Die Hauptstadtwurst bei Eisern Union

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Es ist schon ein paar Tage her, aber ein Wochenende in Berlin muss ein Landei wie ich erstmal verdauen. Schließlich soll ein Testbericht objektiv, fundiert und seriös recherchiert sein und nicht von persönlichen Emotionen verblendet. Genug der Ausreden: Mitte August machten wir uns auf den Weg nach Berlin um ein umfangreiches Kulturprogramm zu absolvieren: Erst Fussball, dann Pearl Jam gucken. Fussballerisch stand an diesem Wochenende das Spitzenspiel der zweiten Liga an. Aufsteiger 1. FC Union Berlin gegen ebenfalls Aufsteiger Fortuna Düsseldorf. Die ungewohnte Anstoßzeit (13:00 Uhr) sowie die ungewohnten Ausmaße Berlins lassen den Tag nicht ohne Hektik beginnen. Wir fahren U-Bahn, wir fahren S-Bahn, wir fahren Tram und erreichen schließlich das Stadion an der alten Försterei um kurz nach 13:00 Uhr. Nina Hagen haben wir damit schon mal verpasst. Die Frage, ob die Hymne der Unioner ganz lottoesk live vom Kran in die Kurve gebrüllt wird oder vom Band kommt, bleibt somit ungeklärt. Ob mit oder ohne Frau Hagen, die Stimmung ist schon auf den letzten Schritten durch den Wald beeindruckend. Also schnell ab zum Eingang. Keine Schlange – zu spät kommen hat auch Vorteile. Die Atmosphäre lässt einen schlagartig vergessen, dass sowohl Frühstück als auch Mittagessen bisher der Zeitplanung zum Opfer gefallen waren – wir holen zwei schnelle Biere und dann aber rein in die gute Stube.

Das Stadion ist, das kann man auch nach einigen Wochen Bedenkzeit sagen, ein Traum. Gar nicht unbedingt weil es von den Fans selbst renoviert wurde. Das ist zwar eine tolle Geschichte, aber dafür können andere Stadien von außen bunt leuchten und wieder andere haben ein Cabrio-Dach. Bitte nicht falsch verstehen: Ich finde die Leistung, die die Anhänger hier in Ihrer Freizeit erbracht haben, sehr beeindruckend. Aber was mich an dem Stadion fasziniert ist nicht die Geschichte drumherum sondern die Stimmung drinnen. Und die ist, wahrscheinlich durch die beeindruckende Anzahl der Stehplätze, hier eben wirklich gut. Die Karten sind bezahlbar (12 Euro) und die Bude ist voll. Die Leute sind für Berliner Verhältnisse freundlich und Modefans, wie man sie als Hamburger bei dieser Konstellation aus Zweit- und Erstligisten in der der Stadt vermuten könnte, sind kaum zu entdecken.

Wir sehen ein munteres Spielchen, in dem Union von Anfang an das Heft in der Hand hält. Ein Tor allerdings will trotz guter Gelegenheiten zunächst nicht fallen. Und da die Fortuna durch gelegentliche Konter immer wieder gefährlich vor dem Tor der Gastgeber auftaucht hat die erste Halbzeit einen beachtlichen Unterhaltungswert. Während die Aktiven sich über einen Gang, der seitlich über (!) die Haupttribüne führt, zum Pausentee zurückziehen, begeben wir uns zusammen mit den übrigen ca. 15.000 Zuschauern in die „Biergärten“ hinter den Tribünen. Dort glüht schon die Holzkohle, es riecht nach Grill und wir freuen uns auf das perfekte Frühstück an einem solchen Tag. Auf dem Grill liegen Wurst, Buletten und Nacken. Alles wird im frischen (wo gibt es das noch im deutschen Profifussball?!) Brötchen verkauft. Die Wurst und die Bulette kosten faire 2 Euro, für das Nackensteak wird 50 Cent Antibiotika-Aufschlag fällig. Uns egal, wir nehmen den Klassiker: Bratwurst. Tunke kann man sich aus der Tube selbst aufs Grillgut dosieren. Dann beginnt der eigentliche Test im Schatten des Denkmals der Stadionbauhelfer: Die Wurst ist kürzer und dicker als wir das vom heimischen Grill kennen und gut gegrillt.  Geschmacklich kann sie mit dem Drumherum leider nicht ganz mithalten. Alles in allem aber eine sehr ordentliche Stadionwurst in toller Fussballatmosphäre, für die es einen Extrastern gibt.

