Die Villinger Pokalwurst

fc08villingenlogoAm Sonntag, den 02.08., trat der FC 08 Villingen in der ersten Runde des DFB Pokals im heimischen Friedengrund gegen den FC St. Pauli an. Dieses Spektakel wollten sich ca. 9.000 Zuschauer nicht entgehen lassen – eine ungewohnte Situation für den Oberligisten, der bereits 1950 und 1974 Südbadischer Pokalsieger war. Allerdings hatte man sich in kulinarischer Hinsicht hervorragend auf den Andrang eingestellt: Diverse Verkaufsstände boten Speis und Trank zum käuflichen Erwerb preis, sodass dem Fußballfan keine langen Wartezeiten zugemutet wurden. Gelegenheiten zur Nahrungsaufnahme gab es reichlich: Die von Trainerfuchs Reiner Scheu taktisch hervorragend eingestellten „Nullachter“ egalisierten über weite Strecken den Kiezklub, der immerhin drei Spielklassen höher zu Hause ist. Hinzu kam, dass das Spiel erst in der Verlängerung (zugunsten des FC St. Pauli) entschieden wurde, so dass die treue Anhängerschaar knapp zweieinhalb Stunden das Treiben auf dem Platz verfolgte. Verständlich, dass der ein oder andere diese lange Zeit nicht ohne Stärkung überstehen konnte. So ging es auch dem Verfasser.

Feiner Bratwurstgeruch, ergänzt um die leider in Fußballstadien selten gewordenen Aromen von Pommes-Frites, wies den Weg zum Bratwurststand. Feilgeboten wurde die traditionelle „Rote“ aus einheimischer Metzgerproduktion zeitgemäß fettarm auf dem Gasgrill zubereitet.

img_2026Als Hintergrundinformation: Die Rote Wurst (kurz: Rote) ist eine beliebte Bratwurst in Schwaben und Südbaden. Im Handel taucht in jüngerer Zeit auch abgepackte Ware mit der Bezeichnung Cervelat auf, eine Bezeichnung aus der Schweiz für diese Wurstart. Obwohl es sich eindeutig um eine Bratwurst handelt, wird sie in der Regel schlicht als “Rote Wurst” bezeichnet. Sie ähnelt einer Bockwurst und enthält sehr feines Brät aus Schweinefleisch und Speck und schmeckt besonders würzig. Serviert wird die Rote meist mit mittelscharfem Senf und einer Scheibe Brot, aber viele essen sie auch mit Ketchup, was den für manche Menschen sehr würzigen Geschmack (vgl. gebratener Fleischkäse) etwas mildert.

Im Villinger Stadion wurde die fachmännisch „à point“ gegrillte Wurst in einem von Bäckerhand erstellten Tafelbrötchen serviert. Mittelscharfer Senf sowie Curry-Gewürzketchup standen zur Selbstbedienung bereit, ersterer wurde vom Verfasser zur Vervollkommnung des kulinarischen Gesamterlebnisses dezent auf die Wurst aufgetragen. Besonderer Erwähnung bedarf die überdurchschnittliche Größe des Grillgutes: Zum sicheren Transport an den Ort des Verzehrens wurde sie vom Personal paritätisch geteilt und in zwei Lagen im Brötchen verstaut (siehe Bild). Somit war auch die Befriedigung des Hungergefühls gestandener Zuschauer garantiert. Der veranschlagte Kaufpreis von 2,50 Euro ist vor diesem Hintergrund als moderat zu bewerten.

Insgesamt übertraf diese Fußballwurst in jeder Bewertungskategorie das aus Hamburg bekannte Niveau deutlich. Es stellt sich die Frage, ob hier überhaupt die gleichen Maßstäbe angesetzt werden können. Falls ja, erteile ich der Villinger Pokalwurst hiermit die Maximalpunktzahl von 5 Sternen. Auch das dazu gereichte gut gekühlte fassfrische Stuttgarter Hofbräu wurde dem hohen Anspruch, den diese Wurst ausstrahlte, gerecht.

(5/5)

Links:

FC 08 Villingen
FC 08 Supporters Club
Bilder zu diesem Bratwursttest

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Bericht im Südkurier über den Wursttest beim FC 08 Villingen

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Autor: S.Doderer
Datum: Mittwoch, 5. August 2009 9:30 | Dieser Artikel wurde 4,264mal gelesen
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7 Kommentare

  1. 1

    Sauber! Endlich wird mal der “Roten” ein Bericht gewidmet und der Mär ein Ende bereitet, die “Rote” sei keine Bratwurst!

  2. 2

    Glückwunsch zum ersten Bericht und dann auch noch gleich ein 5 Sterne Volltreffer. Respekt!

  3. 3

    Sehr schön! Ich meine sehr schöner Bericht und sehr schön, dass es sowas noch gibt!!!

  4. 4

    Glückwunsch zu deinem ersten Test.

    Aber ist die Bewertung nicht durch Lokalpatriotismus verfälscht? Eine Höchstwertung für eine Wurst vom Gasgrill hatten wir noch nie.

    Mal schauen, vielleicht bekomm ich ja auchmal einen Test der 08er Wurst hin.

  5. 5

    [...] Villinger Pokalwurst – unschlagbar, gerade in Kombination mit dem fußballerischen Erlebnis: http://www.fussballwurst.de/2009/08/05/die-villinger-pokalwurst/ [...]

  6. 6

    Mich als Schwabe , der seit 2 Jahren in Nordeutschland wohnt, wundert diese Topbewertung einer “Roten” nicht. Meine Freunde waren geradezu empört, als sie hörten, dass im Norden stets ein “läppriges” Toastdreieck zur Bratwurst anstatt eines ordenliches “Weckle” geereicht wird :-)

  7. 7

    Der Trainerfuchs Reiner Sü!!! Hahaha! Nach den Erfolgen beim SV Kulbach ist er in Villingen heimisch geworden.

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