Bratwurst vorm Zwischenrundenspiel der Europaliga des HSV gegen PSV Eindhoven

hsvDer  Amateursport  kapituliert vor den Massen,  welche Frau Holle aus ihrer Bettdecke schüttelt.  Bis zum Donnerstag waren es laut des Deutschen Wetterdienstes über 22 Milliarden Tonnen Schnee.  Für den Hamburger Fußballverband sind Generalabsagen das einzig probate Mittel, um irreguläre Spielbedingungen zu verhindern, die Verletzungsgefahr bei den Spielen zu reduzieren und um weiter aussagekräftige Tabellen zu haben. Aber warum man es nicht den Vereinen überlässt über eine Spielansetzung zu entscheiden, ist für mich nicht verständlich. Das Verletzungsriskio der Spieler schätze ich ähnlich hoch, bei einem vom schneebefreiten rotem Rasen, wie im Sommer ein, wenn das Rot nicht satt, sondern verstaubt ist.  Ähnlich verhält sich das wohl auch mit Kunstrasen. Freundschaftsspiele werden im Moment genau auf jenen Geläufen ausgetragen, jedoch ist wettkampfliches Klingenkreuzen auf Verbandsgeheiß untersagt. Den Spielleitern der Klassen wachsen wohl auch graue Haare, will man die ausgefallenen Spiele bis Ende Mai nachholen. Es droht der Europapokalzyklus im Amateurfußball und vollgepackte Ostern und, wenn das noch ein wenig weitergeht, auch Pfingsten.

Die ganze Ballrepublik Deutschland ist von Schnee besetzt und es rollt kein Ball. Nein, die beiden deutschen Eliteligen  leisten dank des Zaubermittels Rasenheizung erfolgreich Widerstand gegen die winterliche Lähmung des Leders. So ergab es sich am Donnerstagabend mal wieder ein Spiel im Volkspark erleben zu dürfen, denn es war das Zwischenrundenspiel der Europaliga HSV gegen PSV Eindhoven angesetzt, wo man auf Grund der späten Ansetzung auch noch entspannt Karten erwerben konnte. Mein Herz im Profifußball schlägt für den Club, mein Hamburger Fußballherz gehört Altona93 , bin aber HSV-Gourmet-Fan. Etwas unglücklich an der Ansetzung war aber, dass die anderen Spiele erst um 19 Uhr angepfiffen wurden und mir nur knapp 15 Minuten des Bremenspiels möglich waren.

Es ging also zum Treffpunkt und man verzehrte erst mal das Grundnahrungsmittel bei Fußballspielen: Die Fußballwurst. Wir essen unsere Würste nicht mehr im Stadion sondern vorm Stadion, denn die Bratwurst dort ist Mist (wie bei 7 weiteren Bundesligisten), denn die Fanverpflegung wird vom gleichen Betreiber organisiert. Schade eigentlich, da fährt man durch die Ballrepublik und isst die gleiche Bratwurst beim Auswärtsspiel wie beim Heimspiel. Hoffe nicht, dass es soweit kommt und auch das Catering exklusiv über DFL abzuwickeln ist, weil es mehr Geld für die Vereine bringt.

WurstAufgesucht wurde diesmal die Fanmeile, welche nach dem Shuttle Grill die zweite Stadion nach dem Tunnel auf dem Fußweg zum Stadion ist. Dort wird das Fleisch mit Holzkohle verbrannt. Auf dem großen Schwenkgrill sind laut Anschlag Krakauer, Brat- und Schinkenwürste für 2,50 Euro mit Toastbrot zu finden. Zudem ist auch Nacken mit Brötchen für 3,00 Euro vorrätig. Die Brötchen fürs Nackensteak sind auch auf dem Grill zu finden, da es sich um Aufbackware handelt, welche in einer großen Tüte unter dem Verkaufstresen zu sehen ist.  Der Senf und Ketchup kommt aus dem Spender und ist augenscheinlich von Heinz. Bestellt wurde die obligatorische angekohlte Bratwurst und es wurde nach einem Brötchen gefragt. Geliefert wurde eine Krakauer mit Toastbrot auf Pappe, denn die Bratwurst war aus und das Brötchen für den Nacken reserviert.  Komplett daneben. Naja, immerhin Holzkohle und die Krakauer war zumindest schön anzsehen. Was ich aber eher als Zufall einschätze.

