Leider kein Tulpentest – mit dem HSV in Eindhoven

psv-eindhovenWie es die Losfee so wollte, verschlug es den sportlich erfolgreichsten unter den Vereinen der Hansestadt Hamburg im Rückspiel der so genannten Zwischenrunde (1/16-Finale) der Europa-League in das beliebte Nachbarland, wo Tulpen, Wohnwagen und halluzigene Rauchwaren so herrlich gedeihen. Zu tun bekam es der HSV mit dem PSV Eindhoven. Bei diesem 1913 gegründeten Verein handelt es sich zwar um eine Werkself (Philips‘ Sport Vereniging), allerdings ist der Club weit entfernt vom eher negativen Image und Flair, welches in Deutschland beispielsweise die Truppen aus Leverkusen und Wolfsburg verbreiten. Was die sportlichen Erfolge angeht ein absoluter Traditionsclub, bleibt man in Punkto Beliebtheit dennoch hinter den ganz Großen der Niederlande etwas zurück. Ajax gegen Feyenoord heißt hier weiterhin der absolute Klassiker in Punkto Interesse und Brisanz.

Für etwa 1.600 Hamburger (Gästekontingent selbstverständlich restlos ausgeschöpft) ging es am frühen Donnerstagmorgen mit sieben Bussen der Fanabteilung Supporters Club oder aber privat in Richtung Südwesten. Bemerkenswert vom etwa siebenstündigen Trip zu erwähnen ist, dass es dem Freund und Helfer diesmal nicht gelang, die obligatorische Ausweiskontrolle der Insassen einzelner Busse auf dem letzten Rastplatz vor der Grenze durchzuführen, sondern diese kurzerhand auf den Randstreifen der Autobahn verlegt wurde. Laut Polizei erfolgte dies, weil der Busfahrer schlichtweg die Anweisung zum rechtzeitigen Abbiegen ignoriert habe. Immerhin beschränkte sich die Kontrolle dafür auf Einsammeln, „angucken“ und wieder Ausgeben der Persos und die Taschen und Leibeskontrolle entfiel.

In Eindhoven direkt am Stadion abgesetzt, begab sich ein Großteil der Hamburger Fangemeinde in ein nettes Kneipengässchen in der Innenstadt, wo die Stimmung lustig, das Bier aber klein und teuer war. Bemerkenswert übrigens, dass es zumindest nach Kenntnis des Autors zu keinerlei größeren Zwischenfällen zwischen den Fangruppen kam, obwohl von kundigen Begleitern versichert wurde, man habe schon einige lange verschollen geglaubte Althauer im HSV-Mob ausgemacht. Auch die Eindhovener hielten sich höflich zurück, sodass der Nachmittag in Eindhoven fröhlich genossen werden konnte.

eind 006Pünktlich machte man sich auf den kurzen Weg zum Stadion, welches sowohl von außen, als auch innen einen durchweg guten Eindruck auf den Stadionfan macht. Durchaus modern; in seiner Gesamtheit handelt es sich dennoch um ein „gewachsenes“ Stadion. So wurden beispielsweise die Ecken erst im Jahre 2000 im Rahmen der Vorbereitungen zur Europameisterschaft geschlossen. Ob es am Bierkonsum lag mögen andere beurteilen, zumindest dem Autor erschienen die Gästeränge im Vergleich mit anderen Stadien außergewöhnlich steil. Die Akustik im Stadion ist ausgesprochen gut, allerdings sorgte die Architektur, insbesondere das tiefe Dach dafür, dass man vornehmlich den eigenen Block und das recht laut hörte. Eine dezidierte Bewertung des Eindhovener Supportpotentials soll daher besser entfallen, aber zumindest gab es zu Beginn eine nette Choreographie und spielbezogen wurde es dann auch das ein oder andere Mal laut. Dem Gästeanhang für seinen Teil kann ein gutes Zeugnis ausgestellt werden, laut und durchgehend wurde angefeuert. Absolut bemerkenswert: Heizstrahler am Stadiondach. Die Bayarena lässt grüßen!

Das Spiel selber bewies einmal mehr, warum der geneigte HSV-Fan im Durchschnitt etwa zehn Jahre älter wirkt als Publikum anderswo. Mit dem 0:1 nach 77 Sekunden war der Vorsprung aus dem Hinspiel dahin und die Taktik über den Haufen geworfen. Was Spielanteile- und Kontrolle angeht, war der PSV in der ersten Hälfte nicht unbedingt so sehr überlegen, es überrascht jedoch, dass es dem HSV kaum gelang zu halbwegs ordentlichen Torchancen zu kommen. Und wie es halt so geschieht schlug auch noch das Pech in Form eines abgefälschten Freistoßtores kurz vor der Pause zu. Die zweite Halbzeit bot dann so einiges, was Fan vom Fussball erwartet. Direkt nach Wiederanpfiff  erzielte HSV-Lebensversicherung Petric den Anschlusstreffer und nach je einem Platzverweis pro Team verwandelte „Ich möchte irgendwann nochmal zu einem europäischen Spitzenclub wechseln!“-Trochowski einen Elfer zum Ausgleich. Großer Jubel bei den Gästen, das sollte es doch gewesen sein. Denkste! In der 90. ging Eindhoven nochmals in Führung und der Schiedsrichter hielt fünf Minuten Nachspielzeit für angemessen. Letztendlich kann sich der HSV vor allem bei Torhüter Rost für das Weiterkommen bedanken.

eind 009Und nun zum zumindest an dieser Stelle Wichtigsten: Der Wurst. Diese wurde in der Halbzeitpause zum Preise von 2,50 Euro besorgt. Wie soll man sagen, eine große Bratwurstnation scheinen die Niederlande nicht zu sein. Die Wurst wurde in einem Hotdog-ähnlichen, sehr weich-pappigen Brötchen gereicht. Man traute sich nicht recht, richtig zuzupacken und am Ende des Wurstgenusses verschmolzen die Reste des Brötchens ein wenig mit den Resten der Wurst und des Senfs. Eine zumindest optisch sehr ansprechende Symbiose. Wurst und „Brötchen“  lagen bereits in trauter Eintracht in der Warmhalte-Auslage bereit, so dass das Braten/Brühen/Grillen der Wurst nicht zu beobachten war. Von einer fetttriefenden, heißen Gasplatte ist aber auszugehen. Die Wurst selber machte äußerlich mit einer gesunden Bräune auf sich aufmerksam, konnte die Erwartungen geschmacklich aber nicht bestätigen. Tja, wie soll man den Geschmack beschreiben, „muffelig“ trifft es vielleicht am ehesten. Dazu passte gut das Farbinnere, welches doch ein recht dunkles Grau entfaltete. Aber immerhin sehr bissfest und gut durch war das niederländische Stück! Am meisten Ärger verbreite jedoch der Senf, von dem der Autor im Allgemeinen großer Liebhaber ist und welcher das Wursterlebnis mit gutem Geschmack und ausreichender Menge hätte retten können. Leider aber gabs keinen Spender o.ä., sondern nur ein kleines Tütchen zur Wurst gereicht, dessen Inhalt gerade ausreichte die Wurst oberseitig leicht zu benetzen. Runterspülen konnte man das Ganze mit Softdrinks zu 2,00 Euro aus dem 0,25l-Plastikbecher, dass es kein alkoholhaltiges Bier zu erwerben gab versteht sich hierbei von selbst. Bemerkenswert ist noch, dass die Bedienung fast nur aus jungen, hübschen Damen bestand (zudem zwei ältere, nicht mehr ganz so hübsche „Haudegen“ zur Aufsicht) und der Tresenbereich von oben vergittert ist, so dass die Speisen darunter durchgereicht werden. Beides eindeutig sinnvolle Maßnahmen gegenüber potentiellen Aggressoren oder enttäuschten Wurstfanatikern.

Ich denke selbst viele mit Recht gescholtene unter den Bundesligawürsten, erst Recht jene auf Amateurplätzen, hätten hier einen klaren Punktsieg erzielt. Daher kann es in der Gesamtschau leider nur einen Punkt geben. Hm, na gut.. 1,5 Punkte, der hübschen Bedienungen wegen…

(1.5/5)

Autor: M.Buschmann
Datum: Donnerstag, 11. März 2010 9:00 | Dieser Artikel wurde 2,595mal gelesen
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7 Kommentare

  1. 1

    Coole Bilder, schöner Bericht. Ein Hauch von großer weiter Welt … Schön. Und wegen der Wurst fährt man nun mal nicht nach Holland ;-)

  2. 2

    Fand es auch sehr lesenswert. Und ich fand es auch bereits beim Hinspiel bemerkenswert, dass ausnahmsweise einmal bei einem deutsch-niederländischen Europacupduell die Prügellust der Anhänger weniger im Vordergrund zu stehen schien. Van Nistelrooy verbindet!?
    Und bevor ich jetzt gar nichts kritisiere: Da ja schon angesprochen wurde, dass man keinen Ausflug in ein Bratwurstland gemacht hat, hätte man fairerweise ja noch erwähnen können, ob es nicht wenigstens geile Fritten gab… ;)

  3. 3

    Gruß an den Autor,
    sehr schöner Artikel.
    Crass sind die schwedischen Gardinen an den Ausgabestellen der minderwertigen Bratwürsten im Soft-Brötchen… ;-)

  4. 4

    Auch von mir: Sehr gelungener Bericht! Dann kanns für den HSV nun ja in die nächste Euro League Runde gehen!

  5. 5

    Sehr gelungen!

    Aber von der Bratwurst in den Niederlanden hatte ich ja auch nichts erwartet, denn die essen sogar Majo zur Bratwurst.

    Das ist ein Sakrileg an der Wurst.
    Amen!

  6. 6

    Toller Artikel, auch wenn ich auch Euch ein schöneres Spielergebnis gewünscht hätten

  7. 7

    [...] Warum doch nicht nur aufm Platz wichtig ist, wenn es um die Wurst geht, und warum PSVE völlig zu Recht aus dem Europapokal ausgeschieden ist, das erfahrt Ihr hier. [...]

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