Wurstprovinz Teil 1

dfs_wl_d_felde_tusEin Samstag im November. Die Tatsache, dass es Mittags noch nicht geregnet hat, lässt einen glauben, man könne sich  ohne Wetterkomplikationen nach draußen in den Herbst wagen. Da am Abend ohnehin eine Geburtstagsparty in Kiel ansteht, geht es von Hamburg endlich mal wieder Richtung Norden.

Kaum auf der Autobahn angekommen verrät es bereits der erste Blick über Schleswig-Holsteinische Felder: Das mit dem Wetter war nur ein Trick – natürlich wird es regnen. Aber das ist ja eigentlich auch egal. Fussball im Regen ist auch was Feines. Auf dem Platz wird mehr gegrätscht, neben dem Platz sind nur noch Leute die es ernst meinen mit der viel bemühten „Liebe zum Spiel“ und in der Halbzeit gibt’s ne schöne heiße Wurst. Dieses Gefühl gibt‘s in den großen Stadien des Landes natürlich nicht mehr, aber in der Kreisliga Rendsburg-Eckernförde kann man sich genau darauf freuen. Mit diesen Gedanken mache ich mich auf den Weg zum Spiel SG Felde / Stampe gegen den FC Schinkel.

img_0612Felde liegt ca. 80 Kilometer nördlich von Hamburg und ist der Ein-Dorf-Speckgürtel von Kiel. Nur wenige Autominuten vor der Landeshauptstadt finde ich ein beschauliches Dörfchen mit schicken Häuschen vor. Dazu einen Sportplatz der sich sehen lassen kann: Rasenplatz, Werbebanden rundrum, eine kleine Tribüne, ein erstklassiges Vereinsheim mit Blick ins Stadion und alles schön gelegen. Und dann steht da mitten in der Idylle sogar noch eines von diesen DFB-Bitburger-Feldern. Waren die nicht eigentlich für Regionen in denen man nicht derartig perfekte Bolzbedingungen vorfindet wie in Felde? Sieht irgendwie alles nicht nach grauer Kreisliga aus. Tatsächlich galt Felde lange Zeit als Kaderschmiede von Holstein Kiel. Über heutige und ehemalige Verbindungen beider Klubs will ich hier gar nicht spekulieren. Das geht mich nix an und es interessiert mich auch gar nicht. Die Leute sind hier nämlich alle sehr nett -  semiprofessionelles Getue wie ich es bei einigen anderen Mannschaften dieser oder ähnlicher Klassen schon in unangemessener Weise gesehen habe, liegt hier allen fern.

Das Spiel weiß auch zu unterhalten. Im Schlagerspiel  gegen den Konkurrenten von der anderen Seite des Kanals macht Felde das Spiel. Das 1:0 fällt jedoch erst  am Ende einer spannenden ersten Halbzeit. In der zweiten Halbzeit entwickelt sich ein echtes Kampfspiel. Eine Gelb-Rote Karte für die Gäste, viele Chancen und ein weiteres Tor für die Gastgeber sind die Highlights bis sich die dezimierten Gäste in der Schlussphase noch mal aufbäumen, den Anschlusstreffer erzielen und es noch mal spannend machen. Am Ende bleibt es beim 2:1.

img_0613Alles super also? Naja – es gibt keine Wurst. Also doch ein Bonzenklub? Ich gebe zu dass ich das im ersten Moment gedacht habe. Aber in Felde ist das eben so. Da geht man in der Halbzeit ins Vereinsheim. Setzt sich an einen Tisch im Wintergarten und isst eine Frikadelle  (wirklich sehr lecker aber selbstverständlich ohne Wertung) oder ein Stück Kuchen. Und wenn dann in der zweiten Halbzeit der Kassierer rumkommt und noch den Sportgroschen einsammelt dann kann man sich sicher sein, dass man eben doch auf einem ganz normalen Sportplatz im schönsten Bundesland der Welt ist.

Vielleicht würden trotzdem auch mal über 50 Leute kommen wenn man sich bei Heimspielen ein bisschen mehr auf die Primärtugenden des Fussballcatering kümmern würde (einen hättet Ihr dann schon mal sicher). Nicht vergessen liebe Felder: Es geht immer um die Wurst beim Fussball.

Autor: S.Beyer
Datum: Freitag, 27. November 2009 16:14 | Dieser Artikel wurde 1,389mal gelesen
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4 Kommentare

  1. 1

    Schade, schade. Da müssen sich die Felder auch nicht wundern, dass nur 50 Leute bei einem Spitzenspiel vorbeischauen.

    Das würde es im Süden der schönen Republik nicht geben.

    Noch ist das Bratwurstwüste, aber wie man auch durch James Algar weiß beginnt auch die Wüste an zu Leben. Er hat das in seinem Film “Die Wüste lebt” dokumentiert.

    Potential wäre ja da, zumal die Wurst bei der großen Konkurrenz eher fragwürdig ist. Vom Bier ganz zu schweigen.

    Ach, was für Hopfenblütentee ist denn dort im Ausschank?

  2. 2

    Es gibt feinstes Dithmarscher!

  3. 3

    Im Namen der Ligamanschaft der SG Felde / Stampe vielen Dank für den freundlichen Artikel.

    Wir haben diesen am Wochenende in unserer Stadionzeitung zusammen mit einem Hinweis auf diese wunderbare Seite voller Stolz abgedruckt.
    Die Planungen für ein Wurstangebot in der Rückrunde sind auch angelaufen ;)

    Viele Grüße vom Herbstmeister der Kreisliga RD/Eck!

  4. 4

    Wenn Ihr dann mit einer groben, dicken ungebrühten Wurst plant die noch über Holzkohle verbrannt wird. Seid Ihr das nächste mal ganz weit vorn.
    Dann noch ein frisches, leckeres Brötchen. Ne Wurstwelle und Senfspender. Super.

    Wenn möglich noch scharfen Senf als Alternative, dann seit ihr nicht nur Herbstmeister, sondern auch Wurstmeister ;-)

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