Der VfL Bochum: Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, …

bochum… ist es besser, viel besser als man glaubt …!”

Damit beginnt Herbert Grönemeyers Hymne an die Ruhrpott-Stadt Bochum, in die ich mich heute begeben habe. Der Grund ist so einfach wie so simpel: Die Ruhrpott-Wurst wird getestet, das Ruhrstadion besichtigt. Der heutige Gegner heisst Hannover 96 und ist noch ohne Auswärtssieg in dieser Saison. Etwa 25.000 Zuschauer können also von drei Punkten für die ehemals Unabsteigbaren aus Bochum ausgehen.

Bereits eine Stunde vor Spielbeginn mache ich mich vom Bermuda-Dreieck – so heisst hier das Kneipenviertel – zum Ruhrstadion auf. Die U-Bahn wirft mich quasi direkt neben dem Stadion (äh Rewirpower-Arena oder so) raus und das macht Sinn, es schüttet nämlich aus Eimern und der Himmel öffnet sein hässliches Maul. 

Mein Kennerblick scannt alle Wurstbuden rund ums Stadion. Hier gibt es die Standardbuden direkt im Bauch der Arena sowie kleinere Würstchen-Kioske, die direkt vom Kohle-Grill die Ware anbieten. Nur schade, dass die anscheinend viel zu wenig Würste mit dabei haben und schon vor Spielschluss den Laden dicht machen. Ich esse nämlich zuerst die “normale” Wurst und bekomme schließlich die Absage, als ich nach Spielschluss die zweite Wurst testen möchte. Passt aber irgendwie zu den 90 Minuten, die dazwischen liegen.

Für 2,40 Euro bekomme ich die Krakauer, dazu ein halbfrisches Brötchen und die obligatorische Senf- und Ketchup-Auswahl. Der Service ist Arenen-like komfortabel und effizient, es fehlt aber auch nicht an der persönlichen Note, nein, die Bedienung ist freundlich und charmant und freut sich unendlich, als ich zu der Wurst noch ein Fiege-Pils bestelle. Fiege, das ist die Heimmarke von Bochum und deren Einwohner können auf Ihr Bier stolzer sein als die Hamburger mit dem Mittelwert aus Astra und Holsten Edel. Für die flüssige Versorgung gibt es einen halben Stern extra, den die Bochumer aber auch bitter nötig haben werden. Denn die Wurst ist langweilig, halbgar und überhaupt nicht mein Fall. OK, optisch gibt sie noch etwas her, aber weder der erste Geschmackseindruck, noch die Hauptgeschmacksnote und ganz zu schweigen vom Nachgang: Ich bin denkbar unbeeindruckt von diesem Industrieerzeugnis. Nein, sie schmeckt nicht schlecht oder alt oder verdorben – diese Wurst ist quasi der cremefarben-lackierte Opel Astra des Nahrungsmittelweltsortiments. 1,5 Sterne für die Langeweile, nein, dank des halben Fiege-Sterns vergebe ich immerhin 2 Sterne.

(2/5)

Mit der Langweiler Wurst stehe ich also im Stadion, lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen und schaue mich belustigt in der Gegend um. Mein Stehplatzblock Q befindet sich in der Kurve, direkt neben den Ultras und die geben schon vor dem Spiel Gas. Spätestens als unmittelbar vor dem Anpfiff Grönemeyers Bochum-Hymne durchs Stadion fegt ist das Fußball-Kribbeln da: Diese Fans machen mächtig Stimmung und sind absolut erstligatauglich. A propos Tauglichkeit: Wer heute drei Punkte holt, ist schon fast am rettenden Ufer angelangt, der Verlierer muss sich mit dem Thema Abstieg noch länger auseinander setzen.

Die erste Halbzeit zeigt indes das Schlechteste was der VfL in den letzten Jahren geboten hat. So munkelt man um mich herum. Bereits nach zehn Minuten ertönen “Maltritz-Raus”-Rufe und nach einer halben Stunde heisst es schließlich “Koller-Raus”. Denn hochverdient führen die Hannoveraner zur Pause mit 2:0. Das Ding ist eigentlich gelaufen, hier kann heute nichts mehr passieren.

Denkste. Nach der Einwechslung von Epalle dreht der VfL auf. Eine Schuss nach dem Anderen geht Richtung 96-er Kasten und dort zwischen den Alupfosten steht der Spielverderber und Miesmacher aller Bochum-Fans: Robert Enke. Er hat zwar die meisten Gegentore der Liga vorzuweisen. Aber was dieser Teufelskerl heute hält ist unglaublich. Und je mehr die Bochumer drängen, desto besser wird Enke. Nur einmal da ist er überlistet, aber selbst dann steht den 96ern noch ein rettender Pfosten zur Seite.

Am Spielstand ändert sich nichts. Hannover holt seine ersten Auswärtspunkte. Ich höre noch einmal Grönemeyers “Tief im Westen”. Die Holzkohlewurst ist alle. Die Fans sind traurig. Zeit zu gehen aus dem kleinen, aber schnuckeligen Stadion. Aber erst noch ein letztes Fiege!

Links:
Der VfL Bochum im WWW
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Autor: F.Renz
Datum: Donnerstag, 14. Mai 2009 17:01 | Dieser Artikel wurde 2,304mal gelesen
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8 Kommentare

  1. 1

    Ich hoffe aber das du vorher/nachher eine Currywurst im Bermuda Dreieck bei Dönninghaus gegessen hast?

    Die Stadion Wurst isst der Einheimische nur kurz vorm Hungertod, oder selbst dann nicht.

  2. 2

    Klar, Bochum ohne Currywurst geht ja nicht. Aber bei Dönninghaus war ich nicht. Steht auf jeden Fall für das nächste Mal auf der Liste! :-)

  3. 3

    Super Bericht! Fussballwurst.de im Norden (sowieso), im Süden, im Westen … und wer macht den Osten???

    Hoffen wir mal das der VfL drin bleibt, auch wenn die Wurst es scheinbar nicht verdient hätte ;-)

  4. 4

    Bin demnächst ein paar Tage in Thüringen unterwegs. Vielleicht bekomme ich das ja hin. Ein Test im Wurstparadies beim Fußball.

  5. 5

    Wie dumm ist das bitte ne Krakauer beim VFL zu essen??? Schonmal was von Dönninghaus gehört? Nächstes mal bitte die Wurst testen, die auch vom Rest gegessen wird ;)

  6. 6

    muss mich unbedingt meinen vorrednern anschließen. dönninghaus im bermuda dreieck, oder wahlweise an der bude außerhalb am stadion! das ist die beste wurst der welt!

  7. 7

    Vielleicht solltet ihr mal die Wurst beim Wuppertaler SV testen. Schlimmer gehts nimmer.

  8. 8

    [...] aus den tiefen Westen mitnehmen. Am Hauptbahnhof in Bochum angekommen, wurde erst mal die in einem Vortest beim VfL, durch diverse Kommentare empfohlene Bratwurtstbude angesteuert. Dort isst der VfL-Fan seine [...]

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