Wer nur oben steht ist zu feige für den Abstiegskampf – Wurst vorm Duell des FCN beim VfL Bochum

bochumSamstagfrüh ging es am 24. Spieltag nach Bochum, um das Auswärtsspiel des Clubs im Stadion zu verfolgen, da noch Eisenbahnfahrkarten einer Lebensmittelkette übrig waren. Der VfL Bochum ist wohl der größte Schummler mit dem Gründungsjahr unter den 18 Bundesligisten. Denn der VfL Bochum 1848 wurde nicht wie erwartet 1848 gegründet, sondern ist erst 1938 aus einer Fusion entstanden und bezieht sich wie viele Bundesligisten mit der Jahreszahl auf einen Vorgängerverein. Damit ist er aber in der deutschen Eliteliga in guter Gesellschaft, denn 13 weitere Bundesligisten schummeln auch beim Gründungsjahr. Es wird einfach das Gründungsjahr des ältesten Vorgängervereins genannt, aus der die Bundesligavereine durch diverse Fusionen dann endlich entstanden sind. Ehrlich mit dem Vereinsalter wird beim heutigen Gegner der Bochumer umgegangen. Der wurde am 4. Mai 1900 als 1. Fußballclub Nürnberg gegründet und ist  seitdem am Spielbetrieb beteiligt. Neben dem Club ist man auch noch bei den Bayern, Werder, bei Köln und Wolfsburg ehrlich.

Wie schon erwähnt ging es mit dem Zug von Hamburg-Altona los.  Dieser hatte jedoch betriebsbedingt eine Verspätung von 15 Minuten. Irgendwann erschöpft sich die mitgebrachte Lektüre und man greift zum Bahnmagazin. Dort stößt man beim Lesen erst auf Dietrich und dann Herbert Grönemeyer. Herbert GrönemeyerDas wie gesagt bei einer Zugfahrt Richtung Bochum. Egal, man ist ja nicht abergläubisch und man wollte einen Dreier aus dem tiefen Westen mitnehmen. Am Hauptbahnhof in Bochum angekommen wurde erst mal die in einem Vortest beim VfL durch diverse Kommentare empfohlene Bratwurtstbude angesteuert. Dort isst der VfL-Fan seine Bratwurst, denn im Stadion isst der Bochumer nicht mal vorm Hungertod die Wurst. Die Verpflegung im Stadion wird von der gleichen Firma organsiert, die fast 40% der Fans in der ersten Bundesliga verpflegt.  Es ist das Bratwursthaus im Bermudadreieck, welches fußläufig zirka 10 Minuten vom Bahnhof entfernt ist.

WurstEs wurde die hochgerühmte Bratwurst bestellt, welche in der Gaspfanne zubereitet wird. Geliefert wird das gute Stück als Gezwicktes, was einen Exilfranken aus Hamburg entzückt. Dort bekommt man meistens die Senfpeitsche auf der Pappe mit Toastbrot angeboten. Das Brötchen ist rösch und lecker, wie es sich gehört. Zur Geschmacksverfeinerung werden drei Saucen in der Quetscheflasche angeboten: Ketchup und Senf in zwei Varianten. Einmal “mittelscharf” und dann noch “scharf”. Beide Senfsorten sind von Löwensenf. Nachdem ich mir die Quetscheflasche mit der Aufschrift “SCHARF” gegriffen hatte bemerkte ich, dass es sich um meinen Lieblingssenf handelte und ließ mir das per Rückfrage vom freundlichem Verkaufspersonal bestätigen. Leider habe ich vergessen den Prengel verbrannt zu bestellen. Der erste Biss enttäuschte nicht. Es ist eine leckere Wurst, die es da in Bochum gibt und dass auch scharfer Senf zur Auswahl steht zeigt, dass man sein Geschäft versteht. Weiß Gott, wann ich bei einer gekauften Bratwurst zuletzt auf scharfen Senf als Alternative zurückgreifen konnte. Verstehe aber die Bescheidenheit nicht, warum man den Senf so in einer neutralen Flasche auf dem Verkaufstresen präsentiert. Man kann doch voller Stolz dieses “Extra” vorweisen. Die Senfpeitsche stufe ich auch geschmacklich am oberen Ende ein. Schade, dass die Bratwurst in der Pfanne und nicht über Holzkohle zubereitet wird. Sonst wäre die Bochumer Bratwurst perfekt, sie ist für 2 Euro zu haben und es gäbe eine Spitzenwertung für die Fußballwurst in Bochum. So sind es “nur” 4,5 Sterne. Man kann jedoch hoffen, dass dort ein Holzkohlegrill installiert wird, denn gerade wird das Bratwursthäuschen im Bermudadreieck umgebaut.

