Unter Wölfen – Wursttest eines beglubbten beim VfL Wolfsburg

vflwolfsburgSamstagfrüh ging es vom Hamburger Hauptbahnhof mit dem ehemaligen Oberliganord-Ticket, oder auch als Niedersachsenticket bekannt, nach Wolfsburg, um dem Spiel des Clubs gegen die Wölfe in der VW Arena beizuwohnen. Die Fahrt dauert einfach fast vier Stunden. Die Fahrt von Hamburg nach Wolfsburg wäre jedoch deutlich schneller möglich, wenn die Fahrpläne zwischen einer Privatbahn und dem Alphatier im deutschen Eisenbahnwesen abgestimmt wären. So waren auf der Hin- und Rückfahrt ein Fußballspiel mit Nachspielzeit an Wartezeiten dazwischen. Im Bahnhof Uelzen gab es unter anderem eine unerklärbare Zwangspause. Die Fahrt stoppte  für über 20 Minuten, um dann pünktlich um 21 Uhr die Fahrt gen Hamburg fortzusetzen. Die Frage, ob in Uelzen weitere Kunden zusteigen, wurde von den Eisenbahner negiert, denn  es ist nicht für den Fußballer das Größte wenn die Null steht. Auch ein Eisenbahner findet es schön, wenn der Zug bis um Null steht, um dann weiterzufahren.

Nach unnötig langer Fahrt kam man drei Stunden vor Anpfiff in Wolfsburg am Bahnhof an. Dort wehen über dem Haupteingang drei Bahnfahnen und eine Fahne des aktuellen deutschen Fußballmeisters mit dem neuen Vereinswappen des VfL Wolfsburg. Wenn man 1945 gegründet wurde und auf keine Tradition zurückgreifen kann, so ist es zudem wenig hilfreich sich ein neues Vereinswappen zu geben.  Das geschwungene ‘W’ kann  als Anstecker auch als ‘B’ durch gehen und könnte auch von Werder Bremen Fans genutzt werden, da sich die Bremer Raute und der VfL Wolfsburg die Vereinsfarben teilen. Ich fand das ‘W’ mit den Burgzinnen besser. Neben dem Deutschen Meistertitel kann man zudem in Wolfsburg stolz sein noch nie aus der Bundesliga abgestiegen zu sein. Das können nur der Hamburger SV, FC Bayern München, Bayer 04 Leverkusen und die TSG 1899 Hoffenheim von sich behaupten.

Bei dem heutigen Gegner, dem 1. Fußball Club Nürnberg Verein für Leibesübungen e. V, oder FCN oder Club, schaut dies anders aus. Er hat schon allerlei Superlative in seiner über einhundertneunjährigen Geschichte. Neben den neun Deutschen Meisterschaften stehen auch vier Pokalsiege auf dem Briefkopf. Im Übrigen ist der Club immer noch deutscher Rekordmeister in Jahren gerechnet. Mit dem Gewinn der sechsten deutschen Meisterschaft im Jahre 1936 war der Club bis 1987 deutscher Rekordtitelträger. Mittlerweile ist jedoch der FC Bayern mit 21 Titelgewinnen seit 1987 mit dem Gewinn der zehnten Deutschen Meisterschaft offiziell Deutscher Rekordmeister. Inoffiziell ist das aber immer noch der Club mit über 51 Jahren! Den Titel hat der Club nach Adam Ries erst im Jahre 2038 los. Da Adam Ries auch Franke war, ist immer noch mit den Franken zu rechnen. Die Legende lebt!

Aber es gibt auch Superlative der anderen Art. Der FCN ist neben Arminia Bielefeld auch Rekordabsteiger und alleiniger Rekordaufsteiger. Der Club ist der einzige Verein, der nach einer Meisterschaft oder einem Pokalsieg abgestiegen ist und hat somit auch schon mal das Deppendouble gewonnen. Zu toppen wäre das nur noch, wenn ein Doublegewinner in der darauffolgenden Spielrunde absteigt. Wenn dann kann das nur der Club schaffen. Das wäre dann Meisterschaft Nummer 10 und somit auch minum sechs Spiele in der Champions League, Pokalsieg Nummer 5 und man müßte sich den Titel des Rekordabsteigers nicht mehr mit Bielefeld teilen. Mir wär´s Wurst, denn an diesen “Deppen” habe ich vor über fünfundzwanzig Jahren mein Fußballherz verloren. Der Club ist ein “Depp” und ich mag ihn. So, genug Zahlen und Leid eines Clubberers, aber daraus ist Leidenschaft geworden und hoffe ich habe euch nicht zu sehr gelangweilt.

