Brot und Spiele – die Hamburger Hallenmeisterschaft

HFV

Am 29. Dezember war in der Alsterdorfer Sporthalle die Meisterschaft der Hamburger Amateure im Hallenfußball angesetzt. Ich bin zwar kein Fan vom Budenzauber, denn das ständige Getingel geht mir auf den Zeiger – aber es war ein interessantes Teilnehmerfeld zusammengekommen, das knapp 1.500 Zuschauer anlockte. An den Start gingen neben St. Pauli II die sieben Bestplatzierten der Hamburger Oberliga. Also  SC Victoria, Altona 93, Meiendorfer SV, Curslack-Neuengamme, Buchholz 08, Niendorfer TSV und Bergedorf 85. Es versprach ein interessanter Abend zu werden, denn alle Mannschaften können ja Fußball spielen. Nominell war Vicky, der ewige Hamburgmeister auf dem Feld, trotz eines anwesenden Regionalligisten auch der Favorit auf den Hamburger Hallentitel. Dem Hamburger Hallenmeister 2010 winkte neben einem ordentlichen Geldbetrag auch die Teilnahme am Schweinske-Cup am kommenden Wochenende, wo sich dieser mit den Großen messen kann.

Es wurde in zwei Gruppen gespielt und es qualifizierten sich jeweils der Gruppenerste und-zweite für die Halbfinals. Der amtierende Hallenmeister Curslack-Neuengamme schied punkt- und torlos aus.

GRUPPE A

FC Bergedorf 85 – TSV Buchholz 08 3:3
FC St. Pauli II – SC Victoria 1:3
SC Victoria– FC Bergedorf 85 5:2
TSV Buchholz 08 – FC St. Pauli II 1:3
FC Bergedorf 85 – FC St. Pauli II 1:3
SC Victoria – TSV Buchholz 08 3:1

1. SC Victoria mit 9 Punkten
2. FC St. Pauli II mit 6 Punkten
3. TSV Buchholz 08 mit 1 aber 5:9 Toren
4. FC Bergedorf 85 mit 1 und 6:11 Toren

GRUPPE B

Altona 93– Meiendorfer SV 2:4   (Video vom Spiel)
SV Curslack-Neuengamme – Niendorfer TSV 0:2
Niendorfer TSV – Altona 93 3:4 (Video vom Spiel)
Meiendorfer SV – SV Curslack-Neuengamme 3:0
Altona 93 – SV Curslack-Neuengamme 5:0
Niendorfer TSV – Meiendorfer SV 1:1

1. Meiendorfer SV mit 7 Punkten
2. Altona 93 mit 6 Punkten
3. Niendorfer TSV mit 4 Punkten
4. SV Curslack-Neuengamme punktlos

So kamen es zum Halbfinale Vicky gegen Altona, wo wir etwas unverdient im 9m-Meterschießen verloren. Das Spiel endete 0:0 in der regulären Spielzeit, was aber kein langweiliges Spiel war, denn die Schwarzweißrot-Gestreiften trafen mehrfach die Torbegrenzung aus Metall.

Das zweite Halbfinale bestritten die Meinendorfer gegen die kleinen Kiezkicker. Meinendorf gewann das Spiel verdient mit 3-1, so dass es zum 9m-Schießen zwischen uns und St.Pauli II kam, welches gleich im Anschluß ausgetragen wurde.

Beim fälligen 9m-Schießen um den 3. Platz ging ein Großteil der Bausparer hinter das Tor. Ich blieb sitzen und schaute es mir von zirka 70 Meter Entfernung an. Zudem stand auch die anwesende Fraktion des Ultra St.Pauli auf, um sich direkt neben den Altonafans zu platzieren. Mit dem USP haben wir von Altona 93 seit Jahren ein besonderes Verhältnis, was an diesem denkwürdigen Tag einen neuen Tiefpunkt bekam, welcher einmal mehr vom USP gesetzt wurde. Im Laufe des Turnieres gab es schönen Singsang von beiden Seiten. So antworteten wir auf das Lied der USPler, laut dem diese soziale Zecken sind und unter Brücken oder in der Bahnhofsmission schlafen mit dem Schlachtruf „Fußball, Bausparen, Altona“, was vom Altonaer Bausparverein kommt – für die die nicht aus Hamburg sind: eine Wohnungsbaugenossenschaft. Des Weiteren brachten wir „St.Pauli, McDonalds und die CDU“ zum Besten. Dies nimmt auf die Retteraktion für den FC St. Pauli Bezug. Man konnte damals Retter-T-Shirts beim Burgerbrater an der Reeperbahn kaufen. Der amtierende Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg (CDU) beteiligte sich beim Verkauf der T-Shirts.

Es gibt zwar noch weitere Bausparer-USP-Anekdoten, die aber den Rahmen, des Berichtes sprengen würden. Zurück zum aktuellen Tiefpunkt. Nachdem wir uns im 9m-Schießen durchsetzten, prügelten die hinter dem Tor anwesenden USPler auf uns Bausparer ein. Es wurde sich gewehrt und es entwickelte sich eine zünftige Balgerei inklusive Bierduschen, welche ich von der Tribüne verfolgten musste. Die Bilanz der Bausparer waren zwei Verletzte, die USPler von uns fernhalten wollten, was eigentlich Aufgabe des Sicherheitsdienstes ist. Dieser kam aber zu spät. Zudem wurde ein älterer Mann, der unweit des Geschehens saß, von Sannis weggetragen.  Wie es bei den USPler war weiß ich nicht, denn die verliessen schleunigst den Ort ihrer Schandtat und waren nicht mehr in der Alsterdorfer Sporthalle anzutreffen. Wünsche allen eine “Gute Besserung”!

