicht mehr erreicht. Mit neuem Trainer wird es schon besser gehen. Diese Logik geht nicht immer auf, scheint sich aber im Falle des SV Blankenese als der richtige Schritt herausgestellt zu haben.  Mit neuem Trainger gab es zum Auftakt für den SVB ein bitteres Unentschieden gegen VfL 93, dessen komplette Landesliga-Mannschaft in der Winterpause davon diffundierte. Im Spiel gegen Blankenese erkämpfte die Kreisklassenreserve des VfL ein 1:1  auf rotem Rasen. Aufgehorcht habe ich beim 2:0-Heimsieg von Blankenese gegen den Eimsbüttler TV.  Der ETV ist die Mannschaft, die ich mir am liebsten in der Hammoniastaffel anschaue, denn sie spielt mit jungen Eigengewächsen einen attraktiven, sicheren, schnellen Ball und sind aktuell Zweiter.  Seit der Winterpause ist Oliver Fritsch trainingsverantwortlich und er hat es geschafft, den SVB vom letzten Platz auf Platz 12 vor dem Spiel wichtigen Spiel gegen Elmshorn zu führen. Herr Fritsch ist kein Unbekannter in der deutschen Fußballblogsphäre, denn er ist der Macher von www.indirekter-freistoss.de und gibt im Profil an, sich für die Abschaffung des Liberos einzusetzen.  Ich war sehr gespannt, ob er in dieser so wichtigen Partie auf den klassischen Ausputzer verzichten würde. Ich freue mich jedes Mal über einen indirekten Freistoss, denn sie sind ja recht selten. Den letzten gab’s für mich bei der Wurstpleite von Union 03, wo es anschließend zur Norderstedter Arroganz Wurst mit dem AFC ging. Dass ist ein halbes Jahr her.

Der Indirekte Freistoß ist aber nicht das einzige Projekt des umtriebigen Sportjournalisten Fritsch, denn mit den www.Hartplatzhelden.de bietet er zusammen mit anderen Amateurfußballern eine würdige Bühne, wo der Anwender Videos von Toren, Jubeln und Spielszenen hochladen kann. Dies ist jedoch dem DFB ein Dorn im Auge, denn er ist der Meinung, dass die Ware Fußball ihm exklusiv gehört. Von der ersten Bundesliga bis hinunter zur C-Klasse. Das sind in einigen Verbänden bis zu dreizehn Ligen, die der DFB vermarkten will und so führt der Württembergische Fußballverband einen Musterprozess gegen die Hartplatzhelden, welche diese auch einen nach dem anderen verlieren. In den Satzungen der Verbände steht ausgewiesen, dass die Vermarktung der Fußballspiele ausschließlich über den Verband abzulaufen hat. Wahrscheinlich will aber der DFB seine eigene Plattform fördern, welche nach den Hartplatzhelden an den Start ging und hier nicht erwähnt wird. Ich drück den Hartplatzhelden die Daumen, denn sie geben dem Amateurfußball den würdigen Rahmen.

Schaut euch unbedingt den Zapp-Beitrag zum Thema Hartplatzhelden und DFB an.

Da es beim Fußball um die Wurst geht, verbietet der DFB auch vielleicht unseren Bratwurstjournalismus, da der DFB alle Rechte am runden Leder hält und die Bratwurst ja ein Teil des Ganzen ist.

Genug jenseits des Platzes und es geht von S-Bahn Sülldorf zu Fuß zur Waldesruh in zirka 10 Minuten, da man sich leicht orientieren muss, denn die Spielstätte des SVB ist nicht ausgeschildert. Man geht vorbei an gepflegten Einfamilienhäusern, Kirche und Friedhof bis dann auf der linken Seite der Fußballplatz durch Zäune zu sehen ist. Der Fußballplatz ist wie viele andere Rasenplätze in Hamburg wegen des Winters in einem erbärmlichen Zustand, was sich auch später beim Spiel bemerkbar machte.  Am Eingang ging’s vorbei an einer netten Dame, welche, obwohl drauf hingewiesen wurde, nur den ermäßigten Preis von 2,50 Euro von uns haben wollte. Rechts daneben steht das kleine Gebäude, in dem die Mitglieder den kompletten Verkauf in Eigenregie und ehrenamtlich organisieren. So kommt es, dass Kaffee und Selbstgebackenes für 1 Euro verkauft werden. Bier von Holsten, Radeberger und Ratsherren ist für jeweils 1,50 Euro in der kleinen Flasche zu haben, welche auch nicht umgefüllt werden, sodass man die Knollen mit zum Spielfeld nehmen kann. Es ging weiter vorbei am Denkmal, wo Blankenese die in den Kriegen gefallenen Mitglieder ehrt, bis zur Mittellinie an der Gegengerade. SchiedsrichterbeobachterAuf einer Bank wurde sich gesetzt. Zu uns gesellte sich noch ein Schiedsrichterbeobachter, um den Spielleiter zu bewerten. Der Beobachter erklärte uns die neue Auslegung des Abseits, wurde seine Meinung zu Videobeweis und elektronischen Hilfsmittel los und wies uns Zurecht, wenn wir manche Entscheidungen des Schiedsrichters anders sahen. Im Gegenzug gaben wir ihm so manche Nummer der Spieler von den zahlreich vergebenen Karten.  Insgesamt war der Beobachter sehr zufrieden mit der Leistung des Schiris. Das genaue Ergebnis kann bei den Bildern zum Test eingesehen werden.