hugel Ich gehe zurück zum Bahnhof. Die dort anwesende Bereitschaftspolizei war freundlich und hilfsbereit und erklärte wie man auf den Weg zur gut ausgeschildert VW Arena am VfL Stadion vorbei kommt. 3 Stunden vor Anpfiff ist für Wolfsburg zu früh und es wurde erst mal am alten Stadion die Nase platt gedrückt. Jetzt tragen da die Wölfinnen und die  Wolfwelpen ihre Spiele aus. Weiter ging´s bis zu einer Brücke, welche einen Bogen über den Mittellandkanal schlägt, um den ersten Blick auf die VW Arena zu erhaschen. Man läuft durch eine „Allee“ auf den Ehrengasteingang zu und ist am Stadion. Links davon sind Brat- und Getränkestände auszumachen, wo man neben dem Bekannten auch Hamburger im Verkauf sind. Das dort verkaufte Bier ist von der Privatbrauerei Wittingen. 3 Euro kostet der 0,4 l-Becher. Im Stadion kostet es dasselbe und war zumindest im Gästeblock alkoholfrei. Bei einer Stadionumrundung bis zum Gästeblock kommt man auch am Hügel vorbei, welcher „Quälix“ Magath, auch ehemaliger Clubtrainer, bei seiner Ankunft in Wolfsburg bauen ließ. Mit Magath sind wir auch schonmal aufgestiegen. Er übernahm uns von einem Abstiegsplatz und führte uns in der gleichen Saison zum Aufstieg in die Bundesliga.

der-sitzDie Einlasskontrollen erinnern mehr an einen Flug als an einen Stadionbesuch. Der komplette Inhalt aller Taschen wird in ein Kunststoffbehältnis getan und man wird zweimal abgetastet. Durch das Entleeren aller Taschen war im Übrigen auch meine Stadionordnung weg. Fehlt nur noch, dass man durch einen Detektor geht und  die Schuhe auszieht. Aber auch auf dem Sitzplatz hat man nur soviel Platz wie in einem Flieger. Schlimmer wird es nur noch, wenn ein Nebensitzer vorbei muss. Hoffe, dass der Wolfsburger Fan mehr Freiraum hat. Und nochmal Flugzeug. Nervig empfand ich zudem, dass die Statistikankündigung an der Anzeigentafel jeweils fünf Minuten vor dem Ende der beiden Halbzeiten mit einem Knall begann, da ein Ball das Seitenleitwerk eines Flugzeugs traf. Verantwortlich für diese Störung ist die Fluglinie „Hauptstadtluft“. Gar nicht meisterlich fand ich den Wunsch nach „Guter Besserung“ einer Betriebskrankenkasse, als ein Clubspieler nach Foul verletzt ausgewechselt wurde. Wenn einer weiß, wie wir im Jahre 1920 nach dem Gewinn der ersten Meisterschaft uns gegenüber der Gästemannschaft verhalten haben, würde ich es gerne wissen.

Der Ausgang des Spiel ist ja weitreichend bekannt und möchte ich hier auch nicht näher drauf eingehen. Ich war mit dem Spiel und dem Verlauf sehr zufrieden und diesmal endlich kein Depp, nachdem es ja zwischenzeitlich so ausgesehen hatte. Zudem nomminiere ich die Wolfsburger Spieler für den Oscar in der Nebenrolle wegen ihrer schauspielerischen Leistungen. Mehr als entäuscht war ich von “Zwetschge”. Vehs Angstgegner ist der Club. Er hat jetzt vier Spiele in Folge gegen uns verloren. Drei in der Pokalsiegersaison 2007 mit dem VfB Stuttgart und jetzt mit dem VfL Wolfsburg.

