Sie war klein, dick und wies eine vornehme Blässe auf – Die Wurst bei Borussia Dortmund
Als ich noch ein kleiner Junge war, gab mir mein Vater ein 5 Mark-Stück und schickte mich zum Wurstholen. Ich ging voller Stolz und ein wenig aufgeregt zum Wurststand, wo ich gerade mal über den Grill gucken konnte und bestellte mit zitternder Stimme zwei Bratwürste. Die Würste genossen mein Vater und ich dann im Stadion von Flensburg 08. Ich erinnere mich nicht mehr daran, wie das Spiel ausging oder wer der Gegner war, aber daran, dass ich das erste Mal in meinem Leben selbständig Wurst holte. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste ist, dass diese Wurst immer der Maßstab für alle anderen folgenden Fussballwürste sein würde. Sie war einfach perfekt.
Im umgekehrten Sinne erging es mir dann im Westfalenstadion, welches in den Medien nun leider Signal Iduna Park heißt. 74600 Zuschauer fieberten der Partie Borussia Dortmund gegen Mainz 05 entgegen. Bei Flensburg 08 waren gerade mal 100 Zuschauer im Stadion, was mir damals schon extrem viel vorkam. Aber genug von sentimentalen Erinnerungen aus vergangenen Kindertagen.
Das Stadion und die BVB-Fans sind ein Erlebnis. Man steht in diesem wunderschönen Stadion und bekommt eine Gänsehaut, wenn man auf die schwarz-gelbe Wand hinter dem Tor blickt. Die Stimmung ist wie immer fantastisch auch wenn es zur Halbzeit nur 0:0 steht zwischen Dortmund und Mainz und das Spiel eine unterdurchschnittliche Bundesliga-Partie ist. Aber nun zum Wesentlichen. Der Halbzeitpfiff war gerade zu hören und ein ausgewiesener Fussballwurst-Liebhaber und ich machten uns auf den Weg eine Wurst zu holen. Ich musste mich kurz zusammenreißen, damit ich einen objektiven Wursttest vornehmen konnte, da ich noch berauscht war von den Fans und dem Koloss, der nun wirklich nichts mit einem Park gemeinsam hat.
Wie ich schon befürchtet hatte, war es ziemlich voll und orange Schilder wiesen uns den Weg. Was für den Fussballwurstkenner natürlich schon ein schlechtes Zeichen ist, da es an den Catering-Betreiber vom Volksparkstadion erinnert. Bei näherem Hinsehen musste ich dann leider auch noch feststellen, dass die Kassen, die Heinz-Tunken-Spender und auch sonst alles identisch ist. Links von mir konnte man anatolische Spezialitäten kaufen und Pizza, was nun wirklich nichts in einem Stadion verloren hat auch wenn diese zu meinen sonstigen Lieblingsspeisen zählen, wenn es keine Wurst gibt.
Aber egal, nachdem ich mich geschmeidig an der niemals endenden Schlange vorbeischlich, bestellte ich bei einer angestrengten, aber sehr freundlichen jungen Dame zwei Wurst (Auch wenn es viele nicht wissen: Der Plural von Wurst ist Wurst) und zwei Bier, die mir unglaublich schnell hingeworfen wurden. “13 Euro 20″ sagte die junge Dame und zeigte hektisch auf die bestellte Ware. Das Bier in großzügigen Bechern (0,5 l) der Marke Brinkhoff´s No. 1 hatte eine Abbildung eines BVB-Spielers aufgedruckt und verfügte über einen extrem praktischen Haltegriff, so dass ich gemütlich Senf aus dem Spender auf die Wurst im Brötchen pressen konnte.
Zurück am Sitzplatz, ja ich bin gesessen, schaute ich mir die Wurst genauer an. Sie war klein und dick und wies eine vornehme Blässe auf. Jetzt war ich natürlich gespannt wie ein Flitzebogen und voller Erwartung, was ich für die 2,10 Euro erwarten konnte.
Sie war kalt, fast noch roh und schmeckte fürchterlich. In diesem Moment verstand ich warum die Verkäuferin mir die Wurst so lieblos hinwarf. Sie war nicht in Eile, sondern ekelte sich vor ihr und war froh diese endlich von sich wegzukriegen. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine Fussballwurst nicht aufgegessen habe trotz riesigem Hunger und der Liebe zur Wurst.
