Das Gegenteil von Frühling – Die erste Freitagswurst des Jahres beim SV Uhlenhorst Adler

AdlerVor 2,5 Wochen, der Schnee war gerade (das erste Mal) geschmolzen, die Straßenreinigung hatte ihre Initiative gegen den so genannten Winterdreck begonnen und schon keimte in Hamburg das erste Mal nach einem langen, laangen, laaangen Winter wieder die Hoffnung auf Amateurfußball. Endlose Wochen und Monate ohne Bratwurst, Bier und Ballrethorik schienen vorbei. Während Rasenplätze nicht bespielbar waren, stand den ersten Begegnungen auf Kunstrasen nichts im Wege. Der SV Uhlenhorst Adler von 1911 / 25 (kleiner Recherche-Auftrag an die Abteilung „Vereine und Ihre Gründungsjahre“?) verfügt über ein solches Geläuf und zusätzlich über eine kleine Flutlichtanlage. So sah man sich im Stande an diesem denkwürdigen Freitagabend die erste Mannschaft des SC Alstertal-Langenhorn zu empfangen. Natürlich fand sich schnell eine Gruppe interessierter Bratwurstgourmets bzw. Fussballgourmands. Wer allerdings voller Vorfreude im Verlauf des Nachmittags den Himmel oder auch den Wetterbericht beobachtete konnte im Prinzip schon erahnen, dass dieser Tag bzw. Abend nicht der lang ersehnte Auftakt des Frühlings war. Und obwohl es erwartungsgemäß langsam zu schneien begann, sollte es zumindest der Auftakt der Rückrunde für die UH-Adler und auch für fussballwurst.de werden.

Nachdem der Schnee keine Überraschung mehr war, hatten weder Zuschauer noch Offizielle noch Aktive mit dieser doch erheblichen Menge an Schnee gerechnet. Und dann blieb das Zeug auch noch liegen. Schnell kamen deutlich über 10 Zentimeter zusammen. Zugeschneite Linien, für Kunstrasen ungeahnte Unebenheiten und eine allgemein sehr schlechte Sicht, da das Flutlicht das dichte Schneetreiben in ein testbildähnliches Wirrwar aus dicken Flocken verwandelte. Trainer, Zuschauer und Schiedsrichter versuchten mehr oder weniger vergeblich zu verfolgen, wie sich die Spieler bemühten dem Wetter zu trotzen. Nachdem UH-Adler früh geführt hatte waren es die Gäste, die mit den sich verschlimmernden Bedingungen besser zurecht kamen. Jedenfalls drehten sie das Spiel durch zwei schnelle Tore in der Mitte der zweiten Halbzeit. Vielleicht war es auch nur Glück, man konnte es eben nicht genau erkennen. Alle Versuche der Heimmannschaft, die verlorenen Punkte jedenfalls teilweise zurück zu erkämpfen, scheiterten im Schnee. Mehr kann man zum Sportlichen nicht berichten, es war eben kaum was zu sehen. Ich hoffe nur, dass im Nachhinein niemand den Allofs gemacht hat. Schließlich hatte keine von beiden Mannschaften einen Vorteil im Tiefschnee und das Programm für die Rückrunde ist ohnehin sehr sehr eng.

Was macht man wenn man vom Spiel nicht viel hat? Richtig – Wurst essen: Nun ist der Konsum und vor allem die Zubereitung von Wurst bei hochalpinen Bedingungen sicher nicht leicht. Aber die Wurst gehört nun mal dazu, und wer ein Spiel ansetzt kann auch Wurst grillen. Zum Glück sahen die Gastgeber das genau so und hatten im spärlichen Schutz von zwei Garagen einen Kohlegrill und einen kleinen Verkaufsstand aufgebaut. WurstDas machte zwar insgesamt einen etwas improvisierten Eindruck, erfüllte aber in jeder Hinsicht den Zweck. Im Angebot waren Holsten Edel und drei Sorten Wurst: Thüringer, Schinkenwurst und – alte Bekannte aus Kindertagen die völlig zu unrecht von den beiden großen Brüdern in den Hintergrund gedrängt wurden – vier Kleine. Ich meine mich allerdings zu erinnern, dass es früher fünf Kleine waren. Irre ich mich oder laufen wir hier geradewegs in eine galoppierende Wurstinflation zu? Alle reden vom Euro und auf einmal fehlt uns ne ganze Wurst auf der Pappe, das sind 20 Prozent weniger – da muss man doch was machen! Naja nicht aufregen und zurück nach Uhlenhorst.