(4/5)

In der zweiten Halbzeit plätschert das Speil etwas vor sich hin. Schließlich belohnen sich die Gastgeber in der 75. Minute mit einem sehenswerten Tor und trotz einiger Ausgleichsversuche der Düsseldorfer am Ende auch mit drei Punkten. Wir belohnen uns mit zwei weiteren Bierchen. Das ausgeschenkte Berliner Pilsener gibt es zu sehr fairen Preisen im 0,5 Liter Mehrwegbecher und für den großen Durst auch als Literportion. Noch eines von so vielen schönen Details. Noch eins? Während man die riesigen Biereimer bestaunt, organisieren nette Leute vom Ausschank die Rücknahme der Pfandbecher noch innerhalb der Wartezeit. Noch eins? Softdrinks gibt es für Kinder auch in kleinen Portionen, damit Papa mit Sohnemann nach einem halben Liter Fanta nicht drei mal pro Halbzeit aufs Dixi muss. Man hat wirklich den Eindruck, dass hier Leute am Werk sind ,die wissen worauf es ankommt. Ich bin mir sicher dass denen auch noch was einfällt, um denjenigen den Weg zur Toilette zu erleichtern, bei denen Dixi-Klos kleine verklärten Festival-Erinnerungen auslösen. Unabhängig davon: Wir kommen sehr gerne wieder!

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Projekt Eiserne Menschen

Autor: S.Beyer
Datum: Montag, 7. September 2009 9:20 | Dieser Artikel wurde 8,635mal gelesen
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19 Kommentare

  1. 1

    Ein schöner “Bericht aus Berlin”. Für das Spiel gegen Rostock sind wir leider nicht rechtzeitig in der Hauptstadt gewesen, hätte das Stadion sehr gern einmal selbst genossen. Und wohl eine gute Wurst verpasst.

    Eine Frage bleibt für mich jedoch: Wer von den beiden Bundesligavereinen aus Berlin ist denn der Mode-Club?

  2. 2

    Lieber Carsten, Erfolgsfans und ausverkauftes Oly findest Du bei Hertha wenn es dort gut läuft, halb volle Ränge und Jemeckere findest Du bei Hertha wenn es schlecht läuft.

    Gemessen am deutsche Fußballstandard ist wohl Hertha “in Mode”.

    Union ist wohltuend anders.

    Viele Grüße aus Leipzig
    Bruno

  3. 3

    na wir sind det nicht (also der Modeclub):D

  4. 4

    [...] herrlicher Bericht zu einem Stadionbesuch bei Union. Oh man. Da läuft mir jetzt schon wieder das Wasser im Munde [...]

  5. 5

    Hm – also meine Erfahrungen mit der Union-Wurst lassen mich 5 Sterne vergeben!!!

    In anderen Stadien muss man erheblich länger anstehen und die 2.- € für die Wurst werden meist getopt inkl. alten Brötchen.

    Ein Glück ist das in der Alten Försterei nicht so!!!

    Eine Frage noch?

    Musstet Ihr Hamburger-Zuschlag bezahlen oder warum hat Eure Karte 12,- € gekostet?

    Die einzigen die, wenn überhaupt, genau 12,- € zahlen wären Kinder von 6-12 Jahren wenn diese auf der Sitzplatztribüne platz nehmen!!!

    Normalerweise kommt man für sehr schmale 10,- € als Vollzahler in die Gegengerade bzw. für 9,- € auf die Waldseite zu den Ultras.

    LG – aus dem Friedrichshain – Chris ;)

  6. 6

    Toller Bericht. Und schön, dass nicht nur Unioner das Stadion und die Stimmung so genial finden. ;)

    @Chris: Vermutlich wurden die Karten im Vorverkauf bzw. über ticketonline.de gekauft, die schlagen 2€ auf den Kartenpreis drauf…

    LG aus Weißensee Mandy

  7. 7

    Genialer Artikel über unsere Wurst unser Stadion und uns. Am Sonntag werde ich auch wieder die Wurst genießen. Man hätte noch erwähnen können wie Schick unsere Bierbecher mit der Einteilung (Achtung Nachschub ordern) sind. Aber sei es drum ich vergebe 10 Sterne.

