Ruudtrip ins Ländle – Zu Gast im 3/4-Stadion beim VfB Stuttgart

logo-vfb-stuttgartSamstag, 13.02.2010, 02:00 morgens: irgendwo in Kiel klingelt unbarmherzig unser Wecker. Verdammt früh, aber was tut man nicht alles für das Auswärtsspiel des Hamburger SV in Stuttgart. Also ab ins Auto und losgefahren, denn der Wetterbericht verhieß nun wirklich nichts Gutes – und tatsächlich begann es zu schneien, sobald wir nach fünf Minuten auf der Autobahn ankamen. Das sollte dann auch die gesamte Fahrt über so bleiben, man hätte auf der Autobahn wunderbar die Langlaufwettbewerbe der Olympischen Spiele veranstalten können. Von Streufahrzeugen keine Spur, Deutschland ächzt wohl unter Streusalzmangel. Umso erstaunlicher, dass wir nach nur knapp 10 Stunden Fahrt bereits gegen Mittag in Stuttgart ankamen. Aber was tut man nicht alles für unseren HSV.

Das Auto bei Bekannten abgestellt, Trikot und Schal angezogen und ab ging es ins Stadion. Dort angekommen erst einmal Verwirrung allenthalben. Wo ist der Eingang zum Gästeblock? Ist er etwa, wie die gesamte Untertürkheimer Kurve, dem Stadionumbau zu einer reinen Fußballarena zum Opfer gefallen? Das Loch anstelle der Kurve war allemal ein ungewöhnlicher Anblick. Ein recht unfreundlicher Ordner deutete uns auf Nachfrage an, dass “irgendwo da hinten” ein Durchgang sei, den wir nehmen müssen. Nach einiger Verwirrung fanden wir schließlich auch eine kleine Nische im Zaun, die sich als Eingang zum Gästebereich entpuppen sollte. Nach einem langen Marsch durch die Katakomben des Stadions trafen wir schließlich auch im Gästeblock ein, wo nach den ganzen Anstrengungen erst einmal ein Bier der 0,4 l-Klasse auf uns wartete. Es kommt von der Firma Dinkelacker und kostet 3,00 Euro, das geht im Bundesligavergleich wohl in Ordnung. Ebenfalls im Angebot sind Softdrinks und alkoholfreier Punsch, der sehr zum Leidwesen der mitgereisten Damenwelt jedoch als Winterpunsch getarnt war.

Nach der kurzen Stärkung begaben wir uns in den Gästeblock, wo die Stimmung ob der langen Anfahrt der auswärtigen Anhängerschaft allgemein recht heiter war. Den Beginn des Spiels haben wir jedoch lediglich akustisch vernommen, da die vor uns aufsteigende Nebelwand nahezu die komplette Sicht auf das Spiel versperrte. Hurra – die Hamburger sind da! Ab der 5. Minute konnten wir dann doch ein zunächst ausgeglichenes Spiel mit Chancen auf beiden Seiten bewundern, ehe Markus Berg einen Traumpass von Guy Demel unhaltbar in Maschen drosch! Was für ein Auftakt, so konnte es weitergehen. Doch der VfB kam zurück ins Spiel, hatte viele hochkarätige Chancen und gelegentlich roch es merkwürdig nach Elfmeter (und Rauchbomben). Den gab es jedoch nicht und so stand es zur Halbzeit 1:0 aus Sicht unseres HSV.

vfb-wurstDer Magen rumorte, es war Zeit für die obligatorische Wurst. Der Verpflegungsbereich für uns Gästefans bestand aus drei provisorischen Buden außerhalb der Stadionmauern. Auf Nachfrage wird uns erklärt, dass aufgrund des Stadionumbaus aktuell keine richtige Verpflegungszone existiere. Je eine Bude gab es für feste und flüssige Nahrung, eine Dritte kümmerte sich um eine kleine Auswahl Süßigkeiten und die Pfandrückgabe. Bestellt wurde die klassische Bratwurst für 2,50 Euro, weiterhin im Angebot waren Schinkenwurst und Nacken. Laut Verkäuferin ist der Hersteller der Wurst die Firma Remagen. Gegrillt wurde, wie bei großen Mengen heutzutage leider üblich, auf einer Bratplatte. Auf Nachfrage beim überaus freundlichen Servicepersonal konnte der Bräunungsgrad der Wurst selbst bestimmt werden, alle Fleischwaren wurden im frischen und knackigen Brötchen serviert. Senf stand im großen Spender bereit, den einige HSV-Anhänger begeistert für alle Interessierten ausgiebig bedienten. Trotz der Tatsache, dass es sich um eine Industriewurst handelte, war der Geschmack auch aufgrund der punktgenauen Zubereitung gut. Zusammen mit dem freundlichen Service, dem Bier und dem frischen Brötchen verdient die Wurst daher auch dreieinhalb Sterne.