Nun aber zum leiblichem Wohl im Gästeblock, das man nach 19 Euro für einen Sitzplatz erleben kann. wolfswurstDer Verkaufsstand hier heißt Soccer Cafe und wird, wie so vieles hier, von einer Tochter des ortsansässigen Autoherstellers betrieben. Der Betrieb ist so organisiert, wie man gute Autos baut. Schnell, sauber und zudem freundlich. Aber wenn man erfolgreich Autos baut, heißt das noch lange nicht, dass man mit dem gleichem Konzept auch eine anständige Bratwurst servieren kann. Bei einem Auto, wie bei einer Bratwurst sind Kundenwünsche das Größte und das lassen sich die Firmen gut bezahlen. Kaizen würde auch bei Bier und Bratwurst helfen, welche man 2,50 Euro käuflich erwerben kann. Für eine Buliwurst ist das günstig, zumal mancher Oberligist in Hamburg 2,30 Euro für die Senfpeitsche nimmt. Es war zum Beispiel nicht möglich, den Bräunungsgrad des Prengels zu bestimmen. Man bestellt die Wurst und schon hat man sie. Da macht sich Kanban bemerkbar. Die Bratwurst landet dann mit Brötchen auf der so geliebten Wurstwelle, welche den Zahlvorgang vereinfacht, da man die Hände frei hat, um nach dem Geldbeutel zu greifen. Da, wie schon erwähnt, meine Stadionordnung durch die Einlasskontrollen dahin war, brach ich kurz in Stress aus, denn der Geldbeutel war nicht mehr in seinem angestammten Platz. Zum Glück fand ich ihn dann doch wieder jedoch nicht da wo er normalerweise ist, sondern zusammen mit den anderen Utensilien in der mitgebrachten Tasche. Zubereitet wird der Prengel im Übrigen in einer Edelstahlpfanne, welche mit Gas erhitzt wird. Die Wurst kommt vom Autometzger, genormt, gleichmäßig und  gerade, ne Industriewurst halt. Der Senf ist von Voss & Zobus und man quetscht ihn aus dem Spender in die Wurstklemme. Meine natürlich die Sättigungsbeilage oder auch Brötchen damit. Dieses Brötchen ist eine Schande für das Bäckerhandwerk und würde auch als Schwamm zur Feuchtigkeitsaufnahme taugen. Das geht so nicht, da es ein Samstagsspiel war und auch samstags frische, leckere und rösche Brötchen möglich sind. Geschmacklich war ich alles in allem von dem Gesamtpacket aus Bratwurst und Brötchen enttäuscht. Der Senf aber schmeckte mir und die Servicekräfte waren geduldig und freundlich, sodass ich doch 2,5 Sterne vergebe.

(2.5/5)

Aber es gibt auch noch reichlich andere Alternativen dort. Eine ist laut Lars Krüger wohl die Currywurst, welche während des Spiels über Twitter kam, ich aber das erst nach Spielschluss gelesen habe. Die kann man für 2,80 Euro erwerben und wird mit Schwammbrötchen geliefert. Zudem noch Brezeln, Frikadellen und  Schnitzel, welche sich in der Preisspanne von 1,70 bis 3,30 Euro bewegen. Außerdem gibt es dort noch eine kleine Fischtheke im Rollwagen, welcher die Fastenspeise zu Preisen zwischen 3,00 und 3,50 Euro anbietet.

Das Wittinger Bier dort ist alkoholfrei und kostet wie schon erwähnt 3 Euro. Die anderen alkoholfreien Getränke sind vom größten Softdrinkhersteller der Welt und kosten 2,80 Euro und sind im pfandfreien 0,4l-Becher zu haben. Kaffee, Redbull und Kinderpunsch, dort heißt er Wölfepunsch, kosten zwischen 1,90  Euro und 3 Euro.

Nach dem Siegtreffer in einem packenden Spiel ging es ebenso entspannt als Clubberer unter den geschlagenen Wölfefans zum zurück Bahnhof, um sich auf die unnötig lange Rückreise mit dem Niedersachsenticket nach Hamburg zu machen.

Danke nochmal liebe Wolfsburgfans. So geht nicht jeder mit einer Niederlage um. Ich komme gerne wieder in der nächsten Saison, um die Currywurst zu testen.

VfL Wolfburg

Spielbericht beim Kicker

Spielzusammenfassung in bewegten Bildern

Kluges Siegtreffer

Dominic Maroh,  Michael Oenning und Armin Veh direkt nach dem Spiel

Veh und Oehing in der Pressekonferenz

Pressespiegel zum Spiel auf Clubfans United

Autor: M.Dittmann
Datum: Montag, 23. November 2009 13:39 | Dieser Artikel wurde 3,489mal gelesen
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2 Kommentare

  1. 1

    “Rekordmeister in Jahren ist immer noch der 1. FC Nürnberg”

    Ich bin beeindruckt von Deiner fränkischen Mathematik! Das habe ich noch nie gehört, aber wenns im Geiste des werten Adam Ries(e) errechnet wurde, muss es wohl richtig sein. Gibts im Web eigentlich irgendwo noch mehr Seiten, auf denen genauso argumentiert wird? Und was wohl die Bayern Fans dazu sagen?

  2. 2

    Mathematik lügt nicht und es stimmt somit.

    Ich glaube dass wir die einzige Seite sind, wo das so dezidiert vertreten wird.

    Die Bayernfans wissen das wohl gar nicht, sonst wären sich ja auch so beclubbt, so wie ich. ;-)

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