Bin ja kein Anhänger von gebrühten Würsten auf dem Grill  und setzte mich für ungebrühte Bratwürste mit frischen Brötchen ein. Brühwürste gehören im Wasser zubereitet und nicht auf einem Grillrost. Aber das ist meine Meinung und es gibt ja zum Glück noch andere.  Geschmacklich fehlt mir daher die Referenz, denn ich habe bisher kaum verbrannte Krakauer gegessen und ich kann deswegen nicht sagen, ob es sich um eine gut gegrillte Krakauer handelt. Mir hat sie erstaunlicherweise geschmeckt, doch leider  wurde die Wurst nur auf Pappe mit Toastbrot geliefert. Die auf dem Rost ausgelegten Würste waren sehr gleichmäßig, was auf die gleiche Industrieware schließen lässt, die auch im Volkspark feilgeboten wird. Die Holzkohle bekommt einen Extrapunkt, was in Summe dann 3,5 Sterne macht. Abzüge fürs Toastbrot und dafür, das anstatt der Bratwurst eine Krakauer geliefert wurde. Der Preis ist mit 2,50 Euro angemessen für die mächtige Krakauer.

(3.5/5)

Neben dem Grillstand kann man dort auch noch diverse Getränkestände antreffen.  Man kann gezapftes Holsten für 2,00 Euro und diverse andere Getränke zum gleichen Preise beziehen. Kaffee ist dort für günstige 1 Euro zu haben.  An einem anderen Getränkestand bekommt man Bier in Flaschen. Warum da unter anderem aber Astra und Becks mit im Verkauf ist, kann ich nicht nachvollziehen. Einen Glühweinstand, passend zur Witterung, habe ich auch noch dort gesehen.

Es ging gestärkt per pedes weiter Richtung Stadion.  Dort angekommen, ging es durch die Stadionkontrollen in den Block. Versorgt hatte man sich ja schon und es gibt wegen den UEFA-Vorschriften nur alkoholfreies Bier bei internationalen Spielen, obwohl die PSV-Fans, welche sich über die S-Bahn Stellingen zum Stadion aufmachten, als umgänglich erwiesen.  Irgendwann vorm Anpfiff wurde auch der Ball präsentiert. Hätte nur noch gefehlt, dass ein Interview des Balldesigners auf der Anzeigentafel übertragen worden wäre, der über die Vorzüge des tollen, neuen Spielballes referiert hätte.  Dies droht wahrscheinlich den Besuchern des Europaligafinales, welches ja in diesem Jahr in Hamburg ausgetragen wird. Dann gibt es ja noch eine weitere Besonderheit in der Europaliga in der Saison. Es wird der Einsatz von den unparteiischen Nummer4 und 5 getestet, welche jeweils hinter den Torlinien platziert sind. Deren Aufgabe es unter anderem ist, bei strittigen Situationen im Strafraum den Hauptschiedsrichter zu informieren. Dies können Fouls und Tore sein.  Aber speziell bei Toren finde ich, sollte man sich auf die Entscheidung der regulären Schiedsrichter verlassen, denn es immer noch schön, nach Jahrzehnten mit einem Engländer über das Wembleytor zu diskutieren. Zudem schaut das Gehampel der Hintertorschiedsrichter ziemlich dämlich aus. Ich würde es ich auch als eher  nutzlos bezeichnen, aber seht selbst.

Weitere Videos über den dämlichsten Job im Profifußball findet ihr in unserem Youtube-Kanal.