(4.5/5)

Außerdem gab es dort für 2,20 Euro noch eine Currywurst, die auch aus der Bratwurst hergestellt wird mit einer sehr leckeren Soße und einem halben Brötchen zu haben.

Als Franke amüsiert mich nur der Currywurststreit über die Erfindung der Gleichen, der zwischen Berlin und Hamburg geführt wird. Mir ist es egal in welcher Stadt das Gericht erfunden wurde, erachte aber die aus darmlosem Brät bestehende Berliner Variante der Currywurst als Nummer Eins unter den deutschen Currywurstvarianten.

Gut gestärkt ging es dann zum Bergbaumuseum. Von ehemaligen Förderturm hat man bei schönem Wetter bestimmt eine gute Aussicht. Am Samstagmittag konnte man das Bochumer Stadion sehr gut sehen und auf der gegenüberliegenden Seite die Schalker Arena in der Ferne erahnen. So gut zwei Stunden vor Anpfiff ging´s weiter Richtung Stadion, denn man musste sich ja noch eine Karte kaufen, da es kurzfristig entschlossen wurde, dem Spiel beizuwohnen. Die Sitzplatzkarte kostete 25 Euro für den Gästeblock. Bei der weiteren Stadionumrundung kroch ein feiner Geruch von Holzkohlefeuer in die Nüstern, dem gefolgt wurde. An einer Stadionecke war ein Schwenkgrill aufgebaut, auf dem reichlich bestückt normale und Riesenbratwürste auf den Verzehr warteten. Es wurde eine normale Bratwurst bestellt, die wie im Stadion 2,40 Euro kostet, welche zur Verwunderung nochmal über die Glut gelegt wurde, damit sie warm wird. Der Bratling wurde mürrisch angenommen, mit Senf aufgepeppt und gegessen. Kommentare gibt’s keinen, denn die Senfpeitsche war fast kalt! Selbst Schuld, denn man wusste es ja eigentlich besser. Auf den Verzehr im Stadion wurde verzichtet.

Zirka eine Stunde vor Anpfiff ging es dann ins Stadion zu den Sitzplätzen im Gästeblock, wo man auf gut gelaunte Schalker traf, die überglücklich über den 2:1 Derbysieg gegen den BVB waren. In den Gästeblöcken war die Stimmung also gut, wo kurz vorm Anpfiff im augenscheinlich überfüllten Bereich der Stehplätze Bengalos gezündet wurden. Es wurden laut Meldungen aus den Medien acht Personen verletzt, denen ich hier nochmal gute Besserung wünsche. Vom Sitzplatz aus war nichts Ungewöhnliches zu sehen.

Es ist schade, dass immer wieder Unbeteiligte zu Schaden kommen, nur weil irgend welche zündelnden Jugendliche das Illegale reizt. Es wäre vielleicht hilfreich „heiße Zonen“ in den Stehplatzbereichen einzurichten, wo temporär das Abbrennen von Bengalos erlaubt ist. Man kann dann darauf reagieren und sich zurückziehen wenn die Situation gefährlich wird. Stadionverbote und dicke Strafen für die Vereine haben sich als der falsche Weg herausgestellt.  Schärfere Kontrollen beim Einlassen, wo die Raucher ihre Feuerzeuge abgeben müssen, reizen die Pyromanen noch mehr, eines der Zündstäbchen mit ins Stadion zu schmuckeln.