Dass der USP die Maske herunterriss und seine hässliche Fratze zeigte, bestätigten mir auch anwesende St.Pauli-Fans bei einem Bier, die näher am Brennpunkt waren als ich. Die Aggression ging von den USPlern aus. Mal schauen, was sich diese Pimpfe als nächstes einfallen lassen. Vielleicht verbünden sie sich ja mit dem Barmbeker Pöbel zu einer „unheiligen Alianz“, getreu dem Motto, der Feind meines Feindes ist mein Freund. Ich hoffe, dass aber die Verantwortlichen im Kiezclub handeln und die richtigen Schlüsse ziehen. Vielleicht schafft es der USP ja auch alleine. „Wehret den Anfängen“, bevor das ganze noch weiter eskaliert.

Danach war der Abend gelaufen und das Sportliche rückte für mich in den Hintergrund. Das Finale gewann Meiendorf gegen Vicky mit 5:2, somit spielt Meiendorf beim Schweinske-Cup am kommenden Wochende als Hamburgmeister. Mit  Berkan Algan stellten wir den besten Spieler und mit Pierre Becken den besten Torschützen. Der beste Torwart des Turniers kam aus Meiendorf.

So genug der Spiele, nun aber zum Brot, denn Essen und Trinken gab´s ja auch noch.

Als Bier war Astra für 3,50 Euro im 0,5 Liter Pfandbecher im Verkauf. Das Gleiche zahlte man für Softdrinks im gleichen Gebinde vom größten Hersteller der Welt. Dann war ein Crêpes-Stand neben den Hotdogs auszumachen. In der Ecke gab es noch diverse Fischspezialitäten. Wie das ganze preislich angesiedelt war, weiß ich nicht. Fehlt nur noch das zum Fußballspiel gehörende Grundnahrungsmittel, die Bratwurst. Den Stand mußte man etwas suchen. Ging man der Nase nach dann fand man ihn, denn es roch nach Verbranntem. Wäre ja auch mehr als eine Enttäuschung wenn der Co-Sponsor der Veranstaltung seine Produkte nicht zum Verkauf anbieten würde, auch wenn es sich nur um Industrieware handelt. Am Bratstand gab´s aber dann doch eine Enttäuschung denn es waren nur zwei Wurstsorten im Verkauf. Man konnte sich eine Schinkenwurst für 2,50 Euro zulegen oder eine Bratwurst für unglaubliche 3 Euro. Auch die Auswahl an Saucen zur Wurstverfeinerung war sehr beschränkt. Es gab nur abgepackten Kühnesenf-Mittelscharf, welche in einem Korb zur Entnahme bereitliegt. Ketchup war keiner auszumachen. Ich bestellte die obligatorische Bratwurst und bekam eine Schinkenwurst geliefert. Dankeschön dafür. Zahlte auch die 3 Euro ohne mich zu beschweren. Die Schinkenwurst wird vermutlich über einem Gasrost verbrannt. Hoffe nicht, dass die Würste in der Alsterdorfer Sporthalle elektrifiziert auf das Ende warteten. Geliefert wurden diese mit einem Brötchen, welches minderer Qualität war. Das geht auch besser, denn es war Dienstagabend und mit etwas Mühe hätte man auch ein anständiges Brötchen servieren können. Insbesonders bei diesen stolzen Preisen. Lobenswert erwähnen muss man den schweizerischen Wurstbrater, der über die traurige Wurstlandschaft in Norddeutschland sinnierte und über die Vorzüge der Schweizer Kalbswurst referierte. Die Wartezeit war sehr kurzweilig. Ich ersparte mir den Seitenhieb, dass er mir eine Schinkenwurst als Bratwurst vorgemacht hat. Den Verbrennungsgrad ließ man mich nicht bestimmen, da der Grill von der Kasse aus uneinsehbar ist. Man wurde nicht mal gefragt, wie man die Wurst haben möchte.

WurstDa ich noch nicht viele Schinkenwürste gegessen habe fehlt mir die Referenzquelle, aber geschmacklich kommt die nicht an die Bratwurst heran. Ich fand schon den ersten Biss nicht schön, denn die Wurstpelle ist immer härter als bei Bratwürsten. Getreu dem Motto “Schuster bleib bei deinen Leisten”  vergebe ich diesmal keine Wertung für die Wurst, aber einen Sonderstern für den Wurstologen am Stand und für den Senf einen halben Stern.

(1.5/5)

Empfehlen kann ich die Hamburgerhallenmeisterschaft mit der Wurstbrille nicht, denn bis auf den Eintritt ist sie im Konsum viel zu teuer. Man zahlt zwar nur 8 bzw. 4 Euro ermäßigten Eintritt dann war´s das aber auch schon. Auch für Kinder ist ein Halblitergetränk zu viel und Papa muß den Kleinen helfen. Das wird wohl beim Schweinske-Cup nicht anders sein.

Links

Bericht bei HAFO

Das schreibt das Abendblatt

Das schreibt der NDR

Autor: M.Dittmann
Datum: Donnerstag, 31. Dezember 2009 17:44 | Dieser Artikel wurde 1,387mal gelesen
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