Die Wurst am Gramkowweg in Curslack-Neuengamme

svcnSpitzenspiel der Hamburg-Liga. Der Zweite (Altona 93) trifft am letzten September-Samstag auf den Vierten (SV Curslack-Neuengamme). Beide haben 14 Punkte und liegen damit ganze zehn Zähler hinter Spitzenreiter Victoria Hamburg. Austragungsort ist der Kunstrasenplatz am Gramkowweg in den Vier- und Marschlanden. Heimspiel für Curslack-Neuengamme also und damit ein bislang ungetesteter Ground!

Hier finden sich in der Hamburg-Liga die meisten Zuschauer ein, nach dem Platz der Adolf-Jäger-Kampfbahn. Etwa 500 Personen haben bislang im Schnitt die Heimspiele von “CN” verfolgt, heute sind jedoch nur 275 Zuschauer da. Ein paar davon sind – sehr zur Freude der regionalen Presse – schon seit dem Vorabend zu Gast. Eine Mischung aus AFC und Tennis Borussia Berlin-Anhänger (die am Vortrag beim FC St. Pauli II gastierten) haben zwei Zelte aufgestellt, allerhand Bier eingepackt und einen Grill aufgestellt. Respekt!

Das Abendblatt, die Hamburger Lokalpostille, kann hierzu folgendes erzählen:

“Einige Fans von Altona 93 etablieren gerade eine neue Form, ihr Team zu unterstützen: Auswärtszelten! Als nämlich am Samstagmorgen gegen 11 Uhr die ersten Curslacker Betreuer den Platz am Gramkowweg betraten, staunten sie nicht schlecht. Begrüßt wurden sie von ein paar treuen Gästefans, die auf einem Grasflecken hinter der Gegengerade im Zelt übernachtet hatten. Einen eigenen Grill hatten sie ebenfalls mit und natürlich leckeres Bier. Offenbar wird diese Tradition von einigen der Anhängern des AFC seit der letzten Saison gepflegt. Erfolgreich war das Ganze auch noch: Altona gewann mit 4:1. Trotz der Niederlage nahm man in Curslack das “Entern” des eigenen Stadions aber locker. Betreuer Behrend Schulz : “Die waren so leise, dass man sie die ganze Nacht nicht gehört hat.”

Nicht zuletzt wegen den Auswärtszeltern entwickelt sich eine prima Stimmung bei den Altonaern. Der AFC reißt von Beginn an das Spiel an sich und weiß den Zuschauern zu gefallen. Bei den Gegnern indes machen sich der “Siebener” und der “Zehner” unbeliebt – Foulspiel, gegnerische Fans anpöbeln, Fehlpässe. Der klassiche Fußballnachmittag nimmt seinen Lauf und wenn alles gerecht wäre, stünde es in der Pause bereits 3:0 für die Kicker von der Griegstraße. Durch einen kapitalen Abwehrschnitzer und einer mangelnden Chancenvewertung auf Seiten des AFC reicht es nur zur Punkteteilung beim Pausentee. Zeit, sich mit der Wurstsituation vertraut zu machen!

Die Wurstauswahl liefert uns Erwartbares, nicht aber Unerwartbares. Will heissen: Die Auswahl besteht aus den klassischen Dreien: Bratwurst, Schinkenwurst und Krakauer liegen zu je 2 Euro auf dem Gasgrill. Der Service ist schnell und zuverlässig, was nicht weiter überrascht – schließlich tragen die Herren an der Verpflegung vorschriftsmäßige Dienstkleidung, die auf dem Rücken den Schriftzug “Stadion-Catering” enthält. Es riecht nach großer, weiter Arena-Welt.

Senf, Ketchup, Brot indes sind nicht zu sehen. Auf Nachfrage werde ich an einen Beistelltisch verwiesen, auf dem alle Köstlichkeiten enthalten sind. Der Senf aus dem großen Spender, hinzu kommt eine Flasche Gewürzketchup unbekannter Marke. Sehr ausgefallen das Mehrkornbrot – adäquat in Scheiben aufgeteilt. Weiterhin wurde sogar echtes Schwarzbrot angeboten. Servietten, Wursthalter aus Pappe – alles Notwendige vorhanden und vorbildlich aufgestellt. Überraschungen sind – bis auf das Schwarzbrot – Mangelware.

Doch das wichtigste ist und bleibt der Geschmack. Die Schinkenwurst ist wie die auch später getestete Krakauer kross und zeigt sich auch von den Ausmaßen von der gewohnten Seite. Die Wurst schmeckt dem Testteam und macht schließlich Lust auf mehr – die Krakauer wird noch etwas besser empfunden. Zwischen erstem und zweitem Test erkundige ich mich beim Catering-Team nach dem Hersteller – obgleich ich den Braten schon gerochen habe. Überall wird mit Salzbrenner geworben – und auch hier bekomme ich die Massenmanufaktur direkt vom Grillmeister bestätigt. Zwar gebe es in Curslack einen exzellenten Hausmachermetzger – “wir beziehen die Wurst aber vom Salzbrenner!” Sowie ein paar Mars-Riegel, Snickers und Ültje-Nüsse.

Und so reiht sich diese Wurst nahtlos in viele vorherige Tests ein. Ja, es schmeckt – und nach der ersten Wurst möchte man eine Zweite. Aber der Wurst-Gourmet vermisst zugleich die ausgefallene Note und die echte Handwerkskunst. Das Ergebnis liefert uns also – wie schon die Auswahl – Erwartbares, nicht aber Unerwartbares. Und so würde ich eigentlich drei durchschnittliche Sterne für die durchschnittliche CN-Wurst am Gramkowweg vergeben. Gäbe es nicht noch die Getränkeauswahl …

Denn hier wird nun doch eindeutig gepunktet. Eine große Auswahl an nicht-alkoholischen Getränken bietet dem Familienvater die ideale Versorgung für die lieben Kleinen. Wer Größeres noch vor hat, kann sich an Whiskey-Cola und Bacardi-Cola laben. Alle anderen dürfen Bier trinken. Nämlich Einbecker vom Faß. Zwar verlängert das gründliche Zapfen das Warten in der Schlange, vor allem zu den obligatorischen Stoßzeiten – dafür mundet das frisch gezapfte Einbecker herrlich und ist uns einen halben Bonuspunkt wert!

(3.5/5)

Und so geniessen die Fußballwurst.de-Experten mit dem besagten Einbecker die zweite Halbzeit in vollen Zügen. Nach einer kurzen Hochphase für CN nimmt Altona 93 das Heft wieder in die Hand und kontrolliert das Spiel bis zum Abpfiff. Folgerichtig gewinnt der AFC deutlich und in dieser Höhe völlig verdient mit 4:1.

Klassischer Torjubel kommt bei den Gästefans jedoch nicht auf – dafür zeigen minutenlanges Hurra-Gegrölle und geschriene Ja’s wie wichtig die AFC-Fans diesen Auswärtssieg nehmen – wenn es so weitergeht ist der verkorkste Saisionstart bald vergessen und Seeligers Truppe kann nun die Aufholjagd auf Spitzenreiter Victoria Hamburg beginnen!

Was den Bewohnern von Curslack und Neuengamme bleibt? Sie nehmen die 1:4-Niederlage mit Fassung. Und schütteln noch lange ihre Köpfe über diese seltsam grölenden Großstädter aus Altona …

Spielbericht bei HAFO

Autor: F.Renz
Datum: Montag, 28. September 2009 18:00 | Dieser Artikel wurde 1,043mal gelesen
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Hamburg, SV Curslack-Neueng.

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Bratwursttests, die diesem Artikel inhaltlich ähnlich sind:

4 Kommentare

  1. 1

    Jaaaaa! Jaaaa! Hurraaaaaaaa!

  2. 2

    Juhu. Endlich mal kein Toastbrot.

    Freu mich schon auf Freitag beim Spiel im Wohnzimmer gegen Wedel. Bis zur Winterpause sind wir an Viki dran.

    Einundneunzig!

  3. 3

    Zweiundneunzig!

  4. 4

    [...] Bericht über die Wurst bei Curslack-Neuengamme wurde ja bereits berichtet, dass die Fans von Altona 93 bei Auswärtsspielen seit der letzten [...]

Kommentar abgeben