(3.5/5)

Den Magen gefüllt ging es zurück an den Platz, die zweite Halbzeit konnte beginnen. Der diesmal nicht ganz so intensive Nebel verzog sich rasch und gab den Blick auf stürmende Stuttgarter frei, die nach tollem Offensivfußfall sehr bald den verdienten Ausgleich erzielten. Und auch anschließend hatte man den Eindruck, dass der VfB sich mit diesem Ergebnis nicht zufrieden gab bis… ja, bis ER kam. Van the man, Van Goal, Ruuuuuuuuuuuud!!!!!. Innerhalb von zwei Minuten zeigte er gleich zwei Mal, was man sich in Hamburg von ihm erwartet. Er knipste. Eiskalt. Ohne Kompromisse. Unnachahmlich. Fußball-Senior Jens zog, wie schon so oft in der Vergangenheit in England, gegen Ruud den Kürzeren. Mit guten Traditionen soll man halt nicht brechen. Was für ein Märchen, der Gästeblock flippte kollektiv aus, spätestens jetzt hatten alle mitgereisten Hamburger einen neuen Publikumsliebling. Was folgte, war kollektiver, nicht enden wollender Jubelgesang auf Hamburgs neues Sturmjuwel und die Lust auf mehr berauschenden Fußball im Stadion. Stuttgart hatte dem HSV nun nicht mehr viel entgegenzusetzen und so blieb es beim zuletzt dann doch verdienten Auswärtssieg der Hamburger.

Abschließend an dieser Stelle noch ein Lob an den Gastgeber. Zu keinem Moment vor, während oder nach dem Spiel lag ein Hauch von Aggressivität seitens der VfB-Fans in der Luft. Im Gegenteil: Trotz ausgiebiger Siegesgesänge von unserer Seite blieb alles friedlich. Auch während diverser Siegerbiere, die wir anschließend in einer Stuttgarter Kneipe im HSV-Trikot zu uns nahmen, kam keinerlei Irritation oder schlechte Stimmung auf.

Autor: C.Bloecker
Datum: Freitag, 19. Februar 2010 13:47 | Dieser Artikel wurde 1,739mal gelesen
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11 Kommentare

  1. 1

    Jaaa, der VfB! Ist doch zumindest wurstmäßig ein recht gutes Ergebnis im Profiligenbereich. Spiel aus meiner Sicht natürlich eher mit tragischem Verlauf, aber einem Gegner mit so einem starken Spieler muss man wohl auch mal nicht unverdiente drei Punkte jönne könne. Auf jeden Fall danke für den ersten Wursttest im Neckarstadion.

  2. 2

    Ja, das war doch mal ein richtig erfreuliches Fußballspiel. Ich habe es in Aachen mit einem Freund geschaut und ihn dann später ob der BVB-Niederlage getröstet.

    Auch schön, dass es in der Bundesliga mal eine gute Wurst gibt.

  3. 3

    Die Wurst war wirklich gut und ich hoffe, dass dies auch nach dem Stadionumbau noch der Fall ist, wenn die provisorischen Buden nicht mehr stehen. Vielleicht war sie ja auch gerade deshalb so gut?

    Bei Gelegenheit ist also auf jeden Fall noch ein Test im Heimbereich des Stadions nötig.

  4. 4

    Der Test im Heimbereich des Stadions steht auf der Liste ganz oben, versprochen!

  5. 5

    Sag Bescheid, wenn Du jemanden brauchst, der Dein Bier hält, während Du das Bratwurst-Foto machst, Renz….

  6. 6

    Das Viertelfinale der CL wär doch eine schöne Gelegenheit. Würde mit ins Bernabeu kommen und am 6. oder 7. April hätte ich Zeit ;-)

  7. 7

    Auf solche Spiele kann man einfach nur neidisch sein. Aber solltet Ihr den Heimspieltest zufällig gegen den HSV veranstalten… ich würde einen erneuten Test im (dann ja vielleicht fertigen) Gästeblock vornehmen!

  8. 8

    In Stuttgart muss natürlich die “Rote Wurst” gestestet werden und nicht die Bratwurst. Eine echte “Rote” gibts meines Wissens nach auch nur dort. Ist optisch am ehesten mit einer dicken Bockwurst zu vergleichen. In Inhalt und Geschmack natürlich anders und unübertroffen und nur echt wenn vom Grill.

    Grüsse aus dem Schwabenland vom Europaleagueteilnehmer ;-)

  9. 9

    Hallo MetaHook,

    über die berühmte “Rote” ist ja bereits in einigen Artikeln kontrovers diskutiert worden. Allerdings bin ich dann jedoch ein wenig enttäuscht vom VfB, denn die gab es im Gästebereich in Stuttgart nicht. Vielleicht haben die Angst, dass lokale Delikatessen hier nicht ankommen?

    Wie auch immer und auch wenn es weh tut: Viel Spaß iom Europapokal! Werde ihn nächstes Jahr doch sehr vermissen.

  10. 10

    [...] welches – wie aufmerksamen Lesern von fussballwurst.de natürlich bekannt ist – schon in der vergangenen Saison lediglich ein 3/4-Stadion war, wird diesen Status auch in dieser Saison behalten, da der Umbau in ein reines Fußballstadion [...]

  11. 11

    [...] ich nicht auf die exzellente “Rote” warten. Zwei überdurchschnittliche Wertungen (hier und hier) wurden von fussballwurst.de bereits für diese Wurst abgegeben. Und auch ich kann dies [...]

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