Hoffe nicht, dass nicht der Chip im Ball und den Schuhen der Spieler als mögliche Konsequenz bei einem Scheitern des Experiments kommt, da den dämlichen Job kein Unparteiischer mehr machen will. Man schaut sich ja auch kein Videospiel an. Der Fußball lebt vom Zufall und falsche Schiedsrichterentscheidung neutralisieren sich über die Saison. Die Schiedsrichter sind ja auch nur Menschen und ich finde es unfair, wenn Spielszenen in der Superzeitlupe dargestellt werden, um aufzuzeigen, dass die Unparteiischen falsch lagen.

Das Spiel gewann der HSV glücklich mit 1:0 gegen PSV Eindhoven, denn was die Niederländer an Chancen ausließen, ging auf keine Kuhhaut. Es wird noch harte Arbeit für den HSV, erfolgreich im Phillips-Stadion zu Eindhoven zu bestehen.  Beeindruckendend war aber die Einwechslung und Spielweise des Ruud van Nistelrooy, der beim HSV schon nach einem Spiel den Status des Messias erreicht hat. “Van the Man” spielt die meisten Bälle direkt und hat einen unheimlichen Zug zum Tor. Zudem steigt er bei Kopfbällen immer ein Stockwerk höher als seine Gegenspieler, die ihn bei Standards immer gedoppelt haben.  Für den PSV spielte er bis vor seinen Wechsel zu Manu, wo er in 67 Spielen beeindruckende 62 Tore schoss.  Schön fand ich, dass van Nistelrooy nach Spielschluß Richtung PSV-Fans gewunken hat, welche ihn bei seiner Einwechslung bejubelten haben. Schade für den HSV ist, dass Olic nicht gehalten werden konnte,  denn die beiden haben ähnliche Spielweisen. Sie lieben den direkten Ball und haben einen sehr starken Zug zum Tor. Beide würden gut harmonieren. Als der Transfer bekannt wurde, dachte ich mir als Clubberer, abwarten und Teetrinken. Jetzt hoffe ich, dass wir am 33ten Spieltag bei unserem Gastspiel im Volkspark zu Altona schon gesichert sind, oder dem Ruud der Oberschenkel zwickt, denn vor ihm muß man Respekt haben.

Negativ aufgestoßen ist mir als Fußballfan, dass die Niederlage Bremens von den HSVern hämisch bejubelt wurde. Es geht ja auch um den vierten Startplatz in der Champions League für die deutschen Vereinsmannschaften, das Erreichen des dritten Platzes in der UEFA-Fünf-Jahres-Wertung winkt, wo auch der HSV hinmöchte. Bei aller Konkurenz, die beflügelnd ist: So sollte man nicht reagieren. Ich als Clubberer freue mich auch über jeden Bayerrnsieg im internationalen Wettbewerb. Ich wünsche dem HSV in Eindhoven viel Glück. Das braucht er auch, wie allen weiteren Bundesligavereinen.

Gegen 23 Uhr ging es wieder zu Fuß Richtung S-Bahn, beeindruckt von Ruud, auf den Nachhauseweg.

Links:

Spielbericht beim Kicker

Spielbericht beim Abendblatt

Bilder vom Abendblatt

Spielzusammenfassung bei Youtube

Autor: M.Dittmann
Datum: Sonntag, 21. Februar 2010 14:51 | Dieser Artikel wurde 1,669mal gelesen
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Ein Kommentar

  1. 1

    Allerdings: Der 4. und 5. Mann sind so überflüssig wie ein Kropf. Bei meinem letzten Besuch im Volkspark (dürfte gegen Hapoel gewesen sein) hat der Torschiedsrichter nicht ein einziges Mal eingegriffen. Und er hat sich weniger bewegt als dieser hier in 27 Sekunden. Er hätte sich zumindest als Karlchen Reinlich nützlich machen und Gegenstände vom Rasen entfernern können. (Wäre auch eine gute Versicherung gegen Papierkugeln.) Nicht mal das hat er getan. Das gehört einfach abgeschafft.

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