Ach ja: Fußball wurde ja auch noch gespielt. Man trennte sich schiedlich, friedlich 0:0. Dieses Spiel hatte keinen Sieger verdient und das Unentschieden geht in Ordnung. Was einerseits an unserer Unfähigkeit vor dem Tor und an einem überragenden Schäfer lag, der mehr als einmal das Glück des Tüchtigen bemühte um den Kasten sauber zu halten.  Schön wär trotzdem ein Sieg für den Club gewesen, denn dann hätte man zu Freiburg aufschließen können. Eine Enttäuschung war für mich der vom HSV ausgeliehene Tavares.

Dass wir nach Schlusspfiff vom Bochumer Publikum schon als Absteiger verhöhnt wurden war mir ziemlich wurst, denn Bochum hat nichts Relevantes auf dem Briefkopf stehen, während es beim Club neun Deutsche Meisterschaften und vier Pokalsiege sind. Ich würde sogar die zehnte Deutsche Meisterschaft gegen einen Abstieg eintauschen. Am Ende zählen im Fußball nur Titel und nicht wie oft ein Verein ab- und aufgestiegen ist.

Es ging mit der überfüllten U-Bahn zurück zum Bahnhof, wo der Zug den Hauptbahnhof mit 30-minütiger Verspätung verließ. Dies lag mal ausnahmsweise nicht an einer Betriebsstörung der Bahn, sondern an Fans aus Leverkusen die die Strecke aus Köln blockierten, damit die Geißböcke nicht ihre Mannschaft beim Rheinderby unterstützen konnten. Bis man in Hamburg ankam machte die Verspätung dann 45 Minuten aus, da auf dem eingleisigen Streckenabschnitt im Pott mehrere Züge unterwegs waren.

Der Ausflug kostete mich über 90 Euro. Das sind Minimum 6 Amateurfußballspiele in Hamburg, wenn man für Eintritt, Bratwurst und Getränken 15 Euro ansetzt. Es wird Zeit, dass der Ball auf Hamburgs Fußballplätzen endlich nach der winterlichen Zwangspause wieder rollt.

Links:

Spielbericht beim Kicker

Pressespiegel auf bei den Clubfans-United.de

Pressemitteilung der Bochumer Polizei zu den Verletzten

Video aus dem Gästeblock bei Bild.de

Autor: M.Dittmann
Datum: Sonntag, 28. Februar 2010 19:30 | Dieser Artikel wurde 2,685mal gelesen
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6 Kommentare

  1. 1

    Leute, im Block ist gar nix passiert. Das schreibt nur die Presse. Glaubt doch nicht alles was in der Zeitung steht und im Fernsehen kommt. Pro Pyro aber gegen die Skandal-Presse! Forza FCN!

  2. 2

    Es gab leider doch Verletzte. Habe die Links bekommen und hinzugefügt.
    Ich habe es leider auch nicht gesehen, Pedro.

  3. 3

    unabhängig von pyro muss ich sagen, dass der worschtblog eine klasse und schön umgesetzte idee ist. dank dafür und

    viele grüße

    beve

  4. 4

    Super, dass dir unser Bratwurstjournalismus gefällt und ein Dank für den Lob des Blogs.

  5. 5

    Die Wurst, die du im Bermuda Dreieck gegessen hast, gibt es übrigens mittlerweile auch wieder im Stadion!!! Falls der Glubb im kommenden Jahr, egal in welcher Liga, wieder nach Bochum kommen sollte, hau dir ne Doenninghaus rein, trink ein Fiege und vergebe 5 Sterne =) Bier und Wurst aus der eigenen Stadt…wo gibt es das heute denn noch!?

  6. 6

    Haben es schon mitbekommen, dass der VfL in dieser Saison wieder zu Doenninghaus gewechselt hat. Sehr schön und freu mich schon auf meine nächsten Besuch im Ruhrstadion, gerne auch mit dem Glubb, aber hoffe das wir uns in der ersten Liga wieder sehen.

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