Kurzum, so eine Wurst haben weder das Stadion noch die Fans verdient. Ich kann nur inständig an den Betreiber appellieren dieses schnellstmöglich zu ändern. Leider kann ich der Wurst nur 0 Punkte geben. Falls es die Dortmunder tröstet, dem Bier, den Fans und dem Stadion hätte ich volle Punktzahl gegeben, aber beim Fussball geht es halt immer um die Wurst.




(0/5)































Freitag, 11. Dezember 2009 18:00
Hart, aber scheinbar fair. Da muss man über die mäßige Fleischstange im Volkspark ja fast froh sein!
Freitag, 11. Dezember 2009 18:54
Schöner würdiger Artikel für den BVB, die Fans und das Stadion. Nur die Wurst scheint nicht würdig zu sein. Liegt das niederschmetternde Urteil nur daran, dass sie so kalt war? Sowas darf selbstverständlich nicht passieren und ist hoffentlich nur eine Ausnahme. Gab es noch eine 2. Vergleichswurst?
Freitag, 11. Dezember 2009 21:22
Wirklich Schade.
Die Dortmunder Borussia ist aktuell die Hertha in der Bratwurstgeschmacksliga und dass obwohl es so ein schönes Bratwurstlied gibt.
http://www.youtube.com/watch?v=MM_9mgzbxQM
Das Lied ist aber wohl etwas älter, als die Welt im Westfalenstadion noch in Ordnung war. Ich hätte etwas mehr erwartet, als ne kalte Senfpeitsche.
Kann man eigentlich beim aktuellen Namensgeber gegen Fehltritte des Verzehrmonopolisten versichern?
Freitag, 11. Dezember 2009 21:52
Geradezu erschütternd. A propos Hertha: Die führt gerade gegen Leverkusen. Trotzdem bleibt die BVB-Wurst auf Hertha-Niveau.
Völlig zu Recht wurde hier übrigens auf die Identität von Singular und Plural des Terminus ‘Wurst’ hingewiesen!
Samstag, 12. Dezember 2009 1:11
Also ich war dabei. Habe mich allerdings mehr auf Biertests konzentriert und kann von daher keinen qualifizierten Kommentar zur Wurst abgeben …
Freitag, 22. Januar 2010 22:08
nun hab ich den schönen artikel auch endlich mal gelesen. beim sentimental-rührenden intro habe ich eine träne im knopfloch gehabt, ich alter emo. nächstes mal bin ich im westfalenstadion (da können noch so viele versicherer und banken unsere stadionnamen verunglimpfen) dabei, ne wurst würde ich nach dem artikel aber nur essen, wenn der caterer die biege gemacht. 0 ist hart, aber für ne kalte rohe ekelwurst ist auch nicht mehr drin.
Mittwoch, 3. Februar 2010 20:23
Das mit der kalten Wurst ist wohl wirklich kein Einzelfall gewesen. Ging einem HSV-Fan im Gästeblock genauso.
http://twitter.com/C1887C/status/8146224634
Donnerstag, 27. Mai 2010 16:36
Die Ekelwurst kann ich nur bestätigen! Das ist keine Ausnahme sondern Standard im Westfalenstadion, leider. (Wie man munkelt wird die Wurst ja auch in Gelsenkirchen produziert, was will man da erwarten?)
Aber als Südtribünen-Dauerkarten-Besitzer weiß man ja das man die Fußballwurst besser ausserhalb des Stadions vorm Anpfiff verköstigt. Und da gibt es einige gute Würstchenbräter rund ums Stadion! Wer zu Fuß von der Möllerbrücke zum Stadion läuft genießt natürlich die beste Currywurst von Dortmund im Hubertus Grill! Lecker! Prost!
Samstag, 3. Juli 2010 11:59
Die beste Wurst ( Das sagen viele ) , gibts direkt neben dem Stadion.
Direkt vor der Roten Erde ( Altes Stadion).
Gehn wa zum Kukuck ( Name des Betreibers ) ist ein Schlagwort in Dortmund.
Krosse , saftige Bratwurst die wirklich schmeckt und nicht aus Gelsenkirchen kommt !
Die Wurst im Stadion kannze inne Tonne kloppen.