Ein Punkt bei Werder Bremen

werder-logoBremen – bislang ein weißer Fleck auf der fussballwurst.de-Landkarte. Ein unhaltbarer Zustand, der nun endlich anlässlich des Auswärtsspiels des VfB Stuttgart von 1893 beim sechs Jahre jüngeren Rivalen aus dem Norden behoben werden konnte. Beide Vereine hatten sich vor der Saison am 24. Spieltag sicher einen etwas besseren Tabellenplatz erträumt. Doch auch wenn es sich nun lediglich um ein Duell zweier Clubs im oberen Tabellenmittelfeld handelte, versprühte die Partie bereits im Vorfeld ihren Reiz. Was sicher nicht zuletzt an einer Reihe von legendären Spielen zwischen beiden Vereinen in der jüngeren Vergangenheit liegt – unvergessen etwa ein 4:4 (Saison 2003/04, 26. Spieltag) mit drei Bordon-Treffern oder auch ein 6:3-Sieg der Stuttgarter vor zwei Jahren (Saison 2007/08, 23. Spieltag). Der 2:0-Auswärtssieg der Bremer in der Hinrunde war so auch seit 2006 das erste Aufeinandertreffen der beiden Clubs, in dem nicht vier oder mehr Tore fielen. Und auch das Spielermaterial auf beiden Seiten ließ ja durchaus Hoffnungen auf ein interessanteres Bundesligaspiel zu. In den Toren etwa die wohl umstrittensten beiden deutschen Keeper, die jedoch unumstritten auch die unterhaltsamsten in der Liga sind. Vorne Claudio Pizzaro und der frisch gewählte Fußballer des Monats Februar, Helmuth Cacau, die sich beide zuletzt sehr treffsicher zeigten.

Aus Hamburg reisten wir zusammen mit dem Hamburger VfB-Fanclub, dem ”Roten Brustring Hamburg“, per Metronom an. Die dazugehörige Eisenbahngesellschaft möchte ihre Fahrgäste und MitarbeiterInnen vor nervigen, betrunkenen Fußballfans und anderem Gesocks schützen, indem sie schlichtweg gleich allen den Konsum von Alkohol an Bord ihrer Züge verbietet. Auch dies ein unhaltbarer Zustand, der hier noch einmal angeprangert werden muss. Nervig wohl vor allem für Menschen, die friedlich ihr Feierabendbier trinken möchten. Wir dagegen konnten die 2x 70-minütige Zwangstrinkpause im Laufe des Tages glücklicherweise noch kompensieren.

FotoVom Bremer Hauptbahnhof ist es eine kurze Straßenbahnfahrt bis zum Weserstadion. Schön, dass der Stadionname hier nicht paraphrasiert werden muss, da eine Umbenennung zu einer peinlichen “Sponsor-Arena” in Bremen ausgeblieben ist. Weiterer netter Nebenaspekt: Bei Werder wird das Stadion gerade umgebaut. Wie in Stuttgart werden die Kurven zu Hintertorgeraden gemacht, damit die Fans näher ans Spielfeld rücken. Und wie in Stuttgart kommen auch in Bremen die Gäste als erste in den Genuss der ersten neuen Tribüne, nur dass diese in Bremen eben bereits größtenteils fertiggestellt ist. Sehr höflich, wie ich finde. Die Rahmenbedingungen für gute Stimmung im Gästeblock waren also vorhanden. Die Stuttgarter Mannschaft tat uns dann gerade in der ersten Halbzeit den Gefallen, die Atmosphäre noch weiter zu verbessern. Progrebnyak und Khedira schossen den VfB mit zwei Toren in Front. Und auch wenn Werder nicht chancenlos blieb, konnte man durchaus von einer verdienten Pausenführung der Gäste sprechen. Auch in der zweiten Halbzeit lief das Spiel aus VfB-Sicht lange äußerst zufriedenstellend, aber eben nur bis zur 75. Minute als Almeida den Anschlusstreffer erzielte. Ein Elfmeter für Bremen zehn Minuten vor Schluss zum 2:2 markierte schließlich den Endstand. 2:2, eigentlich ein sehr achtbares Ergebnis in einem Auswärtsspiel in Bremen. Der Spielverlauf sorgte jedoch dafür, dass sich die Punkteteilung eher wie eine Niederlage anfühlte. Sepp Herberger, wir hassen Dich dafür, dass Du das Spiel 90 Minuten lang gemacht hast…

