Die Meisterwurst bei Holstein Kiel

holsteinkielDie Saison ist vorbei und wenn ich ehrlich bin tut die Pause auch ganz gut. Aber bevor die fussballfreie Zeit beginnt sollte die Saison mit einem Highlight beendet werden: Der letzte Spieltag in der Regionalliga Nord stand im Vorfeld dem Bundesliga-Finale an Spannung in nichts nach. Ein Fernduell punktgleicher Konkurrenten um die Meisterschaft. Kiel zuhause gegen den im “Tabellenniemandsland” steckenden Erzrivalen aus Lübeck. Halle gegen die stark abstiegsbedrohte Elf aus Plauen. Beste Vorraussetzungen für einen spannenden Fussballnachmittag also.

Das Stadion in Kiel liegt von Bahnhof und Innenstadt fast maximal weit entfernt. Die historische Anlage wurde von den generösen Geldgebern vor ein paar Jahren mit neuen Billigrängen aus Gerüstgestänge und Wellblech ausgestattet. Das ist zwar alles andere als schön, aber es erfüllt seinen Zweck. Man ist nah am Spielfeld, wird kaum nass und das Dach sorgt für Stadionsound. Die geschätzen Gästefans stehen weiterhin auf den alten Tribünen weit weg vom Tor im Regen. Gegen Lübeck mag das angemessen erscheinen, macht aber stark den Eindruck als sei das Geld ausgegangen. Famila ist eben nicht SAP, und das ist auch gut so. Zum Spitzenspiel ist die Hütte voll bis unters Dach und da wo noch Platz ist wird sie mit Polizei aufgefüllt. Auf dem Weg zum und ins Stadion ist die Vorfreude groß. Ein großes Spiel gibt es in Kiel normalerweise nur mit kleinerem Ball und in der Halle.

Nach den ersten Minuten wird allerdings schnell klar: Die 90 Minuten werden kein Leckerbissen. Aber zum Glück stand ja da noch ein Wursttest an, dieser wurde dann spontan in die Mitte der ersten Halbzeit vorgezogen. Auf den ersten Blick ist das Wursterlebnis am Holler viel versprechend. Erstens: Es gibt zwei Buden für eine Tribüne – die Versorgungslage ist also gut. Zweitens: Im Schatten des alten Ehrenmals, früher Teil der Westtribüne – heute verbaut aber immerhin nicht abgerissen, kommt die nostalgische Stimmung auf die man auf solchen Sportplätzen so häufig vermisst. Drittens: Über den Buden prangt der Schriftzug “Hofgut”. Wer oder was auch immer Hofgut ist – es ist nicht Salzbrenner und dass macht Hoffnung auf ein Geschmackserlebnis.

ksv-wurstDas Erlebnis kommt auch. Die Wurst schmeckt lecker und würzig. Leider ist sie gegrillt als stünde dort am Grill ein Veganer auf Sozialstunden – eine Seite zu dunkel, eine fast roh. Und das mitten in der ersten Halbzeit, also ohne jeden Stress. Naja vielleicht hatte ich auch nur Pech. Immerhin ist das Personal sehr freundlich. Die Wurst kostet 2,20 Euro. Das ist für die Regionalliga vollkommen in Ordnung. Insbesondere wenn man bedenkt, dass es dazu die von mir so geliebte Toastbrot-Flatrate gibt: Toast in Dreiecken in einer großen Wanne. Jeder nimmt soviel er tragen kann. So werden alle statt. Tunke gibt’s auch zur Selbstbedienung. Eigentlich alles optimal, wenn der Stümper am Grill nicht wäre … Weiterhin im Angebot Frikadellen/Bremsklötze/Knastpralinen/Buletten: Nix besonderes – wozu auch!

(2.5/5)

Was die Getränke angeht können sich die lieben Kieler beim DfB bedanken. Die Funktionäre hatten nämlich Alkoholverbot im Stadion angeordnet. (Das verhindert zwar keine Krawalle, wirkt aber “voll bemüht” – will hier allerdings keinen Streit anfangen.) So kam es, dass ich kein Bier getrunken habe und darüber also auch kein Urteil abgeben kann. Nur eins möchte ich hier mal los werden liebe Holsteiner: Wenn es nächstes Jahr wieder nur Warsteiner zu überhöhten Preisen gibt, komm ich nicht wieder – und wenn Ihr in die Bundesliga aufsteigt!!!

Zurück zum Spiel: Nix passiert. Irgendwann lag Konkurrent Halle zurück, ganz zum Schluss sogar ein Tor für Kiel. Zwischendurch immer wieder Feuerwerk im Gästeblock – vielleicht wär das mit Bier nicht passiert … egal. Alle waren froh als endlich Schluss war. Holstein Meister. Glückwunsch!!!  Tore auf und rauf auf den Rasen. Plötzlich tauchte sogar Polit-Pronimenz auf, Queen wurde gedudelt. Alles wirkte improvisiert. Sympathisch, fast liebenswert – typisch Kiel eben!

fussballwurst.de gratuliert allen Fans, Aktiven und vor allem dem stimmungsmachendem Platzwart von der Meisterfeier zum Aufstieg und zu Meisterschaft. Und Haui gratulier ich zu seiner Kiste Flens, ich hab bis zur 89. nicht dran geglaubt…

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Holstein Kiel

kleiner Spielbericht

Autor: S.Beyer
Datum: Samstag, 13. Juni 2009 10:02 | Dieser Artikel wurde 1,485mal gelesen
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4 Kommentare

  1. 1

    Sterne kommen noch. Ich hatte zu meiner Wurst eine Brezel für € 1,50 da es keine Brötchen gab.
    Mir hat die Kieler Meisterwurst nach Adam Ries dem Rechenmeister aus Oberfranken also €3,70 gekostet.

  2. 2

    Sehr geiler Bericht!
    Bremsklötze und Knastpralinen … ich schmeiss mich weg …

  3. 3

    Schöner Bericht!
    Hofgut ist die famila/Markant-Eigenmarke Zitat: “Die Marke Hofgut kommt aus dem Fleischbereich und sichert hier seit Jahrzehnten den gehobenen Anspruch unseres Unternehmen in diesem sensiblen Bereich.”
    Mahlzeit…

  4. 4

    Ich bin begeistert – trotz der wiederkehrenden latenten Missgunst gegen den VfB Lübeck.

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