Serrano und Chorizo an der Costa Blanca
Mitte Oktober, unweit der spanischen Costa Blanca. Eine Abordnung von fussballwurst.de befindet sich auf dem Weg zu einem internationalen Bratwurst-Test auf der iberischen Halbinsel. Zuhause sind wir heute in der zweiten spanischen Liga, genau genommen am untersten Tabellenende – der Elche C.F. ist Vorletzter in seiner Spielklasse. Elche ist bekannt für seine großen Palmengärten und hat etwas mehr als 200.000 Einwohner. Fußballerisch sind hier vor allem Valencia- und Barca-Fans unterwegs – mit Murcia und Alicante sind aber auch zwei weitere Liga-Kontrahenten in unmittelbarer geografischer Nähe vertreten. Und der Elche C.F. hat vor wenigen Jahren sogar in der Primera Division gespielt. Dennoch kommen selten mehr als 6.000 Fans ins 38.750 Zuschauer fassende Stadion. Und darunter heute auch endlich einmal echte Bratwurst-Experten.
Von außen wirkt das Estadio Manuel Martinez Valero wie eine im Rohbau belassene Baustelle. Moderne Glasfronten und farbige Verschalungen wie man sie aus den neudeutschen Arenen kennt, vermisst man hier. Angst um die Sicherheit vermischt sich mit eigenem, ganz sympathischen morbidem Stadioncharme. Am Schalter stehen vier Preiskategorien zur Verfügung: Kinder zahlen 10, Kurvensitzer 20, alle anderen 30 bzw. 40 Euro – je nachdem, ob der Sitzplatz der Sonne ausgesetzt ist oder ein Schattendasein weilt. Gesalzene Preise für ein Zweitligaspiel! Wir verlangen Eintrittskarten für den Bereich, in dem die beste Stimmung sein soll, also für die Kurve bei den Ultras. Selbstredend, dass Stehplätze nicht vorhanden sind – Sitzkissen kosten natürlich extra…
Flugs das Portal passiert und die Plätze aufgesucht. Zwei steil angeordnete Ränge verlaufen einmal rund um das komplette Stadion, ein Stadiondach gibt es nicht. Wir sitzen ziemlich genau hinter dem Tor – fast in der letzten Reihe des Unterranges. Nicht auszudenken, was für eine geile Stimmung hier möglich wäre, wenn das Ding ausverkauft wäre! Um uns herum Zuschauer aller Altersklassen, auffällig gut gekleidet. Der Großteil hätte genau so gut im Theater ein Plätzchen gefunden, ohne aufzufallen. Und wie das beim Fußball so ist: Kaum riecht man das saftige Grün des Rasens verlangen Geist und Körper nach Bratwurst und Bier.
Vor Spielbeginn herrscht am Verpflegungsstand Stille. Und so bekommen wir in aller Ruhe das komplette Sortiment vorgeführt – und das hat es in sich: Getränkeseitig ist eine große Palette an Softgetränken, Tee und Kaffee im Angebot. Dazu zwei Sorten alkoholfreies Bier. Gerstensaft mit Umdrehungen gibts nicht. Das Mahou sin alcohol (2 €) weiß indes zu überzeugen und dient als erfrischender und durstlöschender Softdrink. Essensseitig vermisst die Kennernase sofort den Geruch von Wurstfett. So oft die Bratwurst herbei gewünscht wird, es bringt nichts – hier ist keine warme Wurst zu holen – weder mit Brötchen, Toastbroatdreiecken oder sonstwas. Dafür werden verschiedene Wurstbrötchen (3,50 €) angeboten – auf spanisch Bocadillo genannt. Zur Auswahl stehen: Bocadillos mit Serrano-Schinken, 2 Sorten Chorizo-Salami, Thunfisch oder Käse. Wir entscheiden uns für ein Bocadillo mit Serrano und eins mit Chorizo. Käse und eine nicht näher definierte rote Streichsubstanz sind inklusive.
