Blau gegen Rot gibt es auch in Würzburg – Die Derbywurst beim WFV

wuerzburgerfvWieder mal in Unterfranken bot sich Sonntagnachmittag das Derby Blau gegen Rot in Würzburg an, bevor es mit dem Zug gen Hamburg ging.  Die Blauen sind der Würzburger FV, die Roten sind die Kickers, welche seit 1907 als F.C. Würzburger Kickers am Spielbetrieb teilnehmen. Beide Vereine haben schon auf unterschiedlichstem Niveau immer mal wieder gegeneinander gespielt. Zu erwähnen ist die gemeinsame Saison in der zweiten Bundesliga Süd 1977/78, in der man auch “brüderlich” wieder in die Bayernliga abstieg.
Damals waren die Blauen allerdings noch  als FV 04 Würzburg unterwegs. Nach der Insolvenz erfanden sich die Blauen als WFV neu und mußten von der Bayernliga runter in die unterste Spielklasse. Über die Jahre ging es dann wieder für den WFV hoch bis in die Bayernliga, bis man in der letzten Saison, wieder mal gemeinschaftlich mit den Kickers, in die Landesliga Nord abstieg. In den letzten Jahren war schon mehrfach eine Fusion der beiden Fußballvereine von Sponsoren angedacht, um auch wieder in Würzburg, bzw. in ganz Unterfranken, eine Fußballmannschaft im Profisport zu etablieren. Dies scheiterte aber verständlicherweise an den Verantworlichen in den beiden Vereinen. Rot kann nicht mit Blau. Dies ist nicht nur in der bayrischen Landeshauptstadt der Fall, sondern auch am Sitz der Bezirksregierung von Unterfranken. So kam es, das sich weitere 2.000 Interessierte zum Derby einfanden. Ob die zahlreichen Zaunspechte, welche sich die 8,50 Euro Eintritt sparen wollten in der Zuschauerzahl berücksichtigt wurden, kann ich nicht sagen.

ZaunspechteWegen der „Brisanz“ war das Spiel als „Sicherheitsspiel“ auswiesen, was aber nur durch die erhöhte Präsenz von Bereitschaftspolizei auszumachen war, die am Sonntag wohl recht beschäftigungslos war. Ein Sicherheitsspiel bedeutet in Unterfranken nicht, dass exklusive bleifreie Kaltgetränke im Verkauf sind. An der Sepp-Endress-Sportanlage war das Bier vom Würzburger Hofbräu zu bekommen. Am Ausschank neben der überdachten Tribüne schenkt man den Gerstensaft in 0,4l-Kunststoffbechern zum Preis von 2,50 Euro aus. Radler, Alster, oder wie der Schweizer sagt, Panasch,  kostet dasselbe. Weitere Getränke kosten dann 2 Euro. Positiv fällt auf, dass Mineralwasser im gleichen Becher für einen Euro zu haben ist. Im Sportheim unweit des Ausschanks bekommt man das Bier im Glas mit einer perfekt gezapften Krone. Preis dort weiß ich leider nicht, empfehle aber dem Biertrinker von dort seinen Hopfentee zu beziehen, des Glases und der Blume wegen. Dort kann man sich auch mit Heißgetränken versorgen. So kostet dort der große Kaffeebecher 2 Euro.

Zirka eine halbe Stunde vor Anpfiff wird man vom Stadionsprecher mit einem herzlichem „Grüß Gott“ begrüßt, welcher neben dem Obligatorischem auch auf das neue Vereinslied verweist. Die „Macht am Main“  ist der Titel und das bei einem Sechstligisten! Aber da gibt es in Bamberg mit der Eintracht einen Regionalligisten und die Diva vom Main möchte ich nur am Rande erwähnen. Über die Diskomusik war ich sehr amüsiert und wenn man sich den normalen WFVler so betrachtet scheint der wohl auf etwas Handfestes zu stehen. Glaube nicht, dass der Verein damit groß was verdienen wird. Schon vor dem Spiel „bekämpften“ sich die beiden Fanlager, was über das ganze Spiel mit Unterbrechungen ging und maximal der Gegner geschämt wurde. Außer bei den Stimmbändern kam es wohl zu keinen weiteren Blessuren. Erwähnenswert finde ich noch, dass das Spielgerät von der Metzgerei Hollerbach gestiftet wurde, welche aber nicht den Bratwurstverkauf organisierte.

WurstDer Imbissstand befindet sich direkt neben dem Ausschank. Im Verkauf befindet sich da die Bratwurst für 2 Euro. Weitere Nahrungsmittel lassen sich im Sportheim beziehen.  Der Verkaufsstand ist mit drei Personen besetzt: Einemn Griller mit Schürze und Mütze,  der an der Bratpfanne steht und die Prengel mit einer Metallzange nach Belieben wendet. Einem Kassier und einer Frau, welche den Wurstverbrennungsgrad an den Griller durchgibt und dann auch die feine, gebrühte Bratwurst im Brötchen und Serviette entgegen nimmt. Leider wird die Wurst vom Griller im Brötchen standardmäßig ungefragt gebrochen. Der Wurstdurchmesser ist als durchschnittlich. Die Wurstlänge konnte nur geschätzt werden, würde aber bei genauer Positionierung im Brötchen, jenes genau ausfüllen, was ebenfalls durchschnittlich ist. Wahrscheinlich ist die Geknickte beim WFV üblich und der Geschmack geht ja dadurch nicht verloren. Dann wird man von der netten Frau noch gefragt, welche Sauce man in welcher Menge zur Geschmacksverfeinerung haben möchte. Zur Auswahl stehen Ketchup und mittelscharfer Senf im neutralen Senfspender hinter Glasfenstern, sodass die einzelnen Marken nicht auszumachen waren. Jedoch ist die Aussage „Bitte mit viel Senf“ relativ und bedeutet ja für jeden bekanntlich etwas anderes. Nach meinem Gusto landet trotz Verwunderung der Frau zu wenig Senf zwischen dem frischen Sonntagsbrötchen und der Bratwurst vom lokalen Metzger, auf eine Nachbesserung wurde jedoch seitens meiner verzichtet.

Dem Wunsch nach noch mehr Senf wäre entsprochen worden, aber darauf verwiesen, dass ich mir die Bratwurst damit versaue. Genau und liegt wohl am  Einheitsbrät beim Hamburger Fußball, denn über die Senfmenge lässt sich der Geschmack der Bratwurst und des Toastbrots stufenlos regeln. Dieses Verhalten hat sich nach Jahren in Hamburg beim Amateurfußball leider eingeschliffen.

Überreicht wird einem die Bratwurst übrigens mit einem „Guten Appetit“. In der Hansestadt wird einem die Wurst auf Pappe mit Klemme nach dem erfolgreichen Abschluss des Bezahlvorgangs, vermutlich aus Scham, meist wortlos ausgeliefert.

Beim WFV ist es so, wie man es als Franke erwartet. Nettes, effizientes Standpersonal, etwas überbestimmt von Amtswegen durch die „Kanban-Frau“. Ein frisches Brötchen und die Lokalwurst. Kein Schnickschnack mit  Schickenwürsten und Krakauern, wie das in der Hansestadt der Fall ist. Es ist immer gut, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

4 x B = perfektes Fußballerlebnis

Ball,  Bier, Bratwurst und Brötchen. Das ist eine einfache Formel und die Spielklasse wird dann dabei zur Nebensache.

Tue mich mit der Sternevergabe schwer, denn es fehlte die ungebrühte, grobe, dicke Bratwurst. Dann stand kein scharfer Senf zur Auswahl und die Bratwurst wurde in der Pfanne gegrillt und nicht über Holzkohle verbrannt, was eigentlich 3,5 von 5 möglichen Sternen bedeuten würde. Wir haben aber auch die vielen unsäglichen Bratwürste aus dem Bundesland Hamburg in unserer Bratwurstgeschmacksliga viel zu gut bewertet, sodass ich mich doch zu 4,5 von 5 Sternen durchringen kann.

(4.5/5)

Um das Problem zu lösen sollte man nach dem Vorbild der ZVS verfahren, welche versucht über Hochstufen der Abiturnote Gerechtigkeit bei Studiengängen mit Zulassungsbeschränkung zu bekommen, da Schule in der Bundesrepublik Ländersache ist. Der Bratwurst aus Hamburg würde ähnliches drohen wie dem Abitur. Im Süden ist das Niveau nicht nur bei der Bildung höher, sondern hat ein anderes Verhältnis zur Bratwurst. Dann hätten wir endlich eine aussagekräftige Geschmacksliga. Auf vereinsinterne Diskussionen freue ich mich schon sehr, denn bisher ist das nur eine Idee.

Ach und Fußball wurde ja auch noch gespielt und ich verweise auf die diversen Links für den genauen Spielverlauf, denn ich schreibe meistens um drum herum. Das gewannen die Blauen verdient mit 4:1 gegen die Roten in einem aggressiv geführten Spiel, wie es sich für ein echtes Derby gehört, wo es auch um die Nummer eins der Stadt geht. In Addition der beiden Spiele geht der Titel ohne die Europapokalarithmetik bemühen zu müssen an den WFV, da das Hinspiel von den Kickers nur mit 2: 0 gewonnen wurde. Glückwunsch zur Stadtmeisterschaft ihr Blauen und wünsche Euch den Wiederaufstieg in die Bayernliga.

Hier noch ein kleines Video bei einem Eckstoß kurz vor Schluss eines Kickerspiels bei den WFV-Fans.

Kopf wenn möglich um 90° abdrehen und auf laut stellen.  Tut mir Leid, pass das nächste mal etwas mehr auf und bearbeite das Video vorher.

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Der WFV im Internet

Spielbericht in der Lokalpresse_1

Spielbericht in der Lokalpresse_2

Video bei TV Touring über das Spiel

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Autor: M.Dittmann
Datum: Donnerstag, 1. April 2010 12:30 | Dieser Artikel wurde 1,705mal gelesen
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4 Kommentare

  1. 1

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  2. 2

    “Die „Macht am Main“ ist der Titel und das bei einem Sechstligisten! Aber da gibt es in Bamberg mit der Eintracht einen Regionalligisten..”

    naja, streng genommen liegt Bamberg ja an der Regnitz, weil der Main erst hinter Bamberg zufliesst… ;-)

  3. 3

    “Zu erwähnen ist die gemeinsame Saison in der zweiten Bundesliga Süd 1977/78, in der man auch “brüderlich” wieder in die Bayernliga abstieg.”

    Is so nicht ganz korrekt, der WFV spielte insgesamt 4 Jahre von 1976 bis 1980 in der 2. Liga, während der andere Verein nur diese eine Saison Zweitligaluft schmuppern durfte

  4. 4

    @ Jan: Aber der Main fließt bestimmt durch die Gemarkung Bamberg. Aber weil es so schön zum Vereinslied gepasst hat.

    @ Pele: Herzlichen Dank für den Hinweis. Werde in aber nicht mehr korrigieren und hoffe, dass die Leser über deinen Kommentar stolpern.

    Da habe ich wieder was gelernt :-)

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