Alle Produkte haben zur leichteren Abwicklung des Bezahlvorgangs für Kunde und Verkäufer den gleichen Preis: 1,50 EUR. Nicht nur einfach sondern auch sehr fair. 1 EUR wäre noch leichter und noch fairer, aber wir wollen ja nicht unverschämt werden. Verkauft wird das Grillgut, das gerade fertig ist. Auf den ersten Blick wirkt das nach einer „Es wird gegessen was auf’n Tisch kommt“ – Mentalität ist aber meiner Meinung nach insbesondere auf kleinen Plätzen ein Qualitätsmerkmal. Denn man bekommt im Zweifel zwar nicht genau was man will und vielleicht muss man sogar kurz warten, aber man kann sich sicher sein, dass das, was nachher auf der Pappe liegt, wirklich gegrillt wurde und eine schöne Bräunung hat. Dann ist es eigentlich egal ob das Ding nun Thüringer oder Schinken heißt. Da bei mir weder das eine noch das andere fertig ist bekomme ich vier Kleine „zum naschen“ und werde gebeten, später noch mal wieder zu kommen. Beim zweiten Versuch gibt‘s dann noch ne Schinkenwurst. Dazu wird köstliches Toastbrot (ich esse zwar auch gern Brötchen, werde aber den Feldzug meiner Kollegen gegen die Universalsättigungsbeilage nicht unterstützen) und Senf aus der Tube  gereicht.  Der Senf ist von der Firma  Kühne – mittelscharf und mittellecker. Außerdem gibt es einen Rest scharfen Löfensenf in einer fast leergequetschten Tube – immerhin.  Insgesamt ein solides Angebot jedoch ohne Highlights. Unter den quasi-lebensfeindlichen Witterungsbedingungen vielleicht aber auch etwas viel verlangt. Unterm Strich gibt’s drei Sterne. Einer davon ist allerdings ein Wetterstern, der sich unter Realbedingungen bei einem Zweittest noch bestätigen muss. Wir sind gespannt und freuen uns aufs nächste Mal …

(3/5)

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Autor: S.Beyer
Datum: Mittwoch, 24. März 2010 9:01 | Dieser Artikel wurde 1,233mal gelesen
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6 Kommentare

  1. 1

    Oh man, da kann man ja nicht wirklich von einem Fußballspiel reden. Aber ein Lob an Uhlenhorst, dass dennoch Nahrung aufgefahren wurde. Ich bin erstaunt, dass es für die kleinen nur 3 Punkte gibt. Auf dem Foto sehen sie doch ganz ansprechend aus…

  2. 2

    Sehr witzig geschrieben, habe mich sehr über die vier bis fünf Kleinen gefreut.
    Viele Grüße!

  3. 3

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Fussballwurst.de, Die Fussballarena erwähnt. Die Fussballarena sagte: Das Gegenteil von Frühling – Die erste Freitagswurst des Jahres beim SV Uhlenhorst Adler http://bit.ly/bHXWXR #Fussball [...]

  4. 4

    War das das Endspiel der sibirischen Regionalmeisterschaften? Respekt, dass ihr es bei dem Wetter ausgehalten habt… Das ist doch mal Einsatz im Namen der Wurst!

  5. 5

    Schön, das wir dort waren. Da denk ich jetzt immer noch dran, wie sich der Schnee in meiner Kapuze gesammelt hat.

    Respekt an die Spieler und Schiedsrichter.

    Ach und um das 1911/25 kümmere ich mich mal, in einem eigenen Artikel. War wieder sehr kurzweilig.

    Gruß aus der Geschichtsabteilung

  6. 6

    Hallo Herr Dittmann :-)

    …vor langer, langer Zeit gab es eine Fusion der Vereine S.V Uhlenhorst Herta (1911) und
    S.C. Adler (1925). Daraus wurde
    SV Uhlenhorst Adler 1911 / 25…
    Beide spielten auf der “Beethovenalm” verbissen darum welcher Verein der bessere ist.
    Ja, ja die guten, alten Zeiten.
    Zwischen den beiden clubs ging es schon damals um die Wurst :-)
    Stets brisante derbys !
    Ein doppeltes Highlight in jeder Saison wo Blau gegen Rot kämpfte…

    Gruß von den Veteranen

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