Unterm Strich: Die Spezialitäten sind heimischer Natur – ob sie vom Metzger um die Ecke sind, muss stark angezweifelt werden. Vielleicht haben wir doch eher die Salzbrenner von Alicante im Brötchen gehabt. Der Lunch hat geschmeckt und gesättigt, auch wenn ein Salatblatt oder eine Gemüsebeilage vermisst wurde. So wurden die teuren Bocadillos zu einer etwas trockenen Angelegenheit. Immerhin war der Service mehr als vorbildlich, denn das Serviceteam nahm sich ausführlich Zeit, uns alle Produkte vorzuführen – dafür einen halben Extra-Punkt. Dennoch reicht es nur für eine Bewertung aus dem unteren Drittel der fussballlwurst.de-Skala – und eine Bratwurst hätte auch gut ins Estadio Manuel Martinez Valero gepasst!




(1.5/5)
Das Spiel weiß die 5.998 Zuschauer und 2 Bratwurstexperten jedoch zu begeistern. Gegner Recreativo Huelva hat zunächst weniger vom Spiel, macht aber doch das 1:0 und gibt dann kräftig Gas. Erst kurz vor der Pause können die Gastgeber zum 1:1 ausgleichen. (Beim Halbzeittee packen die Spanier durchgehend ihre Snacks aus und machen uns damit deutlich, warum hier keiner eine Bratwurst vermisst – die bringen ihre Leckereien einfach selber mit! Zum Nachtisch gibts dann Sonnenblumenkerne, mit denen das Stadion schön eingesaut werden kann: Hundertausende von entkernten Pipas säumen schon zur Beginn der zweiten Halbzeit die steilen Ränge.) In der zweiten Hälfte zeigen die Gäste noch einmal, dass sie das Spiel gewinnen wollen und dass sie als Favorit heute nach Elche gekommen sind. Binnen zehn Minuten schießt jedoch der C.F. zwei Tore und hat das Ding gedreht. Statt 0:1 steht es nun 3:1! Oma und Opa liegen sich nebenan in den Armen, unsere Nachbarn klopfen uns auf die Schulter und die Ultras schreien nun endlich so laut, wie man es von ihnen erwartet! Recreativo verkürzt zwar noch einmal per Foulelfmeter auf 3:2 – doch das Ding ist schließlich gegessen. Weil sämtliche Akteure des Elche C.F. nach allen Regeln der Kunst Zeit schinden: Hinfallen, Schmerzen markieren, Debattieren, Ball ins Aus spielen, Frisur auf Vordermann bringen, taktische Wechsel usw. usw.
Schließlich feiern die Gastgeber ihren zweiten Heimsieg und können sich aus dem Tabellenkeller befreien. 5.998 Zuschauer und 2 Bratwurstexperten verlassen das Stadion. Letztere haben einen schönen Fußballabend an Spaniens Mittelmeerküste erlebt – ihr Bratwursttraum konnte in Elche aber nicht erfüllt werden …
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Montag, 26. Oktober 2009 22:47
fussballwurst.de scheut keine mühen und kosten, um die werte leserschaft mit fußball-impressionen aus dem ganzen sonnensystem zu versorgen. mir fällt nur auf, dass die letzten vier tests schlecht bis sehr schlecht ausfielen. es wird doch mal wieder zeit für ne richtig gute fettpeitsche!
Montag, 26. Oktober 2009 23:55
Das sehen wir genauso. Zur Not müssen wir in den nächsten Tagen mal den Hausgrill anschmeissen …
Dienstag, 27. Oktober 2009 19:26
Noch besser. Guerillagrillen beim Spitzenspiel im Wohnzimmer am nächsten Sonntag.
Nette Atmosphäre dort beim Elche FC. Wünschen denen, dass die die Klasse halten. Auch gut zu wissen, dass Eigenversorgung geduldet wird. Ist aber auch angebracht bei den Eintrittspreisen!