Gegen Ende der verkürzten Halbzeitpause, in Rücksicht auf die Busverbindung des Schiri-Auditors, ging’s zum Grillstand vorm Gebäude, wo die Bratwurst und Krakauer auf Einwegpfannen aus Alu auf den Verzehr warten. Erhitzt werden die Würste durch einen Gasrost. Vom Griller wird man nach Verbrennungsgrad der Industrieware nett gefragt und dann sucht er einen Prengel raus, um ihn auf der Pappe zu platzieren. Dem Wunsch nach weiter Wurstbräunung wurde nicht entsprochen, denn für meinen Geschmack noch etwas zu hell. Der Einheitsbratling war gut gebräunt, denn es waren kaum bleiche Stellen zu erkennen.  Dies wird positiv vermerkt. WurstNeben dem Grill steht ein kleiner Rundtisch mit Ketchup und mittelscharfem Senf von Kühne. Außerdem ist Aromac-Senf auch vorzufinden.  In einer Porzellanschüssel steht geschnittenes, frisches Baguette zur Eigenentnahme  bereit.  Beim SV Blankenese wird zur Wurst kein Toastbrot gereicht. Das ist positiv. Über den Industrieprengel will ich mich jetzt nicht ergießen. Beim SVB geht man mit dem Kulturgut Bratwurst anständig um.  Top wäre es, wenn dieses vom Schlachter aus dem Stadtteil kommen würde und nicht von Salzbrenner, die man auf den Fußballplätzen in Hamburg fast überall vorfindet. Für eine Stadtteilbratwurst wäre ich bereit, mehr als die gezahlten 2 Euro zu bezahlen. “Support your local Schlachter”. Schade ist das relativ frühe Säubern des Grills zu Beginn der zweiten Halbzeit. Bei längerem Betrieb wäre bestimmt noch eine weitere Bratwurst gegessen worden. Wir hatten Glück bei der Wurstbestellung, denn diese wurde kurz vor Beendigung des Grillbetriebs platziert.  Beim SV Blankenese ist es etwas mehr wie man es vom Fußball in Hamburg kennt. Industriewurst, aber kein Toast, sondern es gibt geschnittenes Baguette. Leider wird der Stand viel zu früh geschlossen, was es wieder nur durchschnittlich macht.

(2.5/5)

Noch kurz zum Spiel, welches 1:1 ausging. Erst in der zweiten Halbzeit wurde es zu dem Spiel, wegen dem wir gekommen sind. Ein Kampf auf Biegen und Brechen, um bloß nicht zu verlieren, mit einem Platzverweis nach grobem Foul für Blankenese. Der Mann weniger ist beim SVB nicht aufgefallen, denn auch schon mit elf Freunden landeten einige Pässe und Flanken im leeren Raum. Zu zehnt gingen es zwar aus jetzt verständlichen Gründen weiter mit den Leerpässen und – flanken, aber es wurden jetzt den Elmshornern die Zähne gezeigt. Positiv dabei ist mir ein Mittelfeldspieler der Marke Koller aufgefallen, der keinen Ball verloren gab,  um jeden Grashalm kämpfte und seine Mitspieler anfeuerte, da er nicht verlieren wollte. Dies übertrug sich natürlich auch auf den gesamten SVB. So kam es, dass Blankenese in Unterzahl ausglich und der FC Elmshorn glücklich einen Punkt aus der Waldesruh entführen konnten, denn Blankenese hat noch mehrere Torchancen zur Führung ausgelassen. Ach und bevor ich es noch vergesse. Oliver Fritsch spielte mit einer Viererkette und nicht mit dem Libero, für dessen Absetzung er sich ja bekanntlich einsetzt.

Wir kommen gerne wieder zu Euch, denn es hat uns sehr gefallen.

Links:

Spielbericht beim Abendblatt (zahlen)

Spielbericht beim FC Elmshorn

Dritter Trainerwechsel vom SVE

Fritsch peilt Klassenerhalt an

Fritsch ist neuer SVB-Coach

SV Blankenese

Fritsch Blogs und Projekt

Direkter Freistoss

Indirekter Freistoss

Hartplatzhelden

Autor: M.Dittmann
Datum: Montag, 12. April 2010 17:50 | Dieser Artikel wurde 2,165mal gelesen
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2 Kommentare

  1. 1

    Jaja, der alte DFB. Ehrensache, dass man sich gleich einträgt bei den Hartplatzhelden.

    Zitat: “Beim SV Blankenese ist es etwas mehr wie man es vom Fußball in Hamburg kennt.” Das trifft wohl in Blankenese auf fast alles zu. Da halt ich es mehr mit dem alten Barmbeker Lotto: “Nur weil ich nich in Blankenese wohn’bin ich doch kein schlechterer Schwiegersohn”

    Gruß,
    Wiener

  2. 2

    [...] jedenfalls ein Autogramm geholt.Die Fussballwurst hat das Spiel und unseren „Industrieprengel“ rezensiert, wie ich finde, mit dem geboteten Ernst. Auch gibt es eine Slide Show. Sehr engagiert die Jungs, [...]

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