    LG aus Erkner von Micha

  8. 8

    Schön geschrieben … und da der Mensch allein von Bier und (Stadion)wurs(ch)t nicht leben kann, hat sich in Berlin-Köpenick der Ballsport dazugesellt.

    Also lasst Euch mal wieder sehen, Ihr Richter der Bratwurst zB. Anfang November bei leichtem Niesel
    und 4 Grad+ ….. . Wie dann erst die Wurst lecker schmeckt.

    EISERN!Matti

  9. 9

    Die geilste Bratwurst haben wir tatsächlich bei dem geilsten Club der Liga genossen, -bei Euch. Und wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen.

    Grüße aus Essen, dem fußballerischen Niemansland

    Volker S. (Block C, Reihe 14)

  10. 10

    ja, echt toller bericht!!
    Und die 2€ für die wurst sind echt sehr billig..also da habe ich schon was ganz anderes gesehen!!

    Stimmung war ebenfalls top..!!

    EISERN!!

  11. 11

    @Carsten:: Ich denke Deine Frage haben Bruno und Lars beantwortet.
    @Chris:Mandy hat Recht, wir haben online bestellt. Von den unverschämten Versankosten hab ich hier mal nix erwähnt …
    @Micha: Das haben wir gar nicht gesehen – ein guter Grund wieder zu kommen ;-)
    @Maschulke: Niesel und vier Grad haben wir hier auch fast das ganze Jahr. Da schmeckt auch das Bier, oder trinkt Ihr dann etwa Punsch?
    @Volker: RWE ist die Heimat von Horst Hrubesch und damit niemals Niemannsland!!!
    @Alle vielen Dank für die vielen netten Kommentare. Bleibt uns treu …

  12. 12

    [...] This post was mentioned on Twitter by Dominik and Wiesn 2009. Dominik said: RT: http://bit.ly/4aVbGj Fußball, Bratwurst und Bier – ein Testbericht aus der #AF beim #fcunion so schlecht .. http://bit.ly/XitIu [...]

  13. 13

    Da gibt es auch Hot Dogs jetzt.lecker lecker.

  14. 14

    sehr schade, dass ihr nicht das super leckere fischbrötchen probiert habt.
    wurst ist lecker, bier ist süffig, fischbrötchen der hamma und das stadion und atmosphäre einfach wahnsinnig GEIL.
    kommt ruhig mal wieder. euer bericht liet sich sehr gut…..

    bis sonntag!

    u.n.v.e.u.

  15. 15

    Das ist ja ein richtiges Fanschlaraffenland bei Union.

    Bier in der Kunststoff-Maß, Fischbrötchen, Hotdogs.

    Gibt´s denn auch Mettbrötchen, Backfisch und Hamburger?

  16. 16

    also alles ganz gut geschrieben, aber EY KOLLEGE WAT HEIßT HIER “Die Leute sind für Berliner Verhältnisse freundlich”??? wir berliner sind ja wohl die freundlichsten überhaupt!! soll ich dir mal mit 200km/h das gesicht streicheln!!??

    :-)

    *kleiner scherz*

    “Und niemals vergessen…”

  17. 17

    [...] an. Es wird spannend sein, zu sehen, ob die Wurst dann auch die erste ernsthafte Prüfung im genauso wie im Vorjahr bestehen wird. « Gruß aus [...]

  18. 18

    Also in diesem Jahr war sie ausgezeichnet, der Geschmack, der Preis, die kurze Schlange (im Vergleich zum Bierstand…) – und die sonstige Stimmung auch!! Alles toll!!

  19. 19

    Morgen geht´s mal wieder in die geliebte Alte Försterei! Freue mich schon auf Leute, Stimmung, Stadion, Wurst, Stadt und überhaupt auf alles… wer noch nie da war, unbedingt mal hin!

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