Foto(2)Wäre doch wenigstens die Wurst ein guter Trost gewesen. Doch weit gefehlt. Umbaubedingt ist der Snack- und Getränkeverkauf im Gästebereich im Moment noch provisorisch gelöst. So hatte man den klassischen Bratwurstwagen im Stadioninnenraum aufgestellt, der über einen Gasgrill verfügte. Diese Bedingungen müssten natürlich nach Abschluss aller Umbauarbeiten fairerweise noch einmal extra geprüft werden. Zur Auswahl standen jedenfalls Bratwurst oder Krakauer für jeweils vergleichsweise teure 2,80 Euro. Getestet wurde hier die Krakauer. Leider wurde der hohe Preis nicht durch ebensolche Qualität gerechtfertigt. Positiv vermerkt werden kann lediglich das sehr freundliche Verkaufspersonal, trotz Massenandrangs. Das beigelegte Brötchen war ebenfalls voll OK. Senf, Ketchup oder Frittensauce standen in großen Spendern bereit. Doch das beste Drumherum nützt bekanntlich nichts, wenn die Hauptsache, und das ist hier ja immer noch die Wurst (siehe Logo), nichts taugt. Farblich noch ganz OK gebräunt wurde schon einmal der größte Fehler begangen, indem das Grillgut kalt über die Theke gereicht wurde. Dies förderte den Geschmack, der wohl auch bei einer zu vernünftigen Temperaturen servierten Wurst, nicht überragend gewesen wäre, natürlich nicht. Trösten konnte man sich neben der erfreulichen Darbietung in Halbzeit 1 noch mit dem Bier. Haake Beck ist in meinen Augen da ein überdurchschnittlich gutes Bier in der Bundesliga. Es konnte für 3,80 Euro im 0,5er-Plastik-Pfandbecher mit aufgedruckten Werderspieler erworben werden. Wir kamen so in den Genuss von Bier in Bechern mit den Konterfeis von (in qualitativ aufsteigender Reihenfolge) Tim Borowski, Marko Marin, Mesut Özil und Claudio Pizzaro. Schön auch, dass die BierverkäuferInnen hierbei Rücksicht auf unsere Becher-Präferenzen genommen haben – sonst wäre es wohl ein Nachmittag voller Borowskis geworden…

(1/5)

Gegen 20 Uhr ging dann mit der Ankunft am Hamburger Hauptbahnhof ein schöner Fußballnachmittag zu Ende. Der bleibt jetzt nicht wegen der Wurst oder dem erfreulichen Spielverlauf in guter Erinnerung. Aber atmosphärisch war es sehr angenehm. Eine auch nur ansatzweise negative Stimmung gegen uns VfB-Fans konnte zu keinem Zeitpunkt – weder inner- noch außerhalb des Stadions – festgestellt werden. Stattdessen konnte mit verschiedenen gegnerischen Fans in bester und angenehmer Weise gefußballfachsimpelt werden. Und so sollte es ja schließlich sein. Daher – lasst Euch nicht von der Wurst abschrecken! Der Fußball-Ausflug nach Bremen ist zu empfehlen.

Links:

Roter Brustring Hamburg

Autor: T.Weber
Datum: Montag, 8. März 2010 18:56 | Dieser Artikel wurde 2,891mal gelesen
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Deutschlandweit, Werder Bremen

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Bratwursttests, die diesem Artikel inhaltlich ähnlich sind:

8 Kommentare

  1. 1

    Schöner Bericht, aber etwas ungenau mit dem Gründungsjahr beim Verein für Bewegungsspiele.
    Wenn eine Jahreszahl im Vereinsnamen auftaucht ist das Vereinsalter mit Vorsicht zu genießen.
    Der VfB wurde in der Form erst 1912 gegründet.

    Das im Namen auftauchende Jahr bezieht sich auf einen Vorgängerverein, dem Stuttgarter FV welcher 1893 gegründet wurde.

    Sonst aber recht schön geschrieben, nur Schade das die Wurst nichts taugt und dass obwohl es der gleiche Brater wie beim VfB ist.

  2. 2

    “Schöner Bericht, aber etwas ungenau mit dem Gründungsjahr beim Verein für Bewegungsspiele.” Was heißt ungenau? – Ich hab das doch nur geschrieben, um genau diesen Kommentar von Dir zu provozieren. ;P
    Für mich in meiner bunten Traumwelt bleiben wir auf jeden Fall immer sieben Jahre älter als der Glubb.

  3. 3

    Da bin ich auf deine Finte hereingefallen und lasse Dir deine bunte Traumwelt ;-)

  4. 4

    Meine Leserschaft ist das Ergebnis gelungener Werbung im Werderblog :)

    Schöner Beitrag und schön, dass ihr euch wohl gefühlt habt. Auch schön dass ihr von den Verkäuferinnen nett behandelt wurdet.

    Ich kann die Leute vom Metronom irgendwie verstehen, Nicht alle Fußballfans die Alkohol trinken sind angenehme Kunden. Feierabendbier um 13h find ich aber großartig *ggg*

    Das mit der Becher-Auswahl und Becher-Sammlung kenne ich schon von Kleinauf und überrascht mich daher natürlich nicht. Schön zu hören jedoch dass auch Auswärtsfans darauf Wert legen.

    Auch wenn ich immer auf der anderen Seite stehe war der Zustand in der Westkurve früher afaik so, dass dort immer schon nur solche Würstchenwagen standen. Daher ist alles was nach dem Umbau dort ist besser als vorher und das was dort jetzt steht wohl eher normal. :)

  5. 5

    [...] Fussballwurst.de » Wursttest » Ein Punkt bei Werder Bremen [...]

  6. 6

    1 von 5… Ein Grund mehr, um wie die Weser einen Bogen um das Bremer Stadion zu machen!:-)) Und zur oberen Wurst auf dem Foto: Ist das die Kinderportion?

  7. 7

    [...] vergebe, was aber auch mit an dem schönen Brötchen lag. Dies ist abweichend unseres letzten Besuches im Weser Stadion, was entweder daran liegt, dass sich was in Bremen bei der Wurst nachgebessert wurde oder nur an [...]

  8. 8

    [...] ausgerechnet hier erleben durfte. Und auch mein Ausflug nach Bremen im Frühjahr war trotz einer grauenhaften Wurst wirklich sehr nett. Genauso war mir der Verein Werder Bremen bis zu diesem Zeitpunkt immer [...]